Die «Hopp-Schwiiz»-Euphorie fehlt

Bern

Der Sommer lässt auf sich warten, die Schweiz ist nicht mit von der Partie: Die grosse EM-Euphorie blieb in Bern bislang aus. Die Betreiber von Public Viewings wollen aber nicht klagen.

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Christian Häderli@ChriguHaederli

«Das Wetter war bisher nicht gerade gut», sagt Dominic Kummer vom Berner City Beach. Trotzdem seien immer Leute da, die gemeinsam EM-Spiele anschauen. «Am Montag hatten wir eine grosse Studentenfete. Da am Abend überraschenderweise schönes Wetter war, war der City Beach gut besucht.» Trotzdem ist Kummer froh, dass die Wetterprognosen für das Wochenende Besserung versprechen.

Im Bierhübeli ist man indes nicht vom Wetter abhängig. Dort wird drinnen Fussball geschaut. Die EM-Spiele werden zwar erst ab den Viertelfinals im grossen Saal gezeigt, bereits in den Vorrunden werden die Matches aber in der Lounge auf Bildschirmen übertragen. «Das Eröffnungswochenende war super, die Lounge war voll, wir hatten gute Stimmung», sagt Micha Günther von Appalooza. Dies habe sicher damit zu tun, das man im Bierhübeli «wetterfest» sei, meint er. Auch ihm würde jedoch schöneres Wetter nichts ausmachen: «Dann könnten sich unsere Gäste zusätzlich draussen im Garten ein Bier genehmigen.»

Positive Rückmeldungen sind auch aus dem Club Du Théâtre zu hören: «Wir sind sehr zufrieden bisher», erzählt Ben Weber. Das Publikum wird gemäss Weber unter anderem von den mobilen Bildschirmen angezogen, die bei schönem Wetter auf die Terrasse verschoben werden können. Ausserdem werden im Du Théâtre für die Kroatien-Spiele jeweils Spezialveranstaltungen organisiert.

«Immer gute Stimmung!», heisst es aus der Subway-Bar. Die Spielübertragungen seien gut besucht, stellt Adrian Morgenegg fest. «Da wir im Untergeschoss sind, hat uns das schlechte Wetter bisher wohl mehr Kundschaft beschert.»

Das EM-Fieber war auch schon höher

Trotz positiven Tönen sind sich die Barbetreiber einig: Der Fussball-Hype hält sich in diesen Tagen im Vergleich zur WM 2010 oder gar zur Heim-EM 2008 in Grenzen. «Ich habe während der WM vor zwei Jahren am City Beach an der Bar gearbeitet», erzählt Dominic Kummer. «Da war schon mehr Euphorie zu spüren als dieses Jahr.» Auch für Micha Günther grassierte das Fussball-Fieber vor zwei Jahren mehr. «Das hat man aber schon vor der EM gespürt», erklärt er. Für Günther ist das Fehlen der Schweizer Nationalmannschaft am Turnier der Hauptgrund dafür, dass die EM dieses Jahr nicht ein derart grosses Thema ist wie in anderen Jahren.

«Man merkt, das die EM läuft, wenn man durch die Stadt geht», betont indes Ben Weber vom Du Théâtre. Ab 17 Uhr sehe man jeweils überall Bildschirme, in zahlreichen Lokalen könne man Fussball schauen, viele Leute interessierten sich dafür. «Das habe ich in diesem Ausmass gar nicht erwartet.» Im Subway, wo seit 1998 alle EM- und WM-Spiele gezeigt wurden, stellt Morgenegg fest, dass das «Kollektiv der Stimmung» jeweils besser sei, wenn die Schweiz mitspiele. «Die Kunden sind dann jeweils eine Einheit. Dies ist nicht der Fall, wenn etwa zwei andere Mannschaften gegeneinander spielen.» Die EM hat zwar eben erst angefangen, trotzdem schaut Morgenegg bereits vorwärts: «Ich freue mich schon auf die Qualispiele der Schweizer Nati!»

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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