Gaswerkareal: Stockwerkeigentum ist vom Tisch

Bern

Auf dem Gaswerkareal sollen keine Eigentumswohnungen gebaut werden. Der Stadtrat entschied dies am Donnerstag deutlich.

Kein Stockwerkeigentum in den künftigen Wohnungen auf dem Gaswerkareal: Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend beschlossen.

Kein Stockwerkeigentum in den künftigen Wohnungen auf dem Gaswerkareal: Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend beschlossen.

(Bild: Franziska Rothenbuehler)

Christoph Hämmann

Das Berner Stadtparlament will nicht, dass auf dem Gaswerkareal Eigentumswohnungen entstehen. Es lehnte am Donnerstag eine entsprechende Forderung der bürgerlichen Fraktionen FDP/JF, GLP/JGLP, SVP und BDP/CVP mit 43 Nein- gegen 22 Ja-Stimmen (1 Enthaltung) ab. Diese hatten in einer Motion verlangt, dass auf der Hälfte des Areals oberhalb des Marzilibads Stockwerkeigentum zugelassen werde. Der Gemeinderat dagegen sieht nur Mietwohnungen vor, die Hälfte durch Wohnbaugenossenschaften realisiert, ein Viertel durch Institutionelle. Ein Viertel der Wohnungen will die Stadt selber bauen.

Mitte-links hatte für die bürgerliche Forderung kein Verständnis. In der Stadt fehle es in erster Linie an preiswertem Wohnraum, argumentierte sie. «Stockwerkeigentum ist Wohnraum für Privilegierte», sagte Nora Krummen (SP/Juso). Solcher müsse aber nicht auf städtischem Boden gebaut werden, schliesslich sei dies «so ziemlich das Einzige, was der Markt selber hinkriegt».

«Wohnraum für Privilegierte istso ziemlich das Einzige, was der Markt selber hinkriegt.»Nora Krummen Stadträtin SP/Juso

Auch Gemeinderat Michael Aebersold (SP) vertrat die Haltung, dass in erster Linie Genossenschaften den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum schaffen würden.

Rot-grüne Sonntagsreden

Der freisinnige Fraktionschef und Motionär Bernhard Eicher hatte zuvor Rot-Grün-Mitte (RGM) vorgeworfen, sich bloss in Sonntagsreden für eine Stadt für alle, für Partizipation und für durchmischte Quartiere einzusetzen. Statt offen in einen Prozess einzusteigen, wolle RGM zum Vornherein Leute sowie Wohn- und Eigentumsformen ausschliessen, die der Mitte-links-Mehrheit nicht genehm seien. «So dreist muss man erst mal sein», giftete Eicher.

Allerdings steht die Planung auf dem Areal nicht am Start, wo man sich in aller Offenheit einreihen könnte: Im Februar hatte der Gemeinderat nach einer langen Evaluation mit den Betreibern des Gaskessels entschieden, dass das Jugend- und Kulturzentrum auf dem Areal am bestehenden Ort gesetzt ist.

Letztes Jahr noch knapp

Mitte-links vertrat die Haltung, dass Lärmklagen wegen des Gaskessels wahrscheinlicher wären, wenn dereinst auch Wohnungseigentümer auf dem Areal lebten. Auch zum Schutz des Kulturzentrums sollen «Mietwohnungen mit toleranten Bewohnerinnen und Bewohnern» entstehen, sagte Franziska Grossenbacher (GB/JA).

Dafür hatten im Vorfeld auch die «Chessu»-Betreiber geworben. Gut zwei Dutzend von ihnen sassen auf der Tribüne und warteten erst einmal zwei Stunden, bis es nach weiteren 1,5 Stunden Pause endlich um ihre künftige Nachbarschaft ging.

Im Januar 2018 war die gleiche Frage noch sehr knapp beantwortet worden. Als damals die Rahmenbedingungen für die Planung besprochen wurden, scheiterte die Forderung nach Stockwerkeigentum am Stichentscheid der Ratspräsidentin Regula Bühlmann (GB). Jetzt ist das Verdikt eindeutig, auch dank einer geschlossenen GFL.

«Wohnraum für Privilegierte ist so ziemlich das Einzige, was der Markt selber hinkriegt.»

Nora Krummen Stadträtin SP/Juso

Berner Zeitung

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