«8 von 10 Babys überleben diesen Eingriff nicht»

Bern

Am Inselspital haben Ärzte siamesische Zwillinge getrennt – nur 8 Tage nach der Geburt. «Ein grosses Risiko, aber wir hatten keine Wahl», sagt Denis Bachmann, leitender Arzt der Intensivstation der Kinderklinik.

7 Wochen nach der Trennung siamesischer Zwillinge äussert sich Denis Bachmann, leitender Arzt der pädiatrischen Intensivmedizin am Berner Inselspital, zum riskanten Eingriff.
Martin Bürki@tinubuerki27

Weil bei einer Ultraschall-Untersuchung beim ungeborenen Kind ein Herzfehler entdeckt wurde, begab sich eine werdende Mutter aus Basel zu weiteren Abklärungen in die Kinderklinik des Berner Inselspitals. Denn am Rheinknie wird keine Herzchirurgie für Kleinkinder angeboten. Und plötzlich drängte es: die Drillinge wollten auf die Welt, in der 32. Schwangerschaftswoche.

«Wir wollten sie eigentlich nicht so früh auf die Welt holen, und an einen Rücktransport war nicht zu denken», erklärt Denis Bachmann, der leitende Arzt der pädiatrischen Intensivmedizin im Inselspital. So wurde am 2. Dezember ein Kaiserschnitt durchgeführt. Und nur acht Tage später stand die nächste Operation an.

Denn: Zwei der drei ungeborenen Mädchen waren zusammengewachsen. Über die Leber verbunden, floss das Blut ungleich vom einen siamesischen Zwilling zum anderen. Normalerweise wird in diesem frühen Stadium keine Trennung vorgenommen: Nur gerade 2200 Gramm brachten die Kleinkinder auf die Waage – zusammen! Eigentlich sollte jeder Zwilling zum Zeitpunkt der Operation mindestens 3 Kilogramm schwer sein. Doch hatten die Ärzte keine Wahl, betont Denis Bachmann: «Hätten wir nichts unternommen, hätten wir sie so oder so verloren.» In einem fünfstündigen Eingriff sorgten insgesamt acht Spezialisten dafür, dass beide Mädchen getrennt voneinander weiterleben können.

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Noch befinden sich die getrennten Zwillinge auf der Intensivstation in der Obhut von Denis Bachmann. Sie hätten beide an Gewicht zugelegt und seien, so man dies von achtwöchigen Frühchen sagen kann, in einem gesunden Zustand. Das Inselspital spricht von einer «medizinischen Sensation». Verständlich, in Anbetracht der Überlebenschance eines solchen Eingriffs: «8 von 10 Babys hätten das nicht überstanden», schätzt Denis Bachmann.

So aber gelang den Chirurgen rund um den Chefarzt Steffen Berger eine Weltpremiere. Ob künftige Ärzte von den Erfahrungen profitieren können? Denis Bachmann ist vorsichtig: «So etwas kommt dermassen selten vor, das sind alles einzigartige Fälle. Wir haben lediglich gezeigt, dass eine Trennung siamesischer Zwillinge unter gewissen Umständen auch in diesem Alter möglich ist. Aber ich bin überzeugt, dass man die Praxis nicht ändert und weiterhin so lange wie möglich wartet.»

Die gesamten Ausführungen von Denis Bachmann sehen Sie im Video oben.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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