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Bedingte Strafen für Betrüger

Das Kreisgericht hat fünf Kosovaren verurteilt, die mit frisierten Lohnausweisen und Aufenthaltsbewilligungen Kleinkredite bis zu 100'000 Franken erschwindelt hatten.

Fünf Kosovaren aus der Region Thun hatten in den Jahren 2002 bis 2004 Urkunden – vor allem Lohnabrechnungen – gefälscht und anschliessend mit diesen Unterlagen bei verschiedenen Banken Kredite beantragt und teilweise erhalten. Zwei der Angeschuldigten wurden zusätzlich beschuldigt, mit Hilfe einer gefälschten Vollmacht Firmengelder veruntreut zu haben. Von diesem Vorwurf wurden sie vom Kreisgericht Thun freigesprochen. Daneben hagelte es aber Schuldsprüche: Alle Angeschuldigten wurden wegen mehrfach begangenen Betrugs und Urkundenfälschungen verurteilt.

10 bis 16 Monate bedingt

Die Verteidiger der fünf Kosovaren forderten am Donnerstag bedingte Geldstrafen für ihre Mandanten. Gerichtspräsident Peter Moser und die anderen Kreisrichter folgten diesen Anträgen nicht. So verhängten sie für alle fünf Angeschuldigten bedingte Freiheitsstrafen von zehn bis 16 Monaten und Bussen von bis zu 1800 Franken.

Die Anwälte wiesen in ihren Plädoyers vor allem auf eine Mitverantwortung der Kleinkreditbanken hin: «Es ist erstaunlich, wie mein Mandant mit so simpel gefälschten Lohnabrechnungen einfach so zu einem Kredit gekommen ist», sagte einer der Verteidiger. Sein Kollege doppelte nach: «Die Banken hätten diese Angaben ohne Weiteres überprüfen können.» Anderer Meinung war gestern Gerichtspräsident Moser: «Man kann den Banken nicht zumuten, mit jeder Urkunde zur Polizei zu rennen, damit diese sie auf ihre Echtheit untersucht.»

Spielsucht erfunden?

Drei der fünf Angeschuldigten brachten eine angebliche Spielsucht als Motiv für die Taten vor. «Hinter diesen Spielsuchtgeschichten machen wir ein riesiges Fragezeichen. Wir wissen nämlich, dass mindestens einer der Angeschuldigten im Kosovo Liegenschaften hat und vermuten nun, dass das Geld dorthin geflossen ist», so Moser. Das Gericht anerkannte aber, dass die Angeschuldigten in allen Fällen ihre Ratenzahlungen an die Banken leisteten oder es zumindest versuchten. «Sie wollten tatsächlich nicht, dass die Banken zu Schaden kommen», sagte Moser. Trotzdem: «Für eine Verurteilung wegen Betrugs reicht es aber, dass die Rückzahlung des Kredites gefährdet war.»

Die Kosovaren berichteten am Donnerstag ausserdem von einem Serben, der ihnen beim Fälschen der Unterlagen geholfen haben soll. «Ob es den wirklich gibt, wissen wir nicht», so die Richter. Die Angeschuldigten müssen nun gemeinsam für die gesamten Verfahrenskosten von über 20'000 Franken aufkommen.

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