Bernmobil: «Ja, aber» zum Zweirichtungstram

Das Nein ist nicht mehr so absolut wie früher. Bernmobil erkennt durchaus die Vorteile von Trams mit zwei Führerständen. Die Linien nach Kleinwabern und Ostermundigen werden trotzdem auf Einrichtungsfahrzeuge ausgelegt.

Blau-rotes Zweirichtungstram trifft auf rotes Einrichtungstram: Die Debatte ums richtige Fahrzeug geht weiter. Foto: Franziska RothenbühlerBlau-rotes Zweirichtungstram trifft auf rotes Einrichtungstram: Die Debatte ums richtige Fahrzeug geht weiter.

Blau-rotes Zweirichtungstram trifft auf rotes Einrichtungstram: Die Debatte ums richtige Fahrzeug geht weiter. Foto: Franziska RothenbühlerBlau-rotes Zweirichtungstram trifft auf rotes Einrichtungstram: Die Debatte ums richtige Fahrzeug geht weiter.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Stephan Künzi

Trams mit nur einem Führerstand? Oder nicht doch lieber Fahrzeuge, die von beiden Enden aus gesteuert werden können? Die damit über eine einfache Weiche aufs andere Gleis wechseln und dort problemlos zurückfahren können?

Am Montag wird das Könizer Parlament über die Frage diskutieren, die in den letzten Wochen und Monaten immer wieder aufgeploppt ist. Grund sind die Pläne, das Nüni-Tram von der heutigen Endstation in Wabern bis nach Kleinwabern zu verlängern. Mit den aktuellen Einrichtungsfahrzeugen würde dort eine weit ausholende Wendeschleife über das noch grüne Balsigergut nötig. Was nicht nur bei den Könizer Mitteparteien, sondern auch bei der Balsigergut-Stiftung als Eigentümerin Stirnrunzeln oder gar mehr oder weniger offenen Widerstand auslöst.

Mit ihrem nun zur Debatte stehenden Vorstoss hat die Mitte das Thema überhaupt erst auf die politische Agenda gehievt. GLP, EVP, BDP und CVP wollten über die landschonende Alternative zu den Einrichtungsfahrzeugen reden. Denn nach wie vor hält Bernmobil auf dem Stammnetz eisern am althergebrachten Typ Tram fest.

Für den Störungsfall

Zufall oder nicht – am Donnerstagmorgen lud das Verkehrsunternehmen zu einem Hintergrundgespräch zu seinem Tramnetz ein. Direktor René Schmied und seine Leute wollten über «die Zusammenhänge und die Herausforderungen im Berner Tramnetz» informieren. Was in der Einladung so allgemein formuliert war, lief während des Treffens auf die Frage hinaus: Einrichtungs- oder Zweirichtungsfahrzeuge?

Überraschend zeigte sich: Bernmobil ist trotz des Beharrens auf dem traditionellen Fahrzeugtyp offen. Ja, je länger Schmied über die Schwächen des historisch gewachsenen Berner Netzes referierte, umso deutlicher schälte sich heraus: Trams mit zwei Führerständen eignen sich dafür eigentlich besser.

Schmied betonte nämlich, wie sehr ein stabiler Betrieb von den Wende- und Umfahrungsmöglichkeiten abhänge. Bei Unfällen, Demos oder anderen Störungen müsse ein Tram flexibel umkehren oder über ein Dienstgleis auf eine andere Linie ausweichen können. In Bern aber sei Wenden im Durchschnitt nur alle 5 Kilometer und Ausweichen nur alle 3,1 Kilometer möglich – in Zürich liege dieser Wert mit 3,1 und 1,5 Kilometern und in Basel mit 3,7 und 1,4 Kilometern tiefer.

Dann sprach Schmied von der laufenden Trambeschaffung. Bekanntlich haben die alten blau-roten Trams auf der Linie 6 ihr Lebensalter erreicht. Sie verkehren auf jener Strecke, die über das Stammnetz hinaus nach Worb führt. Sie kennt seit je und auch in Zukunft den Zweirichtungsbetrieb, weshalb auch die elf neuen Trams nach Worb zwei Führerstände haben.

Darüber hinaus bestellt Bernmobil noch neun weitere Zweirichtungsfahrzeuge für das Stammnetz. Bei Störungen sollen sie über Weichen, die an verschiedenen Orten neu eingebaut werden, einfacher wenden können als heute. Und damit auch auf dem Berner Netz für mehr Flexibilität sorgen.

Als Alternative neue Wendeschleifen zu bauen, betonte Schmied, sei im dicht bebauten städtischen Umfeld kaum mehr möglich.

Neuer Vorstoss in Köniz

Wieso Bernmobil bei der Verlängerung des Nüni-Trams trotzdem an den Einrichtungs­fahrzeugen und damit an der umstrittenen Wendeschleife festhalten will? Genau so wie auch auf der neuen Linie nach Ostermundigen? Schuld sind die 36 Einrichtungstrams, die schon heute und wohl noch etwa bis 2040 im Einsatz stehen. Mit dieser grossen Flotte des traditionellen Fahrzeugtyps wäre dem Unternehmen ein ausgedehnter gemischter Betrieb zu aufwendig oder wie es Schmied am Donnerstag formulierte: Bernmobil möchte nicht die grössere Flexibilität im Störungsfall gleich wieder verlieren, weil die alten Trams dann auf den neuen Strecken nicht fahren könnten.

Die Mitteparteien in Köniz lassen sich davon nicht beeindrucken. Über einen neuen Vorstoss wollen sie ihren Gemeinderat verpflichten, sich mit Blick auf das verlängerte Nüni-Tram mit aller Kraft für Fahrzeuge mit zwei Führerständen einzusetzen. Die Debatte geht weiter.

Berner Zeitung

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