Ausstellung zeigt Schicksal der Verdingkinder

Bern

Zwei Töchter von einstigen Heim- und Verdingkindern zeigen in einer Ausstellung im Berner Kornhausforum die Lebensgeschichten ihrer Eltern.

Aufnahme eines Verdingkindes während der Arbeit, aufgenommen um 1945. (Symbolbild)

Aufnahme eines Verdingkindes während der Arbeit, aufgenommen um 1945. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Im Berner Kornhausforum geht eine Ausstellung dem Schicksal von Heim- und Verdingkindern nach. Rund 30'000 Dossiers aus der Zeit zwischen 1920 und 1960 lagern im Berner Stadtarchiv. Zwei davon macht die Ausstellung nun öffentlich und ergänzt sie mit Fotos, Akten und Interviews.

Der Umgang mit Heim- und Verdingkindern rückte in den vergangenen Jahren stärker ins öffentliche Bewusstsein. Viele der einst fremdplatzierten Kinder sind heute bereits verstorben. Nicht selten machen sich Nachkommen in den Akten des Stadtarchivs auf die Suche nach der eigenen Geschichte.

Die Lebensgeschichte der Eltern

Genau dies taten auch zwei Töchter von einstigen Heim- und Verdingkindern. Die Ausstellung dokumentiert die Lebensgeschichte ihrer Eltern und stellt den Behördenakten die Sichtweise und Erinnerungen der Familie gegenüber.

Den Akten kommt grosse Bedeutung zu, sowohl für die Betroffenen wie auch für die Forschung, wie die Berner Stadtkanzlei am Dienstag in einer Mitteilung schreibt.

Indem das Stadtarchiv eine Auswahl dieser Dossiers ordnet, konserviert und zugänglich macht, schafft es die Grundlage für die wissenschaftliche Auswertung und ermöglicht Betroffenen und Nachkommen Einblicke in die nicht selten leidvollen Lebensläufe.

Zwei Foto-Reihen

Ergänzend zu den beiden Dossiers werden in der Ausstellung zwei fotografische Reihen der Berner Fotoreporter Paul Senn und Walter Studer gezeigt. Senns Verdingkinder-Aufnahmen aus den 1940-er Jahren gehören zu den herausragendsten Dokumenten der Schweizer Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts. Walter Studer fotografierte in den 1950-er Jahren für Illustrierte und Zeitungen in Heimen.

Die Ausstellung im Berner Kornhausforum dauert vom 25. März bis am 25. April. Am 7. April findet im Rahmen der Ausstellung eine Veranstaltung unter dem Titel «Die Macht der Akten» statt. Schriftsteller Lukas Hartmann und Regierungsrat Christoph Neuhaus lesen aus Akten der Zeit fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Anschliessend findet eine Podiumsdiskussion statt.

Info: www.kornhausforum.ch

jam/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt