33 Tonnen Hightech für die Medizin

Bern

Die Sitem-Insel AG besitzt seit heute zwei Magnetresonanz-Tomographen der Superlative.

  • loading indicator

Noch ist das Gebäude an der Freiburgstrasse 3 auf dem Insel-Areal leer und befindet sich im Endausbau. Die Sitem-Insel AG wird hier ab Ende August 2019 das nationale Kompetenzzentrum für Translationale Medizin betreiben. Dieses Zentrum will den Übergang (Translation) von der medizinischen Forschung hin zu praktischen Anwendungen fördern. Um Bern als Medizinalstandort national und international zu fördern, hatte die Kantonsregierung 2014 zur Gründung der Zentrumsträgerin Sitem-Insel AG angeregt.

Der 13-Millionen-Bau – er umfasst 23400 Quadratmeter auf sechs Etagen – wird im Sommer seinen Betrieb aufnehmen. «Wir werden hier Leute zusammenbringen, die interdisziplinär arbeiten», sagte Simon Rothen, CEO Sitem-Insel, an der gestrigen Medienorientierung. Im Haus werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus diversen medizinischen Gebieten Forschung betreiben, unter anderem das Institut für Infektionskrankheiten, die Zahnmedizin, Experten künstlicher Organe und viele mehr.

Simon Rothen: «Zudem wird die CSL Behring den Grossteil ihrer Forschungsabteilung im Wankdorf in dieses Gebäude zügeln.» Dieses Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von Medikamenten für die Behandlung von Immunmangelerkrankungen. In den Neubau einziehen wird schliesslich auch das Diabetes-Center Bern.

Herzstück der Forschung

«Das Herzstück der wissenschaftlichen Forschung», wie sich Rothen ausdrückte, wurde bereits gestern angeliefert. Es handelt sich dabei um zwei Magnetresonanz-Tomografen (MRI) der Extraklasse, welche von der Firma Siemens gebaut wurden.

«Beim MRI werden Magnetfelder eingesetzt. Das ist ein grosser Vorteil, so kann man den menschlichen Körper ohneGesundheitsschädigungen von innen betrachten.»Simon Rothen, CEO Sitem-Insel AG

Das eine Gerät generiert ein Magnetfeld von 7 Tesla und ist somit das stärkste heute verfügbare mit klinischer Zulassung. Diese Maschine ist 2,8 auf 2,7 Meter gross und wiegt zwanzig Tonnen. Das andere Gerät ist ein High-End-System mit einer Leistung von 3 Tesla. Es ist etwas kleiner und wiegt dreizehn Tonnen. Die beiden Systeme kosten ein paar Millionen Franken, genaue Zahlen wurden aber nicht genannt.

Dass die Sitem-Insel zwei Geräte angeschafft hat, habe seine guten Gründe, sagte Simon Ro­then. «Die Resultate beider Geräte können verglichen werden, und so ist eruierbar, wo die sehr hohe Bildauflösung der 7-Tesla-Maschine gegenüber dem anderen Gerät Nutzen bringt und wo nicht.» Ersteres erlaubt mittels hoher Bildauflösung äusserst präzise Diagnosen in verschiedenen Fachbereichen der Medizin. Man könne damit Strukturen im Körper erkennen, die bisher nicht zu sehen gewesen seien.

«Verbesserte Diagnosen führen zu zielgerichteten Therapien und somit zur effizienten Behandlung von Patientinnen und Patienten», sagte Simon Rothen. Im Gegensatz zur Computertomografie, die mit Röntgenstrahlen funktioniert, werden beim MRI keine Strahlen eingesetzt, sondern Magnetfelder. «Das ist ein grosser Vorteil, so kann man den menschlichen Körper ohne Gesundheitsschädigungen von innen betrachten.»

Abschirmung gegen aussen

Dennoch braucht es für den Einsatz von MRI mit hoher magnetischer Stärke Sicherheitsvorkehrungen. Das MRI mit 7 Tesla übertrifft das natürliche Erdmagnetfeld um das 350'000-Fache. Damit es nicht zu Störungen in der Umgebung kommt, werden die Geräte im untersten Geschoss installiert. Für die Abschirmung, damit die «Strahlen» nicht nach aussen dringen, werden Wände verwendet, die aus zwei Tonnen Stahl konstruiert sind.

Am Dienstag wurden die bis zu 20 Tonnen schweren Geräte angeliefert. Die Tomographen mussten durch ein nur 3x3 Meter grosses Loch zu ihrem Bestimmungsort abgelassen werden. Video: Keystone-SDA

Allein die Anlieferung der beiden tonnenschweren MRI durch eine Spezialfirma war eine logistische Herausforderung. Ein Kran hievte sie behutsam vom Lieferfahrzeug – es waren über ein Dutzend Arbeiter im Einsatz – und senkte sie über eine Bodenöffnung ins zweite Untergeschoss. Dort mussten die Geräte über eine 100 Meter lange Distanz an ihren Bestimmungsort transportiert werden. Die ganze Aktion dauerte mehrere Stunden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt