Bern-West: Meienegg-Siedlung soll abgerissen werden

Bern

Die Fambau-Genossenschaft plant einen Abriss und Neubau der Meienegg-Siedlung im Berner Stöckackerquartier. Das Unternehmen und die Stadt Bern haben eine Planungsvereinbarung unterzeichnet.

Die Meienegg im Berner Stöckackerquartier war die erste Gesamtüberbauung der Nachkriegszeit. Das ist nun bald siebzig Jahre her, die Bedürfnisse haben sich verändert. Die Fambau-Genossenschaft und die Stadt Bern haben deshalb eine Planungsvereinbarung über Abriss und Neubau der Siedlung Meienegg im Stöckacker unterzeichnet, wie der «Bund» schreibt.

«Die Grösse der Wohnungen entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der Mieterschaft», sagt Walter Straub, Geschäftsführer der Genossenschaft Fambau, gegenüber dem «Bund». Zudem erfüllten die Gebäude die heutigen Anforderungen bezüglich Behindertengerechtigkeit, Brandschutz und Erdbebensicherheit nicht mehr.

Sanierung zu teuer

Eine Sanierung der 273 Wohnungen wäre teuer und bautechnisch kaum machbar. «Es bleibt nur der sozialverträgliche Ersatzneubau», sagt Straub. Die Fambau gehe von einem Investitionsvolumen in der Höhe von 100 bis 120 Millionen Franken aus.

Die neue Überbauung soll mindestens 350 Wohnungen in mehreren Gebäuden umfassen. Die neuen Bauten werden wahrscheinlich ein bis zwei Stockwerke höher gebaut als die bestehenden dreigeschossigen Wohnblöcke.

Der Abriss und Neubau der Siedlung soll voraussichtlich in drei Etappen stattfinden. So könnten die betroffenen Mieter während der Bauarbeiten innerhalb der Siedlung oder in eine andere Fambau-Liegenschaft umziehen.

Zur Realisierung des Vorhabens ist die Ausarbeitung einer Überbauungsordnung nötig, die dem Volk vorgelegt werden muss. Mit der Stadt Bern habe die Fambau eine entsprechende Planungsvereinbarung unterzeichnet. «Läuft es optimal, kann die Bevölkerung Ende 2019/Anfang 2020 abstimmen», sagt Straub gegenüber dem «Bund». Der Baubeginn für die erste Etappe wäre demnach ab 2021 möglich.

Das grösste Hindernis bis dahin sind wohl die Einwände der Denkmalpflege. Denn Siedlung und Gebäude werden in den Inventaren von Stadt und Kanton als «erhaltenswert» eingestuft. Die Meienegg figuriert zudem im Bundesinventar der schützenwerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung. Bern lockerte allerdings 2016 die Bedingungen für den Denkmalschutz.

Droht ein Gutachterstreit?

«Das Bundesinventar ist für mich nicht entscheidend», sagt Straub. Die Meienegg liege gemäss dem neuen Stadtentwicklungskonzept (Stek 2016) in einem Gebiet mit hohem Entwicklungspotenzial. Die denkmalschützerischen Einwände basierten letztlich auf einem «Glaubenskrieg».

Die Fambau habe zur Meienegg ein Gutachten bei einem ausgewiesenen Fachmann für Denkmalpflege erarbeiten lassen. «Gemäss diesem Gutachten steht einem Abriss der Siedlung grundsätzlich nichts im Wege», sagt Straub.

Die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB) ist bisher über das Vorhaben nicht informiert. Präsident Bernardo Albisetti sieht den Ersatzneubau Meienegg im Kontext einer grösseren Sanierungswelle im Stadtteil. «Ein Grossteil der Bausubstanz muss in den nächsten Jahren saniert oder gar ersetzt werden», äussert sich Albisetti gegenüber dem «Bund». Dies sei zurzeit die grösste Herausforderung für Bern-West.

ngg

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt