Zum Hauptinhalt springen

Ägypten-Krise löst Ansturm auf die Kanaren aus

reisenDie Unruhen in Ägypten und Tunesien durchkreuzen die Ferienpläne vieler Schweizer. Das EDA rät seit einigen Tagen vor Reisen in diese Regionen ab. Kunden reagieren vorwiegend verständnisvoll, annullieren oder buchen um. Die Kanarischen Inseln in Spanien profitieren von der Situation.

Dem Winter in der Schweiz entfliehen, ein paar Tage Sonne am Meer tanken. Viele Schweizer machten dies in den vergangenen Jahren in Tunesien und Ägypten. Doch seit das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten nach den Oppositionsprotesten Reisewarnungen herausgab (siehe Kasten), sind an Stränden am Roten Meer wenige Schweizer anzutreffen. «Der Buchungseingang für Reisen nach Ägypten und Tunesien ist bis Ende März fast komplett eingebrochen», sagt Roland Schmid von TUI. Für die Zeit danach, zum Beispiel die Sommer- und Herbstferien, werde wieder gebucht. «Es ist nicht verboten, in die Länder zu reisen. Es gibt Kunden, die in Kenntnis der Situation ihre Reise als dringend erachten und trotzdem reisen», betont Schmied. Wer nicht gehen will, kann eine Reise bis und mit 31.März nach Tunesien oder Ägypten kostenlos umbuchen oder annullieren lassen. Sie muss jedoch bei einem Schweizer Reisebüro gebucht worden sein. «Das Geld bekommt man bei der Annullation zurück, allenfalls sind Bearbeitungsgebühren von rund 80 Franken zu bezahlen», sagt Walter Kunz vom Schweizerischen Reisebüroverband. Sobald das EDA die Warnung aufhebt, fällt diese Regelung weg. Bei TUI annulliert die Hälfte der Kunden die Reise, der Rest bucht um – entweder zu einem späteren Datum oder in ein anderes Land. Bei Hotelplan tönt es ähnlich: «Kunden haben Verständnis für die Situation», so Sprecherin Prisca Huguenin. Reiseveranstalter berichten, dass Kunden die Situation entspannt nähmen: Sie gingen anders mit ausserordentlichen Ereignissen um. «Seit 9/11, der Schweinegrippe und dem Vulkanausbruch auf Island sind die Kunden gelassener geworden. Es kommt nur noch vereinzelt vor, dass jemand nach der Annullation lieber zu Hause bleibt», so Schmied von TUI. Kanaren sind äusserst beliebt Von den annullierten Reisen nach Ägypten und Tunesien profitieren andere Reiseziele. Da die nördlichen Mittelmeer-Destinationen zum Baden noch zu kalt sind, weichen Sonnenhungrige vor allem auf die Kanarischen Inseln in Spanien aus. Dies bestätigen Hotelplan, Globetrotter, Kuoni und TUI. Letzterer hat auf die gesteigerte Nachfrage reagiert und die Kapazitäten auf den Kanaren erhöht. Kuoni bietet bis April wöchentlich zwei Zusatzflüge auf die Kanaren an. Die Hotels und Flüge nach diesen Destination sind bereits sehr gut ausgelastet. Dies bedeute, dass es momentan wenig Last-Minute-Angebote auf die Kanaren geben werde. «Beliebt sind auch Umbuchungen nach Marokko. Im Moment ist es dort ruhig. Es ist nicht auszuschliessen, dass es auch in diesem Land zu Unruhen kommt – was wir aber nicht hoffen» sagt André Lüthi, Chef von Globetrotter. Ab April beginnt zudem wieder die Saison für Kreta, die Türkei oder Zypern. Droht ein Imageschaden? Ägypten als Reisedestination ist für die Schweizer Reisebüros ein wichtiger Markt. Gerade als Badeort hat sich das Land in den vergangenen Jahren sehr gut etabliert. Im Nilland gehört der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Als 1997 in Luxor Touristen, darunter Schweizer, bei einem Terroranschlag ums Leben kamen, war der Schaden immens. Es dauerte lange, bis die Touristen wieder Vertrauen fassten und nach Ägypten reisten. Tourismusexperten gehen jedoch in der aktuellen Situation davon aus, dass Kunden rasch wieder Ferien in Tunesien und Ägypten buchen. In den Ferienregionen Djerba und am Roten Meer, also in Sharm al-Sheikh, Hurghada, Marsa Alam, kam es bisher weder zu Demonstrationen noch zu Verletzten. Die Diskussionen richten sich nicht gegen ausländische Touristen. «Sobald sich die Lage beruhigt und die politische Zukunft beider Länder klarer ist, reisen die Kunden wieder», sagt Huguenin von Hotelplan. Der Tourismus sei in beiden Ländern ein wichtiger Wirtschaftszweig, der Einheimischen eine Beschäftigung biete. Auch eine neue Regierung werde Interesse an einem stabilen Tourismus haben. Für die Reisebüros entsteht durch die Umbuchungen ein Verlust. Politische Unruhen fallen wie Naturkatastrophen unter höhere Gewalt, die nicht versicherbar sind. Walter Kunz vom Schweizerischen Reisebüroverband sagt, den wirtschaftlichen Schaden könne man erst Ende Jahr beziffern. Rahel Guggisberg >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch