Museumsquartier soll internationale Spitze werden

Die Stadt Bern plant im Kirchenfeld ein Museumsquartier von internationalem Format. Die Investitionen von rund 250 Millionen Franken könnten laut Projekt mehrfach wieder hereingespielt werden.

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Christoph Hämmann

Berns Museumsquartier soll – ein Museumsquartier werden. Was paradox klingt, geistert als Idee seit Jahrzehnten in der Bundesstadt herum. Doch jetzt erst wird der Plan konkret, die verschiedenen Museen und Kulturinstitutionen im ­­Kirchenfeld zu einem Ganzen zu verbinden und die bisher eher zufällig benachbarten Häuser gemeinsam eben als Museums­­quartier erkennbar und erlebbar zu machen. Rund 250 Millionen Franken wollen sich die Verantwortlichen – ­­federführend sind Stadt, Kanton und Burger­gemeinde Bern – dieses Projekt kosten lassen, dessen Grund­­züge sie am Montag basierend auf eine Machbarkeitsstudie vor den ­­Medien präsentierten.

Als Haupteingang zum ­­Museumsquartier soll dereinst das Historische Museum fungieren, das sich auf seinem Hügel majestätisch über den Helvetiaplatz erhebt. Diese erhöhte Lage ermöglicht es, dass Besucherinnen und Besucher künftig vom Helvetiaplatz aus ebenerdig durch eine Passage gleichermassen ins Hügel- und Museums­­innere gelangen könnten, wo der zentrale Empfang des Museumsquartiers auf sie warten würde.

Durch eine ebenfalls neue, hohe und bespielbare Halle führte die Passage immer noch auf dem gleichen Niveau hinaus in einen Garten, der einerseits von den Besuchern ­­aller Museen, andererseits von der Quartierbevölkerung genutzt werden könnte. Südlich abgeschlossen würde das Quartier von der Nationalbibliothek und dem Gymnasium Kirchenfeld, die als Forschungs- und Bildungszone ins Konzept eingebunden sind.

Flug über das Museumsquartier im Berner Kirchenfeldquartier. Quelle: Van de Wetering, Atelier für Städtbau

«Vielfalt in grosser Einheit»

Beginnen soll das Museumsquartier bereits am südlichen Kopf der Kirchenfeldbrücke mit der Kunsthalle links und dem ­­Alpinen Museum rechts als kulturelle Leuchttürme, die sich ohne bauliche Anpassungen in das Vorhaben integrieren lassen. Dies allein zeigt, dass viel mehr als ein Bauprojekt geplant ist. Noch vorher geht es laut Christophe von Werdt von der Burgergemeinde, dem Vorsitzenden der Steuergruppe, um eine «funktionale Zusammenführung» der einzelnen Institutionen. «Inhaltlich vernetzen, räumlich verbinden», brachte er dies auf eine Formel.

Gleichzeitig betonten die Vertreter der einzelnen Häuser und aus der Politik, dass alle involvierten Institutionen ihre Eigenheit bewahren sollen. «Vielfalt in einer grossen Einheit», nennt dies der österreichische Autor der Machbarkeitsstudie, Dieter Bogner, der vor über einem Vierteljahrhundert das Wiener ­­Museumsquartier miterfand und international an der Entwicklung von Museen beteiligt ist.

Durch die Verbindung der einzelnen Häuser liessen sich grosse Ausstellungs­­projekte gemeinsam realisieren, so Bogner. Wohin dies die ­­Museumsstadt katapultieren könnte, skizzierte er ganz un­­bescheiden: «Das Museumsquartier Bern würde in der internationalen Museumsliga ganz vorne mitspielen.»

Mit seinen hohen Erwartungen ist er nicht allein. Im Gegenteil: Sie scheinen von allen Beteiligten geteilt zu werden, was das Projekt beflügeln dürfte. Man könne die einzelnen Player nur dafür gewinnen, etwas auf­­zugeben, wenn sie vom «Mehrwert für alle» überzeugt seien, sagte Bogner. Neben gemein­­samen Grossprojekten dachte er dabei vor allem an die Zusammenarbeit beim Ticketverkauf, der Vermarktung, der Logistik oder einem gemeinsamen Museumsshop und Restaurant.

Unterirdisches Depot

Viel Synergiepotenzial verspricht auch das geplante Depotareal unter dem Museumsgarten, und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen werden die Sammlungen und Werkstätten der einzelnen Institutionen auf diese Weise miteinander vernetzt und an den neuen Kubus als Wechselausstellungssaal angeschlossen; zum anderen erhofft sich das Historische Museum davon grössere Einsparungen. ­­Dessen Sammlung sei heute verstreut über den Grossraum Bern in verschiedenen Lagerräumen untergebracht, sagte Luc ­­Mentha, Präsident des Stiftungsrats des Bernischen Historischen ­­Museums. Obwohl das Projekt am Haus und auf dem Gelände seines Museums die grössten Eingriffe mit sich bringe, erachte man das Projekt «als einzigartige Chance».

Überhaupt: So viel Vorfreude war in Bern noch selten. Burger­­gemeindepräsident Bernhard Ludwig sprach vom «feu sacré», das spätestens seit dem Entscheid vor zwei Jahren, eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten zu lassen, alle Beteiligten erfasst habe. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) sprach vom «Cluster», den die Museen im Kirchenfeld bilden – fast so, als sei er in weiser Voraussicht angelegt worden. «Jetzt gilt es, aus diesem Zufall einen Glücksfall zu machen.»

Regierungsrätin Christine Häsler (Grüne) schliesslich ist überzeugt, dass das Museumsquartier die einzelnen Museen aufwerten und das ganze Projekt die Museumslandschaft in der ganzen Schweiz begünstigen werde. «Und auch die Tourismusdestination Kanton Bern wird damit noch attraktiver.»

Berner Zeitung

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