24 Stunden nach dem Titel laufen die Sofameister nochmals heiss

Etwas unverhofft werden die Young Boys bereits am Samstag auf dem Sofa Meister. Das beschert Fans und Spielern einausgedehntes Partywochenende, das seinen Höhepunkt am Sonntagabend im heimischen Wankdorf findet.

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Michael Bucher@MichuBucher

21.36 Uhr ist es am Sonntagabend, als die Meisterhelden in der heimischen Arena aufkreuzen. Und das tun sie ziemlich pompös, indem sie gleich mit dem Mannschaftsbus ins Stadion fahren. Jetzt bebt das zum Partytempel umfunktionierte Stade de Suisse. Sofort setzt sich jene magische Stimmung fest, die auch 351 Tage zuvor hier herrschte.

Im Anschluss wird jeder Protagonist einzeln und unter tosendem Applaus auf den Rasen geschickt. Auf dem Rasen gibts Champagnerduschen, und auf den Rängen wird wohl mehr Bier verschüttet als gebechert. Ja, es wird nochmals eine lange Nacht in Bern. Es ist nichts davon zu merken, dass diese Stadt bereits seit 24 Stunden im Feiermodus ist.

Plötzlich Meister, was nun?

Rückblende: Es ist kurz vor 21 Uhr am Samstagabend, als die Young Boys plötzlich bereits als Schweizer Meister feststehen. Dies, weil Basel zu Hause gegen GC nicht über ein 0:0 hinauskommt. Nicht wenige Fans – aber auch Spieler – drückten insgeheim Erzrivale Basel die Daumen, damit die Young Boys nicht «auf dem Sofa» Meister werden. Doch genau dies passiert. In Bern brechen die ersten Titel-Eruptionen in den offiziellen und inoffiziellen Fanlokalen wie Eleven oder Halbzeit aus. In Letzterem gibts standesgemäss Freibier.

So versammeln sich die Fans bei eisiger Bise auf der Osttribüne zum gemeinsamen TV-Plausch.Source

Es dauert jedoch eine Weile, bis in der Berner Innenstadt Meisterstimmung aufkommt. Viele sind ob dem unerwarteten Remis in Basel offenbar etwas überrumpelt. Eine YB-Supporterin bringt auf Twitter die spezielle Stimmung auf den Punkt: «I hocke dahei u weiss grad nid, was i söu. Id Stadt? Daheime blibe? Huere Siech, mir si Meister!!!»

Autokorso in Aarbergergasse

Nur kurze Zeit später gehen die ersten Videos der Young Boys im Internet viral. Zu sehen sind die Spieler, die ausgelassen umherhüpfen und den neuerlichen Titel feiern. Mannschaft und Staff verfolgten die Partie der Basler in der Sky Lounge des Stade de Suisse. Gegen 22 Uhr entwickelt sich die Aarbergergasse zum Brennpunkt der spontanen Meisterparty. Dutzendfach Pyros und Feuerwerk werden gezündet. Und immer wieder wird die Hymne «Fuessbau-Schwizer-Meischter» lautstark intoniert.

Den Siedepunkt erreicht die Stimmung, als plötzlich einige YB-Spieler mit ihren Autos auf Berns rappelvoller Partymeile auftauchen. Captain Steve von Bergen geniesst zusammen mit Beifahrer Marco Wölfli für kurze Zeit das Bad in der Menge. Ihr Teamkollege Christian Fassnacht lässt sich im Rausch der Meistereuphorie gar zum Schwenken einer Pyrofackel hinreissen (siehe Zweittext). Die Freinacht, die gar keine ist, ist lanciert.

TV-Plausch bei eisiger Bise

Wie es das diesjährige Meisterdrehbuch so will, steht tags darauf bereits die nächste Feier an. Die Young Boys luden im Vorfeld zum Public Viewing im Stade de Suisse. Hier sollten die Fans mitbibbern, wenn YB auswärts gegen Zürich um den Pokal spielt. Doch als frisch gebackene Sofameister ist zumindest am Sonntagnachmittag die Spannung draussen. Bibbern müssen die Anhänger trotzdem – vor Kälte.

Bei Temperaturen um die 5 Grad versammeln sich ab 15 Uhr die ersten hartgesottenen Supporter auf dem Quartierplatz. «Ein YB-Fan kennt keine Kälte» ist immer wieder zu hören. Es ist die wohlige Gewissheit des 13. Meistertitels, die Wärme gibt. Die 13, sie ist omnipräsent. Die neu designten Fanshirts mit der vermeintlichen Unglücksziffer auf der Rückseite gehen an den Ständen weg wie warme Weggli.

Gegen 16 Uhr strömen die über 1000 YB-Fans ins Stadion. Bei eisiger Bise versammeln sie sich mit Winterjacke und Schal auf der Osttribüne zum gemeinsamen TV-Plausch. Das Spiel in Zürich wird auf den Stadionbildschirmen übertragen, verkommt aber etwas zur Nebensache angesichts der Vorentscheidung am Abend zuvor. Vielmehr wird geplaudert, gelacht und natürlich auf die Meisterhelden gewartet, die hier im Verlaufe des Abends erwartet werden.

Mit dem Car ins Stadion

Doch vorerst kicken diese noch im Letzigrund – mit lautstarkem Support von rund 4500 mitgereisten YB-Fans. Auch im Stade de Suisse herrscht – verständlicherweise etwas gedämpfte – Matchtagstimmung. Es gehen «Uuuhs» und «Ooohs» durch die Zuschauerränge, und als Nsame gegen Ende des Spiels in der 120 Kilometer entfernten Limmatstadt zum 1:0-Schlussresultat einnetzt, jubelt die Menge, als stünden die Spieler hier in Bern auf dem Platz. Nach dem Schlusspfiff aus der Ferne heisst es für die Fans erst mal: Abwarten und Bier trinken.

Zweieinhalb Stunden dauert es, bis Spieler und Staff im Stadion einfahren. Dass das Drehbuch dieses Mal weniger Dramatik in sich barg und man eigentlich schon seit 24 Stunden Meister ist, kümmert hier niemanden. Denn wie brachte es die YB-Anhängerin am Abend zuvor so brachial auf den Punkt: «Huere Siech, mir si Meister!!!»

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