Belp

Reisebüro pleite, Chef verschwunden

BelpDas Belper Reisebüro Holiday Maker ist in Konkurs, von Inhaber Rudolf Zaugg fehlt seit Tagen jede Spur. Leidtragende könnten die Kunden sein.

Die Türen des Reisebüros an der Bahnhofstrasse in Belp bleiben geschlossen.

Die Türen des Reisebüros an der Bahnhofstrasse in Belp bleiben geschlossen. Bild: Google Street View

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Die Tür zum Reisebüro Holiday Maker in Belp ist fest verriegelt. Der Stuhl hinter dem Schreibtisch ist unbesetzt, das Telefon klingelt ins Leere. Die Website wurde erst am Dienstag vom Netz ­genommen, es gibt hier gerade nichts zu kaufen. Überhaupt: Von Geschäftsinhaber Rudolf Zaugg fehlt jede Spur. Ist er abgehauen? Untergetaucht? Oder einfach nur in die Ferien verreist?

Wo immer er sich aufhält, er wird sich kaum in Ferienlaune befinden. Letzte Woche eröffnete ein Einzelgericht den Konkurs über den Inhaber der Einzelfirma, die offiziell «Rudolf Zaugg» heisst. Das steht im «Schweizerischen Handelsamtsblatt» vom Dienstag. Der Schaden ist also angerichtet, und die Frage ist nicht nur, wo der Chef steckt, sondern auch, wie es so kommen konnte und wie es jetzt weitergeht.

Schlechte Aussichten

Der Blick durch die grosszügige Glasfront des Reisebüros gibt keinen Hinweis darauf. Die Theke könnte etwas besser aufgeräumt sein, ein paar Schachteln liegen auf dem Boden, wo sie eher nicht liegen sollten. Ansonsten: Ferienprospekte, Ferienprospekte, Ferienprospekte, alles ganz normal. An der Tür weist nicht einmal ein Aushang auf die aktuelle Situation hin.

Der Laden aber ist schon seit Tagen geschlossen, das weiss eine Frau, die im gleichen Geschäfts- und Wohnhaus an der Bahnhofstrasse wohnt. Seither sei der ­Inhaber nicht mehr gesehen worden, dabei habe er zuletzt im gleichen Haus gewohnt. «Wir wissen nicht, was los ist.» Letzte Woche habe ein Kunde bezahlte Reisedokumente abholen wollen – sei aber auch nur vor verschlossener Tür gestanden.

Damit bestätigt die Nachbarin, was letzte Woche bereits die Zeitung «Travel Inside» schrieb: Kunden hätten teure Reisen bezahlt, allerdings keine Unterlagen erhalten. In einem Fall gehe es um Ferien auf den Malediven für 11'000 Franken. Das Reisebüro prelle offenbar Kunden, einige hätten bei der Polizei Anzeige ­erstattet.

Betroffene Kunden dürften einen schweren Stand haben. «Sie werden das Geld kaum zurückerstattet erhalten», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands. Denn nach kurzer Überprüfung weiss Kunz: Holiday Maker ist bei keinem der drei Schweizer Kundengeldabsicherer angeschlossen. Diese garantieren für eingezahlte Kundengelder, falls ein Reise­büro zahlungsunfähig ist.

«Wir empfehlen Kunden, nur Büros mit einer Kundengeldabsicherung zu berücksichtigen», sagt Kunz. Für Mitglieder des Reise-Verbands sei eine solche Versicherung obligatorisch. Aber Zaugg, der Belper Ferienmacher, ist ja auch nicht Mitglied.

Vorbild in Zürich

Rudolf Zaugg eröffnete das Büro 2011. Bei der Gründung ahnte er wohl, dass es schwierig werden könnte. Nur Qualität könne «längerfristig den Bestand unseres Reisebüros sichern», schrieb er auf Facebook. Trotzdem versichert er: «Bei Holiday Maker sind Sie in besten Händen.»

Davon ging auch der Naturpark Gantrisch aus, als er sich auf eine Zusammenarbeit mit dem Büro einliess. In Belp konnten sich Interessierte über die Angebote im Park informieren. Solche Info­points gebe es auch in Wattenwil, Riggisberg, auf dem Gurnigel und beim Schwarzsee, sagt Christoph Kauz, Geschäftsführer des Naturparks. Der Naturpark schloss mit Zaugg einen Vertrag ab und entschädigte ihn für den Aufwand. «Nun überlegen wir, in Belp einen neuen Partner zu suchen», sagt Kauz. Mit Zaugg habe er darüber aber noch nicht sprechen können.

Gern mit Rudolf Zaugg sprechen würde auch Philippe Raselli, Geschäftsführer der Zürcher ­Holiday Maker Tours AG. Dieses Reisebüro überliess Zaugg bei dessen Geschäftsgründung den Namen und das Logo. Dabei habe es sich um einen «Freundschaftsdienst» gehandelt, der leider nicht mehr zurückgängig gemacht werden könne. Es komme oft zu Verwechslungen, darunter leide die Reputation seiner Firma, sagt Raselli. Die beiden Firmen hätten aber nichts miteinander zu tun.

Das einzige Gute an der Sache sei, dass Holiday Maker aus Belp nun wohl verschwinde. Weniger gut: «Er hat noch Schulden bei uns.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2017, 06:12 Uhr

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