Zu klein, zu kurz, zu krumm

Bern

Wieso werfen wir so viele Lebensmittel einfach weg? Was können wir dagegen tun? Im Rahmen des Berner Umwelttages fand am Samstag im Berner Lorrainepark ein Anlass zum Thema Lebensmittelverschwendung statt.

  • loading indicator
Christian Häderli@ChriguHaederli

Früher Samstagabend, Lorrainequartier Bern. Die sommerliche Hitze lässt langsam etwas nach, durch die Strassen tönt lauschige Musik. Die Klänge schallen aus dem Lorrainepark, denn dort hat der Verein «läbigi Lorraine» im Rahmen des Berner Umwelttags einen Anlass zum Thema «Foodwaste» organisiert.

Im Park gibt es Spielmöglichkeiten für Kinder, eine Band stellt gerade ihr Equipment auf. Da steht ein Festzelt, eine Bar und verschiedene Stände, die alle direkt oder indirekt die Thematik der Lebensmittelverschwendung aufgreifen und innovative Ideen zur Eindämmung ebendieser präsentieren.

«Eine erschreckende Menge an Nahrungsmitteln wie Gemüse oder Backwaren landet in wohlhabenden Ländern schon gar nicht auf dem Teller, weil sie nicht der Norm entsprechen oder zu wenig frisch sind», schreiben die Organisatoren auf dem Infoflyer. «Essen auf Abwegen - zu klein, zu kurz, zu krumm», nennen sie deshalb ihren Anlass im Lorrainepark.

Was wächst, soll gegessen werden

Eine Organisation, die dagegen ankämpft, dass Gemüse, welches nicht der Norm entspricht, einfach weggeworfen wird, ist die Gruppe «Bio für Jede». Ihr Konzept funktioniert so: Bei drei grossen Bauernbetrieben in der Region wird Gemüse bezogen. Gemüse, welches die Bauern nicht mehr hätten absetzen können, weil es den Normen nicht entspricht. Dieses Gemüse wird dann jeden Samstag an verschiedenen Standorten in der Stadt Bern abgegeben, und zwar nicht gegen einen fixen Preis, sondern gegen Kollekte. «Wenn es wächst, soll es auch gegessen werden», begründet Janina Wyss von «Bio für Jede» ihr Engagement.

Noch eine andere innovative Idee zur Eindämmung der Lebensmittelverschwendung wird am Samstagabend im Lorrainepark vorgestellt. Unter dem Namen «Bern isst Bern» betreiben vier Studentinnen in der Stadt Bern drei sogenannte «öffentliche Kühlschränke». Es sollen bald noch mehr dazukommen.

Die Kühlschränke sind für alle zugänglich. «Wer zuhause merkt, dass er oder sie zu viel eingekauft hat, kann die überschüssigen Lebensmittel in einem öffentlichen Kühlschrank deponieren, statt sie einfach wegzuwerfen», erklärt Valerie Riedo das Konzept. «Die im Kühlschrank deponierten Lebensmittel dürfen dann alle gratis abholen.»

Überangebot in der Schweiz, Mangel in anderen Ländern

Für die Organisation des Anlasses im Lorrainepark verantwortlich zeichnete unter anderem Romano Manazza vom Verein «läbigi Lorraine». Die Idee, am diesjährigen Umwelttag die Lebensmittelverschwendung zu thematisieren, kam ihnen nach seinen Angaben unter anderem durch einen Dokumentarfilm, der vor einigen Monaten im SRF ausgestrahlt wurde. Darin ging es um ein kanadisches Paar, das sich mehrere Monate ausschliesslich von Lebensmittelabfällen ernährte.

«Die Leute sollen sich Gedanken dazu machen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie damit umgehen», sagt Manazza dazu. «Es ist bedenklich, dass wir hier in der Schweiz ein Überangebot an Lebensmitteln haben, während an anderen Orten auf der Welt Lebensmittel fehlen.»

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...