Bern/Köniz

Drögeler, Dilettant und Dieb

Bern/Köniz Lange war er erfolglos, doch dann kam ein Einbrecher auf Touren – auch dank einer Waffe. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

Dass er schuldig ist, ist klar. Was das Regionalgericht Bern-Mittelland aber beantworten muss: Wird der 31-jährige ausgeschafft?

Dass er schuldig ist, ist klar. Was das Regionalgericht Bern-Mittelland aber beantworten muss: Wird der 31-jährige ausgeschafft? Bild: Martin Bürki

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Zwei Raubüberfälle, mehrere Einbrüche mit Diebstählen, eine Waffe trotz Verbot. Die Delikt- und Schadensumme: fast 40 000 Franken. Und ein Geständnis. Es gibt keine Zweifel an der Schuld des 31-jährigen Mannes, der seit gestern vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland steht. Die Frage lautet nur noch, wie hoch die Strafe ausfallen wird – und vor allem, ob der junge Mann die Schweiz verlassen muss.Der Beschuldigte hat den Pass von Bosnien-Herzegowina. Geboren wurde er in Bern, hier hat er sein ganzes Leben verbracht, die Schule absolviert, aber keinen Beruf gelernt. Stattdessen stürzte er ab, wurde kriminell.

Er hatte und verbreitete Angst

Die Einbruchserie begann 2017 im Berner Breitenrain. An einem Augustmorgen brach er die Scheibe zu einem Restaurant auf, durchsuchte es nach Geld. Fündig wurde er nicht, und so versuchte er es gleich nebenan in einem Kosmetik- und in einem Tanzstudio. Die Ausbeute: null Franken.

Im September hatte er weitere erfolglose Versuche in Schliern und Bern gestartet, ehe er bei einer Kirchgemeinde endlich Beute machte: 450 Franken und ein paar Reka-Checks. Es folgte eine kleine Glückssträhne und dann die Eskalation.

An einem Samstag im November betrat er, mit einer Pistole bewaffnet, eine Bäckerei in Schliern und versetzte die Verkäuferin «in Angst und Schrecken», heisst es in der Anklage. So gelangte er zu ein paar Tausend Franken, einer Flasche Cola und zwei Dosen Red Bull. Drei Tage später schaute er bei 0tto’s vorbei: 18 500 Franken und drei Stangen Marlboro. Kurz darauf wurde er von der Polizei geschnappt. Die Fussspuren verrieten ihn.

Warum er all das tat? Er musste seine Drogensucht finanzieren – und offenbar ein paar Männer zufriedenstellen, mit denen nicht zu spassen war. Details wollte er keine nennen, «er hat Schiss», sagte Verteidiger Hans Keller. Der Angeklagte bestritt einzig, dass die Waffen geladen waren. «Ich wollte nicht noch grösseren Schaden anrichten.»

Keine guten Aussichten

Das glaubte ihm Staatsanwältin Claudia Hostettler nicht. Denn als die Waffe gefunden wurde, war sie geladen. Zugute hielt die Staatsanwältin dem Angeklagten, dass er anständig war, seine Opfer nicht anfasste – er siezte sie gar. Bei den Ermittlungen verhielt er sich kooperativ. Doch sei er mehrfach vorbestraft, eine gute Prognose könne nicht gestellt werden. Sie forderte fünf Jahre Gefängnis, darin eingerechnet zehn Monate für eine frühere unbedingte Strafe, die nun widerrufen werden soll.

Verteidiger Keller kam auf 32 Monate. «Er sah sich gezwungen, illegal Geld zu beschaffen.» Bei den Einbrüchen sei er dilettantisch vorgegangen, am Anfang hätten nur Stress und eine gebrochene Ferse herausgeschaut. Keller plädierte für verminderte Schuldfähigkeit. «Er war nicht frei in seiner Entscheidung.» Zudem müsse man das Geständnis und das Verhalten im Strafverfahren berücksichtigen.

Das Gericht verkündet sein Urteil heute. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.08.2018, 20:56 Uhr

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