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«Beide Seiten sind gefordert»

Integration ist eine Pflicht, sagt Albert Weibel, Integrationsdelegierter des Kantons. «Damit das Zusammenleben von verschiedenen Ethnien klappt, müssen sich beide Seiten bemühen», ist er überzeugt.

Herr Weibel, was ist das Besondere an der gestrigen Veranstaltung? Informationsanlässe für ausländische Neuzuzüger gibts ja auch an andern Orten.

Albert Weibel: Wir haben insofern Neuland betreten, als wir nicht alle ausländischen Neuzuzüger aufs Mal eingeladen haben, sondern für jede Sprachgruppe einen eigenen Anlass machen. Wir versuchen, die Leute besser zu erreichen, indem wir sie in ihrer Muttersprache anreden. Auf diese Weise können wir besser auf ihre Bedürfnisse eingehen und gleichzeitig die Wichtigkeit der Integration betonen. Und, ganz wichtig: Auch wir lernen. Wie finden wir etwa den Zugang zu Menschen, die wenig Schulbildung in ihrem Rucksack haben? Wie wecken wir den Stolz von Eltern, durch das eigene Beispiel den Erfolg von Familienangehörigen zu fördern? Den Anfang haben Sie mit der albanisch sprechenden Bevölkerung gemacht. Warum?

Mit 175 Neuzuzügern in den letzten beiden Jahren stellen sie die grösste Gruppe. Die meisten sind im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz gekommen, ein grosser Teil von ihnen ist unter 40 Jahre alt. Für die jungen Menschen ist es doppelt wichtig, dass sie sich in der Schweiz gut zurechtfinden.

Welche Wirkung erhoffen Sie sich von den Veranstaltungen?

Neben den üblichen Informationen, die wir ihnen nicht nur mündlich vermitteln, sondern auch in einer Broschüre, die in ihrer Muttersprache verfasst ist, erzählen an den Anlässen Landsleute, die schon lange in der Schweiz leben, von ihren Erfahrungen. Und davon, wie wichtig es ist, die Landessprache zu beherrschen. Wir hoffen die Leute damit zu animieren, sich selber zu bemühen. Und nicht zuletzt wollen wir sie auffordern, sich zu melden, wenn sie Fragen oder Probleme haben. Sie sollen wissen, dass sie nicht allein gelassen werden.

In der Einladung steht: «Wir erwarten, dass Sie dabei sind». Ganz freiwillig dürfte die Teilnahme also nicht gewesen sein.

Dies ist tatsächlich ein Unterschied zu anderen Anlässen für Neuzuzüger – wir können zwar niemanden zwingen, aber eine gewisse Verpflichtung besteht. Jene Leute, die gestern nicht kamen, werden wir später wieder einladen. Falls sich jemand beharrlich weigern sollte, teilzunehmen, melden wir dies der Abteilung für Ausländerfragen. Das Interesse, sich zu integrieren, ist eines der Kriterien bei der Beurteilung, ob die Aufenthaltsbewilligung verlängert wird.

Kann man die Leute zwingen, sich zu integrieren?

Wir möchten, wenn immer möglich, nicht mit Zwang arbeiten. Aber sehen Sie: Integration ist nicht etwas, das man tun oder lassen kann wie es einem beliebt. Wer in ein fremdes Land auswandert, muss bereit sein, sich zu integrieren. Das Ausländergesetz der Schweiz wie auch das kantonale Sozialgesetz halten fest, dass die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung vom Besuch eines Sprach- und Integrationskurses abhängig gemacht werden kann. Auch wir als Behörden sind verpflichtet, diesen Menschen Hand zu bieten, damit sie bei uns auch Erfolg haben. Dies ist die Voraussetzung, dass das Zusammenleben im Alltag klappt.

Eine gegenseitige Verpflichtung also.

Genau. Wir können von den Leuten nicht erwarten, dass sie sich bei uns eingliedern, ohne ihnen das nötige Rüstzeug dazu mitzugeben. Gleichzeitig machen wir alle neu Zugewanderten auf die gesetzlichen Grundlagen aufmerksam. Man soll auch hier das Eine tun und das Andere nicht lassen. Eine klare Kommunikation vom ersten Tag an fördert die Integration.

Die Leute, die Sie eingeladen haben, wohnen zum Teil schon seit zwei Jahren in der Schweiz. Von Neuzuzügern kann man bei ihnen fast nicht mehr sprechen.

Das stimmt – es ist sicher vorteilhafter, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen, wenn man erst vor ein paar Monaten hierhergezogen ist. Deshalb sollen diese Anlässe künftig auch öfter stattfinden.

Welche Sprachgruppen werden Sie als nächstes einladen?

Der erste Anlass im kommenden Jahr wird in türkischer Sprache abgehalten werden, nachher wahrscheinlich tamilisch. Unser Ziel ist es, schlussendlich alle ausländischen Neuzuzüger zu erreichen.

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