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Amüsantes Schlampen-Musical mit Pappnasen-Halunken

biel/solothurnDas hat Brecht nicht gewollt. Sondern Gesellschaftskritik. Katharina Rupp inszeniert fürs Theater Biel Solothurn die «Dreigroschenoper» als vergnügliches Spektakel. Sie hat recht. Den Banken ist mit Musik und Gesang eh nicht beizukommen.

Es ist gut investiertes Geld. Diese «Dreigroschenoper» ist jeden Rappen wert. Das Theater Biel Solothurn bringt das Brecht-Stück als Grossprojekt heraus und hat Spender gesucht und gefunden. Sie bekommen viel Gegenwert: eine rasante Inszenierung mit ausgezeichneten Schauspielern, fast immer überzeugenden Stimmen, einem hervorragenden Orchester in einem effektvollen Bühnenbild. Zu erleben ist ein eingängiges populäres Musical. Das hat Bertolt Brecht eigentlich nicht gewollt. Sondern eine böse Abrechnung mit dem Kapitalismus. Aber dem 30-jährigen Autor ging wohl die Fantasie durch, und der Stoff entwickelte Eigendynamik, als er und der Komponist Kurt Weill die Bettleroper 1928 als Schnellschuss vors Publikum schmissen. Seither hat das Stück die Bühnen besetzt, nicht als Gesellschaftskritik, sondern als rotzfreche Unterhaltung mit Bilderbuch-Ganoven, Pappnasen-Polizisten und Klischee-Huren. Oberhalunke Macheath (Mackie Messer), Oberbettler Peachum und Obergendarm Tiger Brown wollen das Gleiche, nämlich für sich das Beste aus den Krönungsfeiern für die Königin herausholen. Dazu gesellt sich ein süffiger Zickenkrieg zwischen Macheaths Geliebten Polly und Lucy. Andere Regisseure versuchen, die «Dreigroschenoper» zu politisieren. Klar kann man Mackie Messer als Verwandten der Lehman Brothers darstellen. Muss man aber nicht. Vergnüglicher ist der Weg von Regisseurin Katharina Rupp. Ihr Werk kommt als amüsantes Schlampen-Spektakel daher, bei dem man die Kapitalismuskritik als lustiges Beiwerk wahrnimmt. Vertrackte Hits Es gibt bei den Stimmen zwischendurch ein paar schwache Töne zu bedauern. Im grossen Ganzen meistert das Ensemble jedoch die zwar eingängigen, aber vertrackten Hits von Kurt Weill. Margit Maria Bauer ist als Polly lieb und lieblich, rührt mit ihren besten Songs aber wirklich ans Herz. Mario Gremlich hat als Peachum das Bettlerwesen und seine Rolle im Griff und überzeugt als Sänger. Lea Whitcher ist als Lucy hübsch zickig. Katja Tippelt zelebriert gekonnt Nuttenromantik. Als Peachums Frau Celia hat Barbara Grimm ihre starken Auftritte, wenn sie nicht besoffen sein muss. Günter Baumann ist Macheath. Man muss zuerst die Überraschung überwinden, dass ein derart braver Bürger alle Halunken und Weiber um sich schart. Baumann schaffts. Das Theater Biel Solothurn brauchte die finanzielle Unterstützung, um das Orchester zu bezahlen. Die siebenköpfige Formation, geleitet von Andreas Joho, lohnt die Investition. Dieser Überzeugung war auch das Publikum, das die Premiere mit langem Beifall und stehenden Ovationen belohnte. Peter Steiger;Nächste Vorstellungen. Solothurn am 7.September (032 626 20 70). Biel am 16.September (032 328 89 70). >

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