Freiburg

Die Polizei schaut zum Rechten, die Gemeinde lobt

FreiburgWas Bern plant, ist in Freiburg in Betrieb: Seit Juli machen die ausländischen Fahrenden offiziell an der A12 halt – zur Freude der Behörden vor Ort.

Bevor das Joch zur Seite gedreht wird, wird abgerechnet: An der A 12 verwaltet die Polizei den Transitplatz.

Bevor das Joch zur Seite gedreht wird, wird abgerechnet: An der A 12 verwaltet die Polizei den Transitplatz. Bild: Christian Pfander

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Der Platz liegt ähnlich wie jenes Areal bei Wileroltigen, auf dem der Kanton Bern die ausländischen Fahrenden unterbringen will. In Reih und Glied stehen die Wohn­wagen leicht erhöht über der Autobahn A 12 bei Bulle. Das rundum eingezäunte Gelände ist nur über den angrenzenden Rastplatz erreichbar, von der nächsten Auffahrt her sind es 10 Kilometer. Wer aus der falschen Richtung anreist, fährt 20 Kilometer Umweg.

Die Fahrenden sind trotzdem da – völlig legal. Denn hier, in La Joux-des-Ponts ganz am Rand der 1500-Seelen-Gemeinde Sâles, hat der Kanton Freiburg im Juli seinen Transitplatz für 40 Gespanne eröffnet.

Die Polizei kontrolliert

Beim Augenschein vor Ort ist es zuerst ruhig auf dem Gelände. Doch plötzlich taucht eine Streife auf, und zwei Polizisten steigen aus. Ein paar Minuten später ist der Grund für den Einsatz klar. Einer der Beamten tritt zur Barrieren­anlage, betätigt den Schliessmechanismus und dreht eines der beiden Joche zur Seite. Drei, vier Gespanne fahren von dannen – richtig, ein Teil der Reisenden zieht weiter.

Genaueres lässt sich an diesem frühen Abend nicht in Erfahrung bringen. Lust auf ein Gespräch mit den Medien hat hier nach all den Schlagzeilen der vergangenen Tage ganz offensichtlich keiner.

Toiletten ohne Türen

Die Präsenz der Polizei ist kein Zufall. Sie hat die Aufgabe, den Platz zu verwalten. Dazu gehört, bei der Ankunft für den geplanten Aufenthalt 20 Franken pro Tag und Gespann einzuziehen und bei der Abreise definitiv abzurechnen.

Nach dem ersten Betriebsmonat sind die Behörden in Sâles des Lobes voll. Der Platz laufe in geordneten Bahnen und mache «gar keine Probleme», gibt Nicolas Hassler zu Protokoll, der als Vizepräsident auch für die öffentliche Ordnung und das Abfallwesen in seiner Gemeinde verantwortlich ist. Just diese Themen geben im Zusammenhang mit ausländischen Fahrenden immer zu reden, und Hassler sagt nun auch: Die Fahrenden hätten in der Vergangenheit zwei-, dreimal im Dorf haltgemacht, und jedes Mal sei es zu Unstimmigkeiten gekommen.

Vor diesem Hintergrund hat Sâles den Platz nie fundamental bekämpft, wie Hassler noch beifügt. Als das Projekt 2008 erstmals diskutiert wurde, gab es zwar Fragen, doch die Kritik blieb insgesamt leise.

Umso klarer werden bereits die Fahrenden. Ihnen missfällt am Platz nicht nur der hohe Zaun, der zuoberst nach innen gebogen und so unüberwindbar ist. Für Unmut sorgen auch die Toiletten, die weder Türen noch ein Dach haben.

Der Zaun entspricht einer Forderung der Gemeinde. Für die offene Bauart der Toilette haben die Freiburger Behörden eine andere Erklärung parat: Man habe bei der Planung die Fahrenden zwar nicht offiziell kontaktiert. Ihre Lebensart und ihre Wünsche, die sie während ihrer vorherigen Aufenthalte im Kanton formuliert hätten, seien aber in die Überlegungen eingeflossen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 07:08 Uhr

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