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Berner Bordell-Betreiber muss ins Gefängnis

Ein Bordell-Betreiber aus der Berner Lorraine ist am Montag wegen gewerbsmässigen Menschenhandels zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden.

Im Lagerweg im Berner Lorrainequartier führte der 45-Jährige ein florierendes Bordell.
Im Lagerweg im Berner Lorrainequartier führte der 45-Jährige ein florierendes Bordell.

Die Frauen und Transvestiten aus Thailand waren mit der Aussicht auf guten Verdienst in die Schweiz gelockt worden. Dass es um Geld gegen Sex ging, war fast allen klar. Nicht bewusst war den meisten, dass sie sich massiv verschulden mussten, bevor sie allenfalls ein klein wenig Geld verdienen konnten.

30'000 Franken mussten sie den Drahtziehern für die Reise zahlen. Das Geld stotterten sie mit Prostitution ab. Von ihrem Verdienst mussten sie aber auch noch den Berner Bordellbesitzer zahlen, der sich für Miete, Essen und Werbeaktionen entschädigen liess.

Das führte laut Staatsanwaltschaft dazu, dass die Prostituierten praktisch den ganzen Sex-Lohn abliefern mussten. Nach der Tilgung der Schulden kehrten die meisten in ihre Heimat zurück. Der Fall flog auf, als sich eine Prostituierte aus dem Berner Bordell an die Kantonspolizei wandte.

Wie kürzlich bekannt wurde, soll der Menschenhändler-Ring insgesamt mehr als 50 Thailänderinnen ausgebeutet haben. Sie sollen in den Kantonen Bern, Thurgau, Solothurn, Luzern, Basel-Stadt und Zürich gearbeitet werden. Die mutmassliche Chefin des Rings steht nächsten Frühling in Bern vor Gericht.

Halbe Million verschoben

Der am Montag verurteilte Bordellbesitzer verdiente offensichtlich gut. Er verschob fast eine halbe Million Franken nach Thailand, weshalb er auch wegen Geldwäscherei verurteilt wurde. Der 45-jährige Thailänder lebt seit 24 Jahren in der Schweiz und hat eine feste Beziehung mit einem Mann.

In seinem Bordell im stadtbekannten Rotlicht-Gebäude am Lagerweg prostituierte er sich auch selber. Bei der Aufarbeitung des Falls zeigte er «eine gewisse Einsicht», wie Christine Schaer als Gerichtspräsidentin des Regionalgerichts Bern-Mittelland in ihrer Urteilsbegründung festhielt.

Sie wies auch darauf hin, dass aus Sicht der drei Richterinnen nur in sieben von zwölf Fällen der Tatbestand des Menschenhandels erfüllt sei. In fünf weiteren Fällen seien die Thailänderinnen auf anderem Weg zur Sexarbeit in Bern gekommen, oder man wisse schlicht zu wenig über die Umstände.

«Anständig behandelt»

Die Staatsanwältin hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verlangt. Sie hatte darauf hingewiesen, dass die Sexarbeiterinnen faktisch all ihre Einnahmen hätten abgeben müssen.

Der amtliche Verteidiger hatte eingeräumt, dass sein Mandant Frauen ohne Arbeitsbewilligung beschäftigt und sich an ihrer Prostitution bereichert habe. Er habe ihnen gegenüber aber nie physische Gewalt angewendet und sie grundsätzlich anständig behandelt. Eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten sei angemessen.

Geldstrafe für Helferin

Glimpflich kam die Mitangeklagte davon. Die 25-jährige Thailänderin war im Bordell «Mädchen für alles». Sie soll zudem als Aufpasserin die Prostituierten kontrolliert haben, denn deren Bewegungsfreiheit war stark eingeschränkt. Das Gericht verurteilte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 9000 Franken wegen Gehilfenschaft zum Menschenhandel.

Christine Schaer schilderte die Frau als «naiv, aber nicht dumm». Zwar habe sie sich mitschuldig gemacht; allerdings sei sie selber Befehlsempfängerin gewesen und habe nur einen bescheidenen Lohn kassiert. Gewinnbeteiligt sei sie nicht gewesen.

SDA/cls/tag

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