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Urwyler an der Insel? Eher nicht

BernGemäss dem Urteil des Obergerichts muss das Inselspital die entlassene Ärztin Natalie Urwyler wieder anstellen. In der Praxis ist das allerdings kaum vorstellbar.

Dass Natalie Urwyler ans Inselspital zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich.

Dass Natalie Urwyler ans Inselspital zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich. Bild: Nicole Philipp

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Natalie Urwyler (44), 2014 entlassene Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie (KAS), bleibt standfest: Sie sei «sofort bereit», ans Inselspital zurückzukehren.

Am 3. August könnte es so weit sein: Wenn das Inselspital das Urteil des Obergerichts von Dienstag, das ihre Klage in zweiter Instanz guthiess und die Entlassung für nichtig erklärt, nicht ans Bundesgericht weiterzieht, ist der Fall glasklar: Die Insel muss Urwyler umgehend wieder einstellen. Das Inselspital prüft deshalb derzeit «verschiedene Optionen».

Belastete Atmosphäre

Allerdings gibt es kaum Optionen. Eine konstruktive Arbeitsatmosphäre ist bei einer Rückkehr von Urwyler an die KAS kaum vorstellbar. KAS-Direktor Frank Stüber, der die vom Gericht für ungültig erklärte Kündigung Urwylers vorantrieb, ist nach wie vor im Amt.

Bereits 2014, als diese Zeitung Urwylers ­Diskriminierungsklage publik machte, liessen mehrere Klinikdirektoren, unter ihnen der heutige Vizerektor der Universität Bern, Daniel Candinas, ein Schreiben verbreiten, in dem der Zeitungsartikel als «Schmutzkampagne» bezeichnet wurde, die «jeder sachlichen Grundlage entbehrt». Trotz dem zweitinstanzlichen Urteil zu Gunsten von Urwyler kursieren nun erneut «offene Briefe» von Mitarbeitern der KAS, die zweifelhafte Vorwürfe gegen Urwyler enthalten.

Unter dem Strich kann man sich kaum eine andere Lösung vorstellen als eine finanzielle Einigung zwischen Urwyler und dem Inselspital.

Karriere zerstört

Das würde teuer. Wird das Urteil rechtskräftig, erhält Urwyler als Lohnnachzahlung und Entschädigung für ihre Anwaltskosten gegen 700'000 Franken. Zählt man die geschätzte Anwaltsentschädigung des Inselspitals hinzu, summieren sich jetzt schon Kosten von wohl fast einer Million Franken.

Schon früher haben Urwyler und ihr Anwalt Rolf P. Steinegger angekündigt, gegen die Insel auch eine Klage wegen Zerstörung der wissenschaftlichen Karriere anzustrengen.

Nach ihrer Entlassung in Bern versuchte Urwyler, an einem anderen Universitätsspital zu einer Stelle zu kommen. Ergebnislos. Frank Stüber habe dazu beigetragen, sie in ihrem Fachmilieu auch nach der Kündigung über das Inselspital hinaus zur Persona non grata zu machen.

Urwyler arbeitet heute im Regionalspital Sitten und bildet sich zur Fachärztin für Intensivmedizin weiter. Sie verdient ein Drittel des Lohns, den sie als Oberärztin an der Insel hatte. Ihren Traum, Professorin für Anästhesiologie zu werden, hat sie abgeschrieben. Wer Jahre weg sei von der Forschungsfront, verwirke seine wissenschaftliche Karriere.

Man kann davon ausgehen, dass eine allfällige Klage wegen Zerstörung der wissenschaftlichen Karriere auf mehrere Millionen Franken lauten wird. Der Preis, den das Inselspital für den «Fall Urwyler» zahlt, würde damit sehr hoch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.07.2018, 21:07 Uhr

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