Bern

Baumexperte gibt Tramkritikern recht

BernDie Alleen an der geplanten Tramlinie nach Ostermundigen sind gesünder als bislang behauptet. Das steht im Baumgutachten, das die Gegner des Projekts in Auftrag gegeben haben. Sie wittern nun Morgenluft.

Vereint für die Alleen und gegen das Tram: Thomas Schneiter, Hans-Martin Bürki, Vera Weber, Fabian Dietrich und Urs Dürmüller (von links).

Vereint für die Alleen und gegen das Tram: Thomas Schneiter, Hans-Martin Bürki, Vera Weber, Fabian Dietrich und Urs Dürmüller (von links). Bild: Christian Pfander

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Das Blätterdach, das sich über die Ostermundigenstrasse wölbt, wirkt auch in seinem herbstlich gelben Kleid eindrücklich. Mächtige Platanen, Ahorne und Eschen säumen die wichtige Achse aus der Stadt Bern hinaus aufs Land. Sie tun dies bereits seit dem späten 18. Jahrhundert – kein Wunder, gilt die Ostermundigenallee als eine der schönsten weitherum.

Die freie Arbeitsgruppe Städtebau und öffentlicher Verkehr setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, dass dies so bleibt. Mit einer Beschwerde vor Bundesgericht haben die vereinigten Tramgegner im Frühling den Anfang gemacht.

In ihrer Eingabe kritisierten sie die offiziellen Verlautbarungen im Vorfeld der Abstimmung, die im März das Ja zur neuen Tramlinie von Bern nach Ostermundigen brachte: Die Behauptung, dass ein Drittel der Bäume entlang von Ostermundigen- und Viktoriaallee «krank oder wachstumsschwach» sei und «in den nächsten 15 Jahren ohnehin durch Jungpflanzen ersetzt werden» müsse, entbehre jeglicher Grundlage.

Mit ihrer Bemerkung hatten die Behörden der Kritik am Projekt zumindest ein Stück weit den Wind aus den Segeln zu nehmen versucht. Dass die beiden Alleen wegen des Trams dezimiert werden müssen, brachte viele Leute gegen die Pläne auf.

In sehr gutem Zustand

Ihren neusten Coup lancierten die Tramgegner am Mittwoch. Sie veröffentlichten die Resultate des Baumgutachtens, die sie nun dem Bundesgericht noch nachreichen wollen, und siehe da: Der beigezogene Experte Fabian Dietrich aus Därligen sieht mittelfristig gerade mal 16 Prozent aller Bäume an den beiden Strassen in Gefahr. Das sind halb so viel wie das Drittel, von dem die Behörden einst redeten. Gar bei nur 18 der alles in allem 221 Bäume beurteilt er den Zustand so schlecht, dass eine Fällung unumgänglich sei.

Generell seien die beiden Alleen in einem sehr guten Zustand, zog Dietrich Bilanz. Er lobte die Arbeit der Fachleute bei Stadtgrün Bern, attestierte ihnen, die Bäume richtig zu pflegen, dabei die schwachen Exemplare auszumerzen und so für eine stetige Verjüngung zu sorgen. Für den so regen Verkehr stellten die Bäume auf alle Fälle keine Gefahr dar: «Standfestigkeit wie Bruchsicherheit sind generell gewährleistet.»

Dietrich lobte vor allem den Zustand der alten Bäume mit ihren weit ausladenden prächtigen Kronen. Unter den schwachen Bäumen dagegen seien oft jüngere Exemplare zu finden, die sich wegen der heissen Sommer, der schlechten Luft und der zugebauten Böden kaum mehr richtig entwickelten. Deshalb sei es eine Illusion zu glauben, gefällte Bäume eins zu eins durch Jungpflanzen ersetzen zu können.

Die Kritiker hoffen nun, dass das Bundesgericht, ähnlich wie Anfang Woche die Statthalterin bei der Abstimmung um Moutier, den Urnengang zum Tram wegen irreführender Information annulliert. Und natürlich, dass dann das Tram gar nicht gebaut wird – damit die grosszügigen Alleen als Natur- und Kulturdenkmäler erhalten bleiben, wie es Vera Weber als Vertreterin der Fondation Weber und prominentes Aushängeschild des Widerstandes formulierte.

Kanton schweigt

Wie der Kanton behaupten konnte, ein Drittel der Alleebäume sei angeschlagen, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen. Eine Anfrage liess die Verkehrsdirektion den ganzen Nachmittag unbeantwortet. Kurz vor Büroschluss teilte sie dann doch noch lapidar mit: Für die Abstimmungsbotschaften sei die Staatskanzlei zuständig. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.11.2018, 08:15 Uhr

Neue Linien mit Wendeschleifen

Sind Wendeschleifen auf dem Berner Tramnetz in Zukunft überflüssig? Die Frage stellt sich, seit Bernmobil von seiner alten Maxime, nur auf Fahrzeuge mit einem Führerstand zu setzen, abgekommen ist: Vor Wochenfrist schrieb das Stadtberner Verkehrsunternehmen 20 Zweirichtungstrams zur Beschaffung aus.

Trotzdem werden die beiden neuen Linien nach Ostermundigen und Kleinwabern unverändert für Einrichtungstrams gebaut. Auch wenn in Ostermundigen noch gar nicht klar ist, wo die Wendeschlaufe zu stehen kommt. Und auch wenn auf dem Weg nach Kleinwabern für viel Geld zusätzlich eine neue sogenannte Betriebswendeschlaufe gebaut werden muss, damit die Trams bei Störungen vorzeitig wenden können: Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer sagt, dass die neuen Trams primär auf der Linie 6 nach Worb fahren werden. Und dass die heutigen Einrichtungstrams dereinst auch nach Ostermundigen und Kleinwabern fahren werden. Mit 35 Stück seien diese Combinos auch künftig im Fahrzeugpark in der Mehrheit. Zweirichtungsfahrzeuge kosteten zudem in Kauf und Unterhalt mehr. Das mache allfällige Einsparungen in der Infrastruktur unter Umständen gleich wett.

Uneinige Baumexperten

Wenn Bäume gefällt werden, gehen die Emotionen hoch. Zuweilen sind sogar die Fachleute uneins darüber, ob eine solche Aktion nötig ist oder nicht. Wie in Thun, wo vor drei Jahren eine heftige Debatte über das Schicksal einer 150-jährigen Esche und einer gleich alten Eiche im Schadaupark entbrannte: Während für den Experten des Gemeinderates klar war, dass die beiden Bäume zunehmend instabiler würden und gefällt werden müssten, entgegnete der Experte der Baumschützer, dass sich die Bäume mit gezielten Pflegeschnitten selber vitalisieren und so ihre Defizite ausgleichen könnten.

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