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36 Jahre lang war er die Region

LangenthalNach 36 Jahren beim Planungsverband Region Oberaargau ist Markus Ischi seit heute im Ruhestand. Ganz sein lassen wird der 64-Jährige das Planen aber auch als Rentner nicht.

Gelassen schaut sich Markus Ischi in seinem Büro um. «Nein, viel mitnehmen muss ich nicht», sagt er. Lediglich die Ordner der Wässermattenstiftung hat er bereits in einer Kiste verstaut. Sein Amt als Sekretär der Stiftung wird er auch künftig noch ausüben. Bisher hatte die Wässermattenstiftung Ischis Arbeit jeweils über den Planungsverband Region Oberaargau vergütet. Wie dies in Zukunft geregelt wird, entscheidet die Stifterversammlung am 7.Juni. Denn nach 36 Jahren bei der Region tritt der 64-Jährige heute in den Ruhestand. Der erste Sekretär 28 Jahre alt war der Langenthaler, als er seine Stelle bei der Region angetreten hat. Schon im Studium, erzählt der diplomierte Forstingenieur, sei ihm klar geworden, dass ein Beruf in der Forstverwaltung für ihn nicht infrage komme. Als zu verstaubt empfand er den Forstverwaltungsbetrieb. «Ich schaue lieber nach vorne als zurück.» Also wurde Ischi Planer. Erst bei der Vorläuferorganisation des heutigen Bundesamtes für Raumentwicklung, ab 1975 dann als erster Sekretär und Geschäftsführer der 1967 gegründeten Region Oberaargau. «Keiner wusste damals, was der Sekretär genau zu tun hat», erinnert sich Ischi. Bis zu seinem Stellenantritt war das Sekretariat noch vom Langenthaler Bauverwalter geführt worden, nebenbei natürlich. Nun galt es jedoch, einen Regionalen Gesamtrichtplan zu erarbeiten. Das Sekretariat wurde zur Vollzeitstelle ausgebaut. Und Ischi machte sich an die Arbeit. Viel habe sich getan im Lauf der Zeit, sagt er. Und doch hätten ihn verschiedene Projekte die gesamten 36 Jahre hindurch begleitet. Etwa der Autobahnzubringer. «Eine meiner ersten Aufgaben war es, bei den Gemeinden in Erfahrung zu bringen, was sie vom Projekt, das damals noch bis Madiswil gereicht hatte, halten.» Damals habe man von einer Umfahrung im Langetental nichts wissen wollen. Heute sind es gerade diese Gemeinden, die beim aktuellen Projekt das Fehlen einer Lösung auch fürs Langetental bemängeln. «Planung ist letztlich ein Zudiener der Politik», sagt Ischi. «Und wie die Politik haben sich auch die Empfindungen zum Zubringer daher immer wieder geändert.» Erfolge und Niederlagen Dass er nun in den Ruhestand geht, ohne dass der Zubringer realisiert worden wäre, stört Ischi nicht. «Erzwingen lässt sich nichts. Das habe ich gelernt in meiner Zeit bei der Region.» Ein Planer könne nicht mehr als Vorschläge machen; die Entscheide aber fälle die Politik. Andere Projekte hat Ischi längst realisieren können. Den Regionalen Gesamtrichtplan etwa oder die Verkehrskonferenz. Mit immer wieder neuen Gemeindebehörden hat er im Lauf der Jahre zusammengearbeitet, «mit dem Kanton so manchen Strauss ausgefochten». Diese Zeit ist nun vorbei. Bereits im Juli des letzten Jahres hat Ischi die Geschäftsführung der Region seinem Nachfolger Stefan Costa übergeben, gestern nun hat er das Büro im Langenthaler Jurapark endgültig verlassen. Für Markus Ischi ein leichter Schritt. «Servir et disparaître», sagt er und lächelt. «Ich habe mich nie wichtig genommen. Darum fällt es mir nicht schwer, loszulassen.» Er habe seinen Job gern gehabt und viel Herzblut in diesen gesteckt. «Aber mir war auch immer bewusst, dass das ein anderer genauso gut kann – vielleicht auch besser.» Ischi lacht. «Manche wären mich gern schon früher losgeworden.» Tatsächlich hatten einzelne Politiker lautstark Ischis Kopf gefordert, als der Kanton 2009 das Agglomerationsprogramm Langenthal als «ungenügend und mangelhaft» beurteilte und die erhofften Millionen für Siedlungs- und Verkehrsprojekte deshalb ausblieben. «Das hat mich damals schon verletzt», sagt Ischi. «Da haben Leute aus heiterem Himmel geschossen, die sich keine fünf Minuten mit dem Thema auseinandergesetzt hatten.» Nie nur den Beruf gelebt Aber auch das sei Geschichte, sagt der Planer, der lieber in die Zukunft schaut. Diese will der Vater von drei erwachsenen Kindern nun erst einmal zu Hause geniessen. Mit seiner Frau Therese und den beiden Enkelkindern, die sie regelmässig hüten. «Freitag ist Grossvatertag.» Es habe in seinem Leben nie nur den Beruf gegeben, sagt Ischi, deshalb habe er auch keine Angst vor dem Ruhestand. Denn untätig wird er schliesslich auch in Zukunft nicht sein. Vielleicht werde er sich wieder vermehrt dem Bogenschützenklub widmen, den er mit Kollegen vor 30 Jahren gegründet hat. Und bereits am 1.Juli will Markus Ischi zu Hause sein privates Raumplanungsbüro für Gemeinden eröffnen. So viel ist sicher: Erfahrung hat er reichlich. Kathrin Holzer>

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