Wie frühere Verdingkinder heute leben

Bern

Seit Dienstagabend sind im Politforum Käfigturm in Bern Porträts von ehemaligen Verdingkindern zu sehen. Der Fotograf Peter Klaunzer will Betroffenen ein Gesicht geben.

Video-Interviews mit zwei ehemaligen Verdingkindern, dem Fotografen Peter Klaunzer und dem Präsidenten des Vereins «netzwerk-verdingt».
Florine Schönmann

25 Porträts aus den letzten eineinhalb Jahren sind im Politforum Käfigturm ausgestellt. Der Keystone-Fotograf Peter Klaunzer geht mit den aktuellen Aufnahmen neue Wege: «Geschichten von Verdingkindern wurden meist mit alten Bildern aus Heimen oder Höfen erzählt. Auf meinen Fotografien sieht man jedoch, wie die Leute heute leben», sagt er.

Vieles, was die Porträtierten ihm erzählten, habe ihn schockiert, sagt der Fotograf. «Die Bandbreite der Verbrechen ist unglaublich.»

Einer der Betroffenen ist Charles Probst. Er träume fast jede Nacht von seiner Vergangenheit, meint der 86-Jährige. Um einen Witz ist er trotzdem nie verlegen und er gibt bereitwillig Auskunft, wenn jemand etwas über ihn wissen will. Er war es, der Peter Klaunzer Ende 2014 mit dem Verein «netzwerk-verdingt» in Kontakt gebracht hat. So hatte Klaunzer Zugang zu zahlreichen Betroffenen für seine Porträts.

Würde zurückgeben

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Verein «netzwerk-verdingt», welcher sich der Aufarbeitung der Geschichte von Verdingkindern verschrieben hat. Walter Zwahlen, Präsident des Vereins, betont: «Ausstellungen wie diese sind sehr wichtig. Es ist eine Art Hommage, ein Teil der Wiedergutmachung, um die Menschenwürde wiederherzustellen.»

Auch Theresia Rohr-Steinmann war früher ein Verdingkind. Man gebe mit der Ausstellung allen noch lebenden Zeitzeugen einen Teil der Würde zurück, die man ihnen als Kinder oder Jugendliche genommen hat, ist die 70-Jährige überzeugt. «Ich bin sehr berührt. Man sieht auf den Bildern viel Würde, Stolz, aber auch gezeichnete Gesichter.»

Die Porträts sind noch bis zum 17. März ausgestellt.

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