Belper Bauernfamilie in Bedrängnis

Belp

Familie Gasser will am Fuss des Belpbergs einen neuen Landwirtschaftsbetrieb bauen. Dagegen wehrt sich die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz – was wiederum die Gassers stört.

Am Fuss des Belpbergs: Hier wollen Gassers ihren neuen Betrieb bauen.

Am Fuss des Belpbergs: Hier wollen Gassers ihren neuen Betrieb bauen.

(Bild: zvg)

Johannes Reichen

Peter und Jasmina Gasser sitzen auf der Bank vor ihrem Bauernhof in Belp und verstehen die Welt nicht mehr. Gerade haben sie einen ersten Blick auf die ­Medienmitteilung der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz geworfen. Darin wehrt sich die Stiftung gegen einen «Neubau einer landwirtschaftlichen Siedlung». Er bedeute einen «Akt der Zersiedelung» und könne nicht bewilligt werden.

Gassers schütteln den Kopf. In der Mitteilung geht es um sie. Um ihr Bauprojekt. «Davon hängt unsere wirtschaftliche Existenz ab», sagt er. Die junge Familie bewirtschaftet im Gebiet Hohburg in dritter Generation einen Bauernhof mit 24 Hektaren. Er befindet sich am Rand eines Wohngebiets und wird von einem weiteren Bauernhof begrenzt.

«Das ist für die Anwohner nicht mehr zumutbar – und für uns aus betrieblicher Sicht auch nicht.» Der Hof sorge für Lärm und Gerüche. Er entspreche zudem nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen, zum Beispiel bezüglich der Tierhaltung oder der Betriebsabläufe. «Hier kommen wir an unsere Grenzen», sagt er.

Stall und Wohnhaus

Seit zehn Jahren befassen sich Gassers deshalb mit der Aussiedlung. Nun sind sie so weit: Wenige Hundert Meter vom jetzigen Hof entfernt wollen sie einen Stall für Mutterkühe sowie ein Wohnhaus für ihre Familie bauen. Am neuen Standort wollen sie auf Mutterkuhhaltung, Fleischproduktion und Direktvermarktung setzen. Die Nachbarn hätten sie über ihre Pläne informiert und viele gute Reaktionen erhalten.

Umso mehr sind sie von der Reaktion der Landschaftsschützer um Raimund Rodewald erstaunt. In der Medienmitteilung kündigen diese eine Einsprache gegen das Baugesuch an, das derzeit öffentlich aufliegt. Das Kulturland am Belpberg dürfe nicht verbaut werden, schreibt die Stiftung. Das Bauvorhaben sei «massiv» und stelle einen «Riegel in der Landschaft» dar: Mit Ausnahme «einiger alter kleiner Bauernbetriebe» sei das Gelände noch unbebaut.

Kritik an der Stiftung

Die Stiftung nennt in der Mitteilung auch Zahlen: 92 Mutterkühe sollen gehalten werden – in einem Stall von 67 Metern Länge. Gemäss Baugesuch ist die geplante Scheune allerdings nur 49 Meter lang – die 67 Meter beziehen sich auf die Scheune samt angrenzender Güllegrube. Zudem wollen Gassers nicht 92 Kühe halten, sondern die Hälfte: 46 Tiere.

Es sind diese Aussagen, die Gassers Anwalt Roger Lerf sauer aufstossen. «Es ist sehr schade, dass die Stiftung in einer öffentlichen Mitteilung tatsachenwidrige Behauptungen aufstellt.» Damit versuche sie, Stimmung gegen das Projekt zu machen und die Baubewilligungsbehörde zu beeinflussen. «Das ist nicht korrekt», sagt Lerf. Die Belper Bauverwaltung müsse nun abklären, ob die Stiftung überhaupt einspracheberechtigt sei und ob die Einsprache berücksichtigt werden dürfe.

Gemeinde unterstützt Projekt

Anders sieht es die Gemeinde Belp. Sie hat Abklärungen mit dem Amt für Gemeinden und Raumordnung und dem Amt für Landschaft und Natur vorgenommen. Für Gemeinderat Hans Aeschlimann (SVP) ist klar: «Ein solches Projekt muss bewilligt werden.» Im Dorf kämen die Bauern immer mehr in Bedrängnis und seien deshalb gezwungen, aufs Land zu gehen.

«Aber dort will man sie auch nicht – das ist ein Widerspruch.» Dabei müsse man einen Kompromiss eingehen. Einerseits beeinträchtige jedes neue Gebäude das Landschaftsbild, anderseits habe die Gemeinde auch ein Interesse an einer funktionierenden Landwirtschaft.

Im August möchten Jasmina und Peter Gasser mit dem Bau beginnen. «Der Neubau soll unsere Zukunft sein.»

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