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Pächter verlassen den Steinbock

Gsteigwiler Der geschichtsträchtige Gasthof Steinbock ist nicht, wie

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Der Gasthof Steinbock, auf Gemeindegebiet von Gsteigwiler direkt neben der Gsteigkirche an der Lütschine gelegen, sei verkauft. An Russen. «Das stimmt nicht, der Steinbock ist nicht verkauft», versichert der Besitzer, Metzgermeister und Ex-Spitzenschwinger Heinz Seiler aus Bönigen. Es sei aber kein Geheimnis, dass er den Steinbock veräussern wolle. Mit einem Schweizer seien die Verhandlungen sehr weit gediehen gewesen, aber schliesslich dann doch gescheitert. Da dessen Frau aus der Ukraine stamme, sei wohl das Gerücht über einen Verkauf an Russen entstanden. Schaads Abschied Kein Gerücht ist, dass die Pächter Gabi und Bruno Schaad den Steinbock auf Ende Jahr verlassen werden. «Wir haben mit Heinz Seiler ein sehr gutes Verhältnis und wussten seit etlichen Jahren, dass er den Gasthof verkaufen wollte», erzählen die beiden. Selber hätten sie sich vor zwei Jahren entschlossen, nicht mitzubieten. «Wir müssten ja in zehn Jahren auch wieder nach einem Käufer Ausschau halten», stellt Bruno Schaad (55) fest. Weil aber der Besitzer unbedingt verkaufen wolle, sei ihnen die Steinbock-Zukunft doch etwas zu unsicher. So übernehmen sie nun ab dem 1.Januar des kommenden Jahres die Mensen des Bildungszentrums Interlaken (BZI) und des benachbarten Gymers. «Wir haben einen «Betriebsführer-Vertrag auf eigene Rechnung» unterschrieben», verraten sie. Gabi und Bruno Schaad haben mit den Mensen einiges im Sinn. Am Vorstellungsgespräch hätten sie ein Basiskonzept vorgestellt, das nun Bestandteil des Vertrages sei, erzählen sie. Aber zu viel wollen sie noch nicht verraten. Nur: «Die Mensen werden einen anderen Namen bekommen, und wir wollen in ihnen auch hin und wieder Anlässe durchführen, die uns herausfordern werden.» Die Reaktionen der Steinbock-Gäste sind einhellig: «Schade gehen Schaads!» Einige Hotelgäste haben gleich noch einmal reserviert, um die Schaad-Gastfreundschaft ein letztes Mal geniessen zu können. Und so sehen Gabi und Bruno Schaad dem Abschied entgegen: «Es ist für uns fast so, als ob wir ein Fest auf dem Höhepunkt verlassen würden.» Wechselvolle Geschichte Im 1995 erschienenen Buch «Gsteigwiler» von Generalstabschef a.D. Heinz Häsler ist die wechselvolle Geschichte des Gasthofes Steinbock nachzulesen. Erstmals wurde das Gsteigwirtshaus, an der gedeckten Holzbrücke gelegen – im Mittelalter der einzige bedeutende Lütschinenübergang auf dem Weg ins Grindelwaldtal – 1386 schriftlich erwähnt, als ein Burkhard Sigrist dort wirtete. Es wurde dann vom Kloster Interlaken erworben und auf den Namen Steinbock getauft. Die Mönche fanden offenbar Freude am Wirten und eröffneten vor den Toren des Städtchens Unterseen weitere Wirtshäuser. Bern schob dem dann aber einen Riegel. Nur Gsteig durfte vom Kloster weiterhin als Gastbetrieb geführt werden. Allerdings nicht von einem Mönch, sondern von einem Dorfbewohner. Das Gsteigwirtshaus erhielt das bevorzugte Tavernenrecht, das den Wirten erlaubte, nicht nur sauren Thunerseewein, sondern auch sogenannten La-Côte-Wein aus dem Welschland auszuschenken. Nach der Reformation kam der Gasthof in private Hände und hatte Bern zu zinsen. Während der Jahrhunderte erlebte der Steinbock manchen Wirt. Einige von ihnen blieben unvergesslich. In zwei Etappen restauriert Anfang der 1980er-Jahre erwarb Heinz Seiler aus Bönigen das geschichtsträchtige Gasthaus und restaurierte es in zwei Etappen mit viel Liebe zum Detail. Seit elf Jahren brachten die Gastgeber Gabi und Bruno Schaad den Steinbock so richtig «in Schuss». Ende dieses Jahres wird auch dieses Kapitel der wechselvollen Steinbock-Geschichte geschrieben sein.Ueli Flück >

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