Sieht so ein Volksfest aus?

Bern

Bei den Fanmärschen vor dem Cupfinal kam es zu Zwischenfällen. Die Routen wurden nicht eingehalten, es gab Sachbeschädigungen, vor dem Stade de Suisse musste die Polizei Wasserwerfer und Gummischrot einsetzen.

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Ralph Heiniger
Thomas Hagspihl
Christian Häderli@ChriguHaederli

Die Stadt Bern war am Ostermontagmorgen wieder einmal im Ausnahmezustand. Polizisten in voller Kampfmontur, Wasserwerfer und Mannschaftswagen prägten um 9.30 Uhr das Bild in der Innenstadt. Das Grossaufgebot der Polizei war wegen der bewilligten Fanmärsche des FC Zürich und des FC Basel im Einsatz.

Um 9.36 Uhr trafen die FCZ-Fanzüge in Bern ein. Kurz darauf setzte sich der FCZ-Fanmarsch in Bewegung. Vermummte FCZ-Fans liefen unter dem Donner und Getöse ihrer Knallpetarden Richtung Bärenplatz. Bereits am Bahnhof demolierten sie eine Rolltreppe. «Scheissbullen», «Scheiss-Basel», «Scheiss-YB» und ähnliche Parolen brüllte der Zürcher Anhang.

Laden geplündert

Auf dem Bärenplatz machten die Zürcher dann einen längeren Marschhalt – dies war gemäss der Absprache nicht vorgesehen. Die Fans ignorierten mehrere Aufforderungen zum Weitermarschieren. Erst als die Polizei ihre Wasserwerfer in Stellung brachte, marschierten die FCZ-Anhänger weiter.

Der weitere Marsch verlief nicht ohne Zwischenfälle: An der Nydegggasse wurde ein Souvenirladen geplündert. Emanuel Mello, der Besitzer des Ladens, war entsetzt: «Sie haben einen Schaden von rund 50'000 Franken verursacht.» Neben Victorinox-Messern seien auch teure Uhren gestohlen worden. «Die Polizei hat einfach zugeschaut», berichtete der geschockte Mello weiter. Das Schaufenster hätten die Fussballfans mit einem Baseballschläger eingeschlagen.

Wasserwerfer, Gummischrot

Vor dem Stade de Suisse schliesslich warfen einige FCZ-Fans Flaschen und andere Gegenstände gegen den Teambus des FC Basel, der offenbar gleichzeitig wie der Zürcher Fantross am Südeingang des Stade de Suisse eintraf. Danach blockierten die Fans die Strasse durch einen Sitzstreik. Wie ein Augenzeuge berichtet, rief die Polizei die Fans über Lautsprecher auf, die Strasse zu räumen. Als diese der Aufforderung nicht nachkamen, setzten die Einsatzkräfte schliesslich den Wasserwerfer und Gummischrot ein.

FCB-Marsch mit Verspätung

Vergleichsweise gesittet verlief der Marsch der Anhänger des FC Basel. Weil die Zürcher viel zu lange auf dem Münsterplatz verharrten, wurden die Basler Fanzüge bei Schönbühl gestoppt. Knapp eine Stunde später als geplant trafen die Fans aus Basel am Bahnhof ein. Bereits bevor ihre Fanzüge am Bahnhof anhielten, knallte es etliche Male. Als die Züge ab Höhe der Schützenmatte ihre Fahrt deutlich verlangsamten, warfen Anhänger des FCB Knallkörper aus dem Zug.

45 Personen festgenommen

Unter dem Baldachin besammelte sich anschliessend der Basler Tross. Angeführt von vermummten Fans, marschierten die Basler um 12.08 Uhr los. Dauernd knallten Petarden, der Zytglogge verschwand vorübergehend in den Farben und im Rauch der Pyros. In den hinteren Fanreihen marschierten viele Frauen mit. Auch einige kleine Kinder skandierten im Stocker- oder Streller-Trikot mit ihren Eltern «Hurensöhne FCZ». Zum Zusammentreffen der beiden Fangruppen – so wie im letzten Jahr – kam es dieses Mal nicht. Wie die Kantonspolizei mitteilte, wurden insgesamt 45 Personen festgenommen. Davon verbleiben 15 vorerst in Haft. Mehrere Personen mussten medizinisch behandelt werden. Auch wurden gemäss Angaben der Kantonspolizei mehrere Polizisten verletzt. Eine Schadenbilanz liegt noch nicht vor.

Es gab aber auch Profiteure der Fanmärsche. Hasim Sönmez, SP-Stadtrat und Wirt des Restaurants Parlament, sagte, dass FCZ-Fans seinen ganzen Bierbestand gekauft hätten. Innert 5 Minuten gingen 200 Liter Bier über die Theke.

Berner Zeitung

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