Lyss

Müll, aber ordentlich

LyssDie Edi Entsorgungsdienste AG in Lyss kümmert sich um verschiedenste Abfälle. Zur optimalen Wiederverwertung wird getrennt, was das Zeug hält. Eine neue Sortiermaschine erleichtert dabei die Arbeit.

Die Schweizerische ­Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hat eine Faustregel aufgestellt. Die Sache ist simpel: Flüsse sind prinzipiell nicht geeignet für Kinder

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Bagger und Gabelstapler fahren hin und her. Überall ist es laut, und Staub wird aufgewirbelt: Alltag auf dem Gelände der Edi Entsorgungsdienste AG in Lyss.

Mitten im Getümmel steht Steeve Seidel. Er ist seit sie­ben Jahren im Aussendienst und im Qualitätsmanagement für die Bühlmann-Recycling-Gruppe und ihre Tochterfirma Edi Entsorgungsdienste AG tätig.

Sortiert wird mit Luft

Vorbei an Türmen aus gepresstem Karton geht es in die grosse Halle. Hier ragen ordentlich zusammengekehrt verschiedene Abfallberge in die Höhe. Doch wie typischer Müll sehen diese gar nicht aus. Der bereits vorsortierte Abfall ist fein geschreddert. So befinden sich in einem Container unterschiedlich kleine Stücke von Computerteilen, wie Leiterplatten oder wertvolle Kupferdrähte. Ein Berg besteht ganz aus fünflibergrossen Kunststoffteilchen. Steeve Seidel nimmt eines davon in die Hand: «Diese zerkleinerten Kunststoffteile nennen wir Flakes», erklärt er.

Sowohl die Flakes als auch die Computerteilchen gilt es nun nach ihren verschiedenen Materialien zu sortieren. Speziell für diesen Job steht in der Halle seit sechs Monaten eine neue Sortiermaschine. Diese wird mit dem ­geschredderten Abfall gefüttert. Die Flakes laufen dann flach ausgeschüttet über breite Fliessbänder. «Es ist wichtig, dass die kleinen Teilchen möglichst gut verteilt sind», erklärt Steeve Seidel. Denn nur so könne die Maschine sie auch gut analysieren und sortieren. Vorprogrammierte Sensoren erkennen nämlich Form und Farbe der Flakes. Zwei verschiedene Materialien auf einmal können herausgefiltert werden.

Sortiert wird mit Luft. Sind die Flakes auf dem Förderband kurz vor einem Trichter angelangt, befördert sie die Luft aus einer Düse entweder weiter nach vorne oder lässt sie nach unten in den Trichter fallen. Das funktioniere ganz gut, eine Nachkontrolle von Menschenhand benötigt es aber am Ende trotzdem. «Wir erproben zurzeit noch die bestmöglichen Einstellungen und verfeinern diese fortlaufend», sagt Steeve Seidel. Ziel ist es, am Ende so wenige Arbeitskräfte wie möglich für die Sortierung zu benötigen.

Anpassungen in Lyss

Die Maschine stammt von einem deutschen Hersteller. In Lyss ­haben die hauseigenen Mecha­niker noch ein paar zusätzliche Anpassungen vorgenommen. Zum Beispiel können die Fliessbänder nun in sämtliche Richtungen laufen und so mehr Arbeit auf geringerem Platz leisten. «Das macht die Sortiermaschine einzigartig in der Schweiz», sagt Steeve Seidel.

In einer Nebenhalle wird dagegen nur von Hand gearbei­tet. Arbeiter nehmen Fernseher und Computer auseinander. Das Glas, das Gehäuse, die Leiterplatten, verschiedene Metalle, alles kommt in einen separaten Container.

Neue Form

Die Edi Entsorgungsdienste AG produziert und verkauft verschiedene durch das Recycling zurückgewonnene Rohstoffe. Zum Beispiel werden die Kunststoffflakes geschmolzen und für neue Produkte verwendet. Oder aus sauberem, wenig verklebtem Holz werden Spanlatten gemacht. Auch das farblich getrennte Altglas kann später zu neuen vollwertigen Glasprodukten verarbeitet werden.

Der nicht weiterverwertbare Teil der Abfälle wird an Kehrichtverbrennungsanlagen oder Zementwerke geliefert. Bei der Verbrennung wird dort Energie in Form von Strom und Wärme zurückgewonnen. «Die Edi Entsorgungsdienste AG verarbeitet insgesamt circa 30 000 Tonnen Abfall im Jahr, die Hälfte davon ist Metall und Eisen», sagt Steeve Seidel.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 02.08.2017, 07:05 Uhr

Steeve Seidel ist im Aussendienst und im Qualitätsmanagement für die Bühlmann-Recycling-Gruppe und ihre Tochterfirma Edi Entsorgungsdienste AG tätig.

Kunststoffsammlungen

Hohe Kosten und geringer Umweltnutzen

Welche Verpackungen sollen denn nun im Haushalt gesammelt werden? Eine neue Studie gibt Aufschluss.

PET-Flaschen sammeln ist sinnvoll. Kunststoffflaschen wie Öl- oder Milchflaschen auch, Getränkekartons sowieso. Sie alle bestehen aus recyclingfähigen Materialien. Jede ­Plastikfolie und jeden Joghurtbecher aus dem Kehrichtsack auszusortieren, ist dennoch ­unnötig. Denn der ökologische Nutzen einer gemischten Kunststoffsammlung ist gering und diese relativ teuer.
Zu diesem Schluss kam kürzlich eine wissenschaftliche Studie. Diese wurde im Auftrag des Bundes, von acht Kantonen sowie verschiedenen Verbänden, von der Hochschule Rapperswil SG und der Basler ­Firma Carbotech durchgeführt.

Dabei wurde errechnet, dass der potenzielle Umweltnutzen einer neuen Kunststoffsammlung pro Person und Jahr etwa der Einsparung einer Auto­fahrt von 30 Kilometern entspricht. Die Entsorgung hingegen käme mit 750 Franken pro Tonne deutlich teurer als jene im Kehrichtsack für rund 250 Franken. Grund für die geringe Kosten-Nutzen-Effizienz ist die Vielfalt der Plastikabfälle. Gemäss dem Verein Swiss Recycling werden in der Schweiz jährlich gegen 125 Kilogramm Kunststoffe pro Kopf gesammelt.

Davon sind 45 Kilogramm Verpackungen. Viele dieser Stoffe sind nicht wiederverwertbar, weil sie aus verschiedenen Plastikarten bestehen, die nicht mehr getrennt werden können (zum Beispiel luftdichte Fleischverpackungen). Oder sie sind zu stark verschmutzt (etwa Behälter für Take-away-Gerichte). Sie landen heute in Zementwerken – oder in herkömmlichen Kehrichtverbrennungsanlagen, wo die darin steckende Energie in Form von Wärme und Strom genutzt wird.mel

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