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Bilderstreit ums Rappentöri

Überdimensioniert? Oder an diesem zentralen Ort schlicht ein Gebot der Stunde? Der Abstimmungskampf um die Rappentöri-Überbauung in Köniz ist voll entbrannt. Ausgetragen wird er auch über Bilder.

Mit dem Elisabethenhaus und dem alten Coop im Rücken: Bernhard Zaugg (EVP), Markus Willi (SP), Casimir von Arx (GLP und Hansueli Pestalozzi (Grüne) rühren vor Ort die Werbetrommel für die Rappentöri-Überbauung.
Mit dem Elisabethenhaus und dem alten Coop im Rücken: Bernhard Zaugg (EVP), Markus Willi (SP), Casimir von Arx (GLP und Hansueli Pestalozzi (Grüne) rühren vor Ort die Werbetrommel für die Rappentöri-Überbauung.
Susanne Keller

Sicher, gleich in die Geschichtsbücher wird es dieses Bild kaum schaffen. Mit Blick auf die Könizer Abstimmungen vom 21. Mai hat es aber sehr wohl seine Wichtigkeit: In trauter Einigkeit stellen sich Bernhard Zaugg (EVP), Markus Willi (SP), Casimir von Arx (GLP) und Hansueli Pestalozzi (Grüne) vor die Kamera der BZ-Fotografin, hinter sich der angejahrte Flachdachbau des alten Coop und das Elisabethenhaus mit der Musikschule.

Mit ihrem Auftritt wollen die vier Parlamentarier die Werbetrommel für die Neubauten rühren, die auf dem sogenannten Rappentöri-Areal geplant sind. Vorgesehen sind zwei Baukörper mit rund 60 Wohnungen und bis zu 4000 Quadratmetern neuer Ladenfläche. Mit einem Ja sollen die Stimmenden den Weg für diese verdichtete, städtisch geprägte Überbauung freimachen, und das Quartett hält bei seinem Ortstermin fest: Einen besseren Platz zum Wohnen und Einkaufen gibt es in der Gemeinde kaum.

Immerhin bündelt Köniz hier seine Kräfte. Migros, Coop und weitere Detaillisten bieten alles an, was zum Leben nötig ist. Zahlreiche Buslinien und die S-Bahn stellen ein dichtes Angebot im ­öffentlichen Verkehr sicher.

In der Kritik der Gegner: Die Neubauten in der offiziellen Visualisierung. Bild: zvg
In der Kritik der Gegner: Die Neubauten in der offiziellen Visualisierung. Bild: zvg

Starker Einkaufsort

Auch Walo Hänni hat ein Bild. Es zeigt die künftigen Gebäude, das vordere besteht aus einem fünf- und einem siebenstöckigen Kubus, das hintere umfasst nur einen längs gestreckten Baukörper mit ebenfalls fünf Stock­werken. Schönfärberisch sei diese ­offizielle Visualisierung, ereifert sich Hänni. Die Perspektive sei so gewählt, dass der siebenstöckige Kubus hinter dem fünfstöckigen quasi verschwinde. Die Wucht der Überbauung werde so verharmlost, kurz: «Die Bauvolumen sind völlig überdimensioniert» – besonders so nahe am Schlossareal mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden.

Als Ur-Könizer und Präsident des Ortsvereins Köniz hat sich Hänni an die Spitze der Rappentöri-Gegner gestellt. Und fährt mit seiner Kritik fort: Probleme werde auch der Verkehr machen, weil sich die zu- und wegfahrenden Autos, die Lastwagen der Lieferanten sowie die Linienbusse auf der Stapfenstrasse gegenseitig in die Quere kämen. Ganz abgesehen davon, dass er die vorgesehenen Läden grundsätzlich infrage stelle: «Brauchen wir so viel zusätzliche Verkaufsfläche?»

Diese Frage stellen sich auch andere, die Geschäftsleute am Neuhausplatz im Liebefeld zum Beispiel, vor allem aber die Verantwortlichen in der SVP. Wenn sich im Zentrum noch mehr Geschäfte ansiedelten, werde das Ladensterben in den Dörfern und Quartieren umso rascher voran­schreiten, sagt Präsident Christian Burren. Er erinnert an den aktuellen Fall der Jägerbäckerei, die Ende Mai ihre Filiale in Mittelhäusern dichtmacht, fügt an, auch Niederscherli und Schliern hätten als Einkaufsorte ja Mühe.

Oder eben der Neuhausplatz, was Marianne Künzi als Präsidentin der dortigen Ladenvereinigung bestätigt: Der Neuhausplatz spüre die Folgen der grossen Migros- und Coop-Filialen im Könizer Zentrum unmittelbar. «Wir haben den Lebensmittelladen unwiederbringlich verloren.» Weil nun der Publikumsmagnet fehle, hätten alle zu leiden.

Burren bemängelt noch, dass die für die Laufkundschaft so wichtigen oberirdischen Parkplätze in eine Tiefgarage verlegt werden sollen. Die Parkfläche sei bei so viel neuer Ladenfläche ohnehin zu knapp bemessen – unvermittelt ist er bei jenem Thema angelangt, das auch FDP und BDP beschäftigt: Weil die Verkehrsfragen hier wie dort Gegner mobilisiert haben, legen sich beide Parteien auf keine Parole fest.

Attraktiver Aussenraum

Das Quartett, die Vertretung der Mitte-links-Parteien im Parlament, kommt zurück auf Hännis Kritik an der Visualisierung. Das Bild gebe die Dimensionen der Überbauung richtig, wenn nicht sogar leicht zu ihren Ungunsten überzeichnet wieder, betont von Arx. Um seinerseits die Gegner harsch zu kritisieren: Mit dem Ziel, die Neubauten möglichst störend erscheinen zu lassen, hätten diese ein Bild schlicht verfälscht. Sie hätten den Kirchturm an einer Stelle, von der aus er gar nicht zu sehen sei, in die Szenerie hineinkopiert.

In diesem veritablen Krieg der Bilder führt Pestalozzi wieder zur Vorlage zurück. Er erinnert daran, dass im Zuge der Rappentöri-Überbauung der durchs Areal fliessende Sulgenbach offen gelegt werden soll. Auf der heutigen, privat genutzten Schafweide entstehe so ein attraktiver Raum, der über einen Spazierweg erst noch öffentlich zugänglich sei. «Das ist das grosse Plus des ­Projekts.»

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