Bauernfamilie wird gebremst

Belp

Der Kanton hebt einen Bauentscheid der Gemeinde auf

Am Am Fuss des Belpbergs: Hier wollten Gassers ihren neuen Betrieb bauen. (Archivbild/zvg)

Am Am Fuss des Belpbergs: Hier wollten Gassers ihren neuen Betrieb bauen. (Archivbild/zvg)

Johannes Reichen

Eine Belper Bauernfamilie möchte seit Jahren am Fuss des Belpbergs ein neues Wohnhaus mit einer Scheune bauen. Doch das Projekt geriet ins Stocken, und nun erleidet die Familie einen weiteren Dämpfer.

Denn die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion hat einen Bauentscheid der Baukommission Belp aufgehoben. Nun muss sich die Gemeinde erneut mit dem Fall befassen.

Das Projekt geriet schon im Frühling 2016 in die Schlagzeilen, als die Familie das Baugesuch einreichte. Das Projekt sah eine landwirtschaftliche Siedlung mit einem Wohnhaus und einer Viehscheune für Mutterkuhhaltung vor.

Doch die Stiftung Landschaftsschutz erhob Einsprache. Sie sprach von einem «Akt der Zersiedelung», der Neubau stelle einen «Riegel in der Landschaft» dar.

Anwohner beschwerten sich

Der Landwirt, der in Belp einen Bauernhof bewirtschaftet, machte seine Zukunft vom Projekt abhängig. Der alte Standort am Rand eines Wohngebiets sei für die Nachbarn nicht mehr zumutbar, sagte er damals zu dieser Zeitung.

Der Hof sorge für Lärm und Gerüche und entspreche auch nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen, etwa bezüglich Tierhaltung oder Betriebsabläufe. «Hier kommen wir an unsere Grenzen.»

Bei der Gemeinde stiess die Bauernfamilie mit ihrem Anliegen auf offene Ohren: Die Baukommission erteilte Ende 2016 die Baubewilligung.

Weil aber dagegen Beschwerde erhoben wurde, reichte die Familie im Herbst 2017 ein neues Baugesuch für eine Siedlung ein – 150 Meter östlich des ursprünglich geplanten Standorts.

Aber auch dieses Vorhaben stiess auf Widerstand, nämlich bei 14 Anwohnern. Sie erhoben Einsprache.

Aus der Sicht des Amts für Gemeinden und Raumordnung war das Vorhaben zonenkonform. Die Gemeinde erteilte am 15. Mai 2018 die Baubewilligung – wogegen die Nachbarn allerdings Beschwerde bei der Baudirektion einreichten.

«Dabei machten sie inbesondere geltend, die vorgenommene Standortevaluation genüge den Anforderungen des Bundesrechts nicht», heisst es im Entscheid der Baudirektion.

Projekt wurde geändert

Nachdem sich die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder negativ geäussert hatte, reichte die Bauernfamilie aus Belp zwei Projektänderungen ein.

Im Oktober 2018 nahm sie erste Anpassungen am Wohnhaus vor, es wurde etwas tiefer gelegt und gestalterisch verändert.

Im März 2019 plante sie dann ein «komplett neues Wohnhaus» mit veränderten Massen, anderer Raumaufteilung und Ausrichtung sowie «völlig neuem Erscheinungsbild». Bei der Scheune wiederum kam es nur zu kleinen, «kaum wahrnehmbaren» Veränderungen.

Die zweite Projektänderung hat Folgen. Die Baudirektion kam in einem kürzlich publizierten Entscheid zum Schluss, dass eine erneute materielle Prüfung sowie neue Amts- und Fachberichte nötig seien, etwa zum Gewässerschutz oder für die ästhetische Beurteilung.

Abzuklären sei auch, ob das Gesuch neu publiziert werden müsse. «Die Projektänderung ist daher noch nicht entscheidreif.» Der Ball liegt wieder bei der Gemeinde.

Berner Zeitung

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