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Anders als Canepa und Constantin

FussballUnter den Super-League-Präsidenten hat es

Thuns Präsident Markus Stähli sitzt im Besprechungsszimmer seines Anwaltsbüros in Hünibach und entwirft ein Schreckensszenario: «Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass wir auch nach drei Rückrundenspielen noch keinen Punkt gewonnen haben», sagt er. Eine halbe Woche ist da seit dem 2:3 der Thuner gegen Basel vergangen. Am Sonntag ist die Mannschaft in Zürich bei den erstarkten Grasshoppers zu Gast, am Wochenende darauf folgt das Derby gegen YB. «GC verfügt nach der Rückkehr der Routiniers über viel Substanz. YB will an die Spitze. Da darf man sich dem Worst Case nicht verschliessen. Schon das vierte Spiel in St.Gallen würde dann zu einer Zitterpartie», sagt Stähli. Nun ist es aber nicht so, dass er der eigenen Mannschaft wenig zutraut. Der Präsident schwärmt von der «hervorragenden Arbeit» von Trainer Murat Yakin und ist überzeugt, Thun habe mit Dario Lezcano, Markus Neumayr und Sékou Sanogo in der Winterpause echte Verstärkungen verpflichtet. Stähli geht es darum, die Erwartungen zu dämpfen, die entstanden sind, nachdem der Aufsteiger die Vorrunde auf Rang sechs beendet hat. Als Fürsprecher (spezialisiert auf Bau- und Vertragsrecht) ist es sich der 59-Jährige gewohnt, die Argumente abzuwägen – und vielleicht auch nicht alle Karten offenzulegen. Selten an Auswärtsspielen Zu seiner Zurückhaltung passt, wenn er sagt: «Uns darf man durchaus als Liftklub bezeichnen. Wir können nicht davon ausgehen, die nächsten 30 Jahre in der Super League zu spielen.» Die Bescheidenheit unterscheidet Stähli von anderen Super-League-Präsidenten. Es ist unvorstellbar, dass er sich wie Zürichs extrovertierter Chef Ancillo Canepa auf die Spielerbank setzt oder die Equipe – wie Sions Christian Constantin – nach vorne peitscht. Stähli reist auch nur selten an eine Auswärtspartie. «Jedes Heimspiel, kein Auswärtsspiel – das ist meine Devise. Ich will auch Zeit haben für die Familie.» Trotz der Unterschiede fühlt er sich jeweils wohl beim sogenannten Witschi-Stamm, dem Treffen der Klubpräsidenten, das viermal im Jahr stattfindet. «Das Verhältnis zu meinen Amtskollegen geht von sehr gut bis hervorragend», sagt Stähli. Allerdings gelte das nur für den Umgang mit den Deutschschweizern, schränkt er ein. Zu Sions Constantin, Xamax’ Sylvio Bernasconi und Bellinzonas Gabriele Giulini gebe es keine Beziehung: «Die erscheinen nie zu diesen Treffen.» Viel hat sich getan, seit Markus Stähli im Mai 2008 gemeinsam mit den VR-Kollegen Markus Lüthi, Markus Walther und Rolf Glauser die Spitze der FC Thun AG vom langjährigen Präsidenten Kurt Weder übernahm. Die Mannschaft kehrte in die Super League zurück, das Umfeld beruhigte sich, der FC Thun steht vor dem Einzug ins neue Stadion. Wenn schon nicht die nächsten 30 Jahre, so aber auf jeden Fallin der nächsten Saison soll die Mannschaft daher unbedingt der höchsten Spielklasse angehören. Ein Abstieg zur Stadioneröffnung – davor fürchtet sich fast ganz Thun. Daher war auch der sonst so sparsame Präsident bereit, mehr Geld lockerzumachen als vorgesehen. Die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Lezcano Anfang Februar wird sich laut Stähli denn auch in der Liquiditätsrechnung niederschlagen. Immerhin: «In der Erfolgsrechnung hat der Transfer Platz.» Verhandeln mit Stadion AG Mehr finanzielle Mittel sollen nächste Saison mit dem neuen Stadion zur Verfügung stehen. Stählis FC Thun AG wird wohl alle Ticketing- und Marketingrechte von der Stadion Thun AG, welche die Arena betreiben wird, abtreten und dafür künftig entschädigt werden. Wie viel Geld der Mannschaft letztlich zur Verfügung stehen wird, darüber verhandelt der Präsident im Moment mit Stadion-CEO Alain Kappeler. Stähli und Co. hätten gerne eine Garantiesumme, «damit wir Planungssicherheit haben». Er geht davon aus, dass die Verträge im Frühling unterschrieben sind. «Die Gespräche verlaufen konstruktiv.» Diskussionen laufen auch mit der Swiss Football League und dem Verband. Denn noch steht die Spielbewilligung für die U-21 in der 1.Liga aus. Die Regeln sehen vor, dass jeder Nachwuchsverbund (Thun bildet mit YB, Biel und Bern West das Team Berne) so viele U-21-Equipen in der 1.Liga stellen darf, wie sie U-18-Teams führt. Neben der U-21 von YB hat es deshalb keinen Platz für jene aus Thun. Die Thuner argumentieren, sie bräuchten zwingend eine U-21 auf möglichst hoher Stufe, Stähli hofft nun auf die einfachste Lösung: Die U-17 des Berner Verbunds nimmt ebenfalls an der U-18-Meisterschaft teil, allerdings mit einer YB-Lizenz. «Sie könnte künftig unter der Etikette und dem Namen des FC Thun antreten – die Vorgaben wären erfüllt.» Und Stähli hätte ein weiteres Problem gelöst. Unauffällig, wie es ihm am Liebsten ist.Alexander Wäfler>

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