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Überirdischer Auftakt in Saanen

Der weltberühmte Pianist András Schiff eröffnete das diesjährige Menuhin Festival Gstaad. Er liess das Publikum in einem Zustand grossen Überschwanges und tiefer Berührtheit zurück. Irgendwo zwischen Himmel und Erde.

Es war ein Auftakt, wie ihn sich die Verantwortlichen des Menuhin Festival schöner nicht hätten wünschen können: Mit András Schiff fand sich auf dem Podium der Mauritiuskirche in Saanen ein grossartiger Interpret ein, der dem diesjährigen Motto «zwischen Himmel und Erde» alle Ehre machte. Fünf Werke Robert Schumanns, dessen Geburtstag sich heuer zum 200.Mal jährt, luden die Konzertbesucher dazu ein, diesen vielseitigen Komponisten neu zu entdecken. Akustische Bilder Mit den Waldszenen op. 82 wählte Schiff sogleich einen bebilderten Einstieg in Schumanns Welt: Den Jäger etwa stellte man sich lebhaft vor, hörte Schüsse verhallen und sah das Wild mit emsigen Sprüngen dem sicheren Schutz der Bäume entgegeneilen. Die einsamen Blumen gab es zu bestaunen, deren hell leuchtende Klangfarben sie ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückten. Und der Vogel als Prophet entführte einen wahrlich in himmlische Gefilde. Euphorischer Applaus So richtig der Gefühlswelt ausgesetzt wurden die Konzertbesucher anschliessend mit der Sonate in fis-Moll op. 11. Schiff setzte auf Dramaturgie, und sein Einsatz lohnte sich: Die Zuhörer wurden eins mit der Musik, bezeugten einen stürmischen Einstieg, der durch das hoch angeschlagene Tempo gekonnt hervorgehoben wurde, eiferten gegen Ende des ersten Satzes beinahe dem Wahnsinn entgegen, liessen anschliessend ein heftiges Sommergewitter über sich ergehen, in welchem das stetige An- und Abschwellen der Niederschläge zwischen jedem Donnerschlag besonders deutlich akzentuiert wurde. Auffällig die extrem kraftvolle und dynamische Interpretation des zweiten Satzes. Ein eher ausgeglichener dritter Satz leitete anschliessend über in das feierliche, Freude und Ungewissheit vereinende Finale. Ein nicht enden wollender Schwall von Applaus wurde dem Interpreten in der Folge zuteil, derart geschickt hatte er die Konzertbesucher ihrer eigenen Gefühlswelt und jener des Robert Schumann ausgesetzt. Fantastereien Auch die Fantasie in C-Dur op. 17 bestach durch eine teils kraftvolle, teils tief sentimentale Darbietung. Besonders der dritte Satz ist ein Meisterwerk: Das Schiff des Lebens gleitet gemächlich durch das offene Meer, dessen Wellengang es zur Wiege der Sehnsucht macht. Das Thema mit fünf Variationen in Es-Dur schliesslich, auch bekannt unter dem Titel «Geistervariationen» – ein spätes und in der vorgetragenen Form eher unbekanntes Werk des zu jener Zeit bereits erkrankten Schumann –, rundete den offiziellen Teil des Konzertes ab. Frenetischem Applaus und überschwänglichen Zurufen ausgesetzt, verwöhnte András Schiff das Publikum jedoch mit einer generösen Zugabe: Der vollständige Zyklus der Kinderszenen op. 15 geleitete die Zuhörerinnen und Zuhörer ans Ende eines annährend dreistündigen Spazierganges zwischen Himmel und Erde. Karina Eggermann >

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