Die Streithähne einigen sich

Bern

Die Berner Tourismusorganisation Bern Welcome und der ehemalige Chef Martin Bachofner legen ihren Streit bei.

Marcel Brülhart, Präsident und aktueller Interimschef von Bern Welcome und Martin Bachofner, ehemaliger Chef von Bern Welcome. Fotos: Urs Baumann und Christian Pfander

Marcel Brülhart, Präsident und aktueller Interimschef von Bern Welcome und Martin Bachofner, ehemaliger Chef von Bern Welcome. Fotos: Urs Baumann und Christian Pfander

Der Abgang von Martin Bachofner war höchst ungewöhnlich: Am 14. Januar gab Bern Welcome bekannt, dass die Tourismusorganisation ihren Chef am 19. Dezember freigestellt hatte. Gleichentags veröffentlichte Bachofner ein Schreiben, in dem er festhielt, dass er die Art und Weise nicht akzeptieren könne, wie die Freistellung per 19. Dezember herbeigeführt worden sei. Damit war ein öffentlicher Streit um die Deutungshoheit in dieser Affäre lanciert.

Die Bekanntgabe der Entlassung erfolgte, ohne dass eine ­Einigung über die Abgangsmodalitäten vorlag. Jetzt ist diese da. Bern Welcome hat am Freitag eine Meldung auf ihrer Internetseite aufgeschaltet. Inhaltlich geht es in der Vereinbarung in erster Linie um die Dauer der Lohnfortzahlung sowie um die Aufteilung der Anwaltskosten. Bern-Welcome-Chef Marcel Brülhart sagt auf Anfrage, dass Bachofner seinen Lohn bis Ende Juli erhalten werde. Weitere Einzelheiten der Vereinbarung wollte er nicht kommentieren.

Die beiden Streitparteien geben sich betont konziliant. In der Medienmitteilung heisst es etwa: «Bern Welcome und Martin Bach­ofner bedauern die teilweise in der Öffentlichkeit ausge­tragenen Meinungsverschiedenheiten im Nachgang zur am14. Januar 2019 kommunizierten Trennung.» Und sie schieben nach: «Die beiden Parteien bleiben sich fachlich und persönlich verbunden.»

Streit um die Gründe

Bei den Verhandlungen ging es Martin Bachofner zudem um eine Rehabilitation. Zum Grund der Trennung halten er und Bern Welcome fest: «Es ist den Parteien ein wichtiges Anliegen, noch einmal unmissverständlich festzuhalten, dass die Trennung allein aufgrund unterschiedlicher Auffassungen bezüglich zukünftiger Herausforderungen erfolgte. Die fachliche und menschliche Kompetenz von Martin Bach­ofner steht ausser Frage und wurde nie angezweifelt.»

Damit machen Bern-Wel­come-Präsident Marcel Brülhart und der Verwaltungsrat einen Rückzieher. Um ihren Entscheid zu erklären, hatten sie in öffentlichen Stellungnahmen festgehalten, dass die Leistung von Bach­ofner nicht gestimmt habe. So habe er beispielsweise das Versprechen, «die beteiligten Organisationen und weitere wichtige Interessen aktiv und gleichberechtigt einzubeziehen, nicht eingelöst».

Nicht nach dem Lehrbuch

In den darauf folgenden Wochen zeigte sich indes auch, dass die Bern-Welcome-Spitze bei der Vorbereitung der Entlassung von Bachofner vieles nicht nach dem Lehrbuch abgewickelt hatte: Es gab mit Bachofner nie ein Qualifikationsgespräch, es gibt kein Protokoll, in dem Differenzen über die Strategie festgehalten wären, kein Protokoll, in dem verfehlte Ziele kritisiert wurden. Entsprechend ging Bachofner mit ein paar guten Karten in den Verhandlungspoker.

Beide Parteien werden nun weiter damit beschäftigt sein, sich neu auszurichten. Der Verwaltungsrat von Bern Welcome muss einen neuen Chef suchen. Und Bachofner einen neuen Job. Bern Welcome verspricht, ihn bei der «beruflichen Neuorientierung» zu unterstützen.

Berner Zeitung

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