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Klassentreffen vor dem «Eidgenössischen»

Rund tausend Turnerinnen und Turner aus dem Berner Mittelland trafen sich am Donnerstag zur traditionellen Turnfahrt. Für die Vereine ist es das letzte grosse Zusammenkommen vor dem Eidgenössischen Turnfest Mitte Juni.

Übernimmt für einmal die Rolle des Fähnrichs: Die BTV-Bern-Präsidentin Brigitt Imbach.
Übernimmt für einmal die Rolle des Fähnrichs: Die BTV-Bern-Präsidentin Brigitt Imbach.
Manuel Zingg

Das Wetter spielt den Turnerinnen und Turnern der Region in die Karten. Rechtzeitig zur Turnfahrt in Kirchlindach ist der Sommer eingekehrt. Auch Pfarrer Michael Graf bieten sich eigentlich ideale Voraussetzungen für seinen Gottesdienst.

Ein wunderbares Alpenpanorama hinter ihm, über tausend Leute vor ihm. Seine Predigt lockert er gekonnt mit den eigenen Misserfolgen beim Fischen auf. Doch gedanklich ist ein Teil des Pu­blikums nicht beim Fisch im Bach, sondern beim Fleisch auf dem Grill.

Obwohl der gemeinsame Gottesdienst den Kern des Programms bildet, geht es bei der alljährlichen Turnfahrt vielmehr ums Zusammenkommen und den Austausch. Wie bei einem Klassentreffen sehen sich alte Bekannte nach langer Zeit wieder.

Dass dabei ein ganzer Regionalverband zusammenkommt, ist einmalig. 35 Vereine aus dem Berner Mittelland haben sich an Auffahrt bei der Brätlistelle Leutschen eingefunden. In anderen Regionen gibt es die Turnfahrt zwar auch. Dort ist der Anlass aber meist vereinsintern und kaum so gross.

Keine Kaffeefahrt

Unter den 935 anwesenden Turnvereinsmitgliedern sind aber nicht nur alte Bekannte, sondern auch junge Gesichter. Oliver Schmid vom Bürgerturnverein (BTV) Bern ist selber mit einer Gruppe junger Erwachsener unterwegs und sagt: «Früher waren eher die eingefleischteren und älteren Mitglieder an der Turnfahrt. Seit einigen Jahren machen auch die jüngeren mit.»

«Früher waren eher die eingefleischteren und älteren Mitglieder an der Turnfahrt. Seit einigen Jahren machen auch die jüngeren mit.»

Oliver Schmid, Mitglied im BTV Bern

Seine eigene Mutter Petra Schmid, die von den anderen Mitgliedern als «Vereins-Mami» bezeichnet wird, ist ebenfalls mit dabei. Auf ihre Rolle angesprochen, erklärt sie: «Die ältere Generation schaut oft für die jüngere Generation und führt sie in die Traditionen ein.» Am heutigen Tag sind es allerdings die Jungen, die das Mittagessen für die Älteren vorbereiten.

Petra Schmid übernimmt im Verein nicht nur eine symbolische Rolle, sondern zusätzlich ein tatsächliches Amt. Zusammen mit Hans Schuhmacher ist sie als Fähnrich für das Tragen der Vereinsfahne verantwortlich.

Wie der Feldgottesdienst ist das Mittragen der Fahne vor allem aus Tradition Teil der Turnfahrt. Wie sich auf dem Festplatz zeigt, erfüllt die Fahne zudem einen praktischen Zweck: Die Mitglieder sehen ihren Verein in der Menschenmasse von weitem.

Grossanlass steht bevor

Dies wird auch am bevorstehenden Eidgenössischen Turnfest in Aarau wichtig sein. Denn dort werden 70'000 Turnende und 150'000 Besucher erwartet. Das «Eidgenössische» findet nur alle sechs Jahre statt. In zwei Wochen ist es wieder so weit. Der BTV Bern wird ebenfalls an den beiden Wettkampfwochenenden in verschieden Disziplinen vertreten sein.

Eine wichtige Hauptprobe hat das Team Aerobic bereits morgen in Grosswangen. Die Präsidentin Brigitt Imbach sagt: «Der Wettkampf morgen wird uns zeigen, wo wir stehen.» Viel Druck oder Nervosität wegen des «Eidgenössischen» spüre sie allerdings noch nicht, eher Vorfreude.

Gastgeber feiern Jubiläum

Nach dem Gottesdienst trennen sich die Wege der Turnvereine aus dem Berner Mittelland wieder. Getrennt sind die Vereine nach Kirchlindach gewandert, getrennt ziehen sie weiter zu verschiedenen Brätlistellen. Zurück bleibt der TV Kirchlindach. Da sie dieses Jahr ihr hundertjähriges Bestehen feiern, haben sich die Kirchlindacher als Gastgeber für die Turnfahrt gemeldet.

Zudem findet 2020 das Mittelländische Turnfest ebenfalls in der Gemeinde statt. Im Vergleich zum Mittelländischen Turnfest ist die Turnfahrt nur ein kleiner Anlass. Das Bewirtschaften von über tausend Besuchern – einige Anwohner haben sich unter die Turner gemischt – ist für die Kirch­lindacher trotzdem eine gute Übung. Was das Vereinsleben betrifft, sind die Berner Turnvereine auf jeden Fall bereit fürs «Eidgenössische».

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