Thomas Topsalär wird zum Politikum

Der auf 2 Millionen Franken erhöhte Lohn für Suzanne Thoma schreckt die Politik auf. Grossräte von links bis rechts fordern, dass der Regierungsrat beim Berner Energiekonzern eingreift.

BKW-Chefin Suzanne Thoma gerät wegen ihres Millionen-Gehalts in die Kritik.

BKW-Chefin Suzanne Thoma gerät wegen ihres Millionen-Gehalts in die Kritik.

(Bild: Adrian Moser)

Die BKW hat mit der massiven Lohnerhöhung für Konzernchefin Suzanne Thoma von 1,3 auf 2,031 Millionen Franken breiten Widerstand provoziert. Die SP, die Grünen und die Grünliberalen zusammen mit der BDP haben im Grossen Rat je einen Vorstoss eingereicht. Auch bürgerliche Politiker finden das Salär überrissen, wie eine Umfrage dieser Zeitung zeigt.

Die SP um Grossrat David Stampfli (Bern) fordert den Regierungsrat auf, Lohnexzesse in staatsnahen Betrieben zu verhindern. Die Vergütungen der obersten Führungskräfte sollten «in einem angemessenen Verhältnis» stehen zur Aufgabe, zur Firmengrösse, zur unternehmerischen Herausforderung und zur Leistung. Als Referenzgrösse sehen die SP-Motionäre den Lohn eines Regierungsrates, also rund 300000 Franken.

Die grüne Grossrätin Natalie Imboden (Bern) verlangt vom Regierungsrat ebenfalls Leitlinien für die Vergütungspraxis bei der BKW, die mehrheitlich dem Kanton gehört. Er soll sich an vergleichbaren Unternehmen mit öffentlicher Mehrheitsbeteiligung orientieren. Imboden nennt kein konkretes Lohnmaximum. Sie verweist aber darauf, dass der ehemalige BKW-Chef Kurt Rohrbach 2011 noch 746000 Franken erhalten habe. Damals sei ein politischer Vorstoss gegen dieses Salär nur knapp abgelehnt worden. Inzwischen bekomme Thoma fast das Dreifache.

«Völlig realitätsfremd»

Für eine gemeinsame Motion griffen BDP und GLP in die Tasten. «Wir stören uns definitiv an dieser Vergütung. Eine solche Gehaltserhöhung ist völlig realitätsfremd», sagt BDP-Fraktionschefin Anita Luginbühl (Krattigen). Die beiden Parteien fordern vom Regierungsrat eine strategische Regelung für die Topsaläre bei staatsnahen Betrieben.

Die BKW solle die Kettenreaktion bei der Erhöhung der Managersaläre nicht noch antreiben. Pikant ist, dass sich die Kritik auch gegen den BDP-Politiker Urs Gasche richtet, der als Verwaltungsratspräsident der BKW die Topsaläre mitverantwortet.

Gegen Lohndeckel

Auch in den bürgerlichen Parteien rieb man sich die Augen, als die BKW die Entschädigung von Suzanne Thoma bekannt gab. «Dieser Lohn ist absolut ungerechtfertigt», sagt SVP-Fraktionschefin Madeleine Amstutz (Schwanden-Sigriswil). Der Regierungsrat müsse die Vergütungen der Chefs von Unternehmen, die mehrheitlich dem Kanton gehören, überprüfen und anpassen. Insofern unterstütze die SVP die grobe Stossrichtung der eingereichten Motionen. «Eine Plafonierung und insbesondere den Vergleich mit einem Regierungsratslohn lehnen wir jedoch ab.»

So sieht es auch einer der Wirtschaftsvertreter im Kantonsparlament, FDP-Fraktionschef Adrian Haas (Bern): «Ein politisches Amt taugt nicht als Referenzwert für eine Chefposition in der Wirtschaft.» Zumal bei Suzanne Thoma zwei Einmaleffekte den Lohn in die Höhe getrieben hätten: der stark gestiegene Aktienkurs der BKW und der Primatwechsel der Pensionskasse. «Es wäre sicher falsch, jetzt voreilig die Gesetzesmaschinerie anzuwerfen.» Aber auch Haas sagt: «Eine Vergütung von 2 Millionen Franken ist schon stolz.» Die Motionäre fordern, dass ihre Vorstösse dringlich behandelt werden.

Berner Zeitung

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