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«Mami, er hat sich bewegt!»

Tiere machen die beiden Zwillingsorte weit über

«Mami, schau, er hat sich bewegt!» Aufgeregt zieht das kleine Mädchen an der Hand seiner Mutter und zeigt auf den Steinbock, der auf dem Fels liegt. Sein Blick ist leicht trotzig, ab und zu schlägt er mit den Ohren, ansonsten: null Bewegung. Weiter hinten haben sich zwei Junge versteckt gehabt. Vorsichtig trappeln sie nun über die Steinplatten, kommen näher zum Zaun, blicken ins Publikum. «Jööööö, sind die herzig!» Bald wird klar, warum Peter Herzog empfohlen hat: «Den Wildpark, den müssen Sie unbedingt besuchen.» 450000 pro Jahr Peter Herzog ist Gemeindepräsident von Langnau am Albis, einer typischen Zürcher Vorortsgemeinde. «Die meisten Schweizer», sagt er, «kennen unser Dorf vom Vorbeifahren.» Auf der Sihltalstrasse wurden gegen 30000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Als vor ein paar Monaten der neue Autobahnabschnitt am linken Zürichseeufer eröffnet wurde, nahm der Verkehr auf einen Schlag um 60 bis 70 Prozent ab. «Die Lebensqualität ist dadurch enorm gestiegen.» Das Aushängeschild von Langnau ist oberhalb des Dorfes zu finden, direkt an der Strasse zum Albispass: der Wildpark Langenberg. Mit seinen 78 Hektaren ist er der flächenmässig grösste Tiergarten der Schweiz. Seit anderthalb Jahren bildet er zusammen mit dem Sihlwald zudem den Wildnispark Zürich, den ersten und bisher einzigen eidgenössisch anerkannten Naturerlebnispark. 450000 Leute haben ihn letztes Jahr besucht. Bedrohte Tiger In Langnau im Emmental bringen es die SCL Tigers auf über 5000 Zuschauer pro Meisterschaftsspiel – und auf eine grosse Präsenz in den Medien. Das Schweizer Fernsehen zum Beispiel sendete live, als der Grosse Gemeinderat über das 900000-Franken-Rettungspaket für den Klub debattierte. Gemeindepräsident Bernhard Antener ist überzeugt, dass es richtig war, das Geld zu sprechen. Denn erstens seien die Tigers ein Wirtschaftsfaktor, schon nur, weil jeder der jährlich 150000 Matchbesucher auch Geld für Essen und Trinken ausgebe. Zweitens machten die Tigers Werbung für das Emmental. Und drittens prägten sie das Leben vieler Menschen. Antener erinnert an den letzten Samstag: Ein wunderbar warmer Abend wars, wie gemacht, um draussen zu grillieren. Im Umkreis von wenigen Kilometern luden zudem gleich fünf Feste zum Besuch. Trotzdem kamen 1622 Leute in die kühle Ilfishalle, um das bedeutungslose Vorbereitungsspiel der SCL Tigers gegen Bern zu sehen. Das sind mehr als an den fünf Konzertabenden der Langnau Jazz Nights zusammen. Dem Wettbewerb sei Dank «Die Tigers – natürlich kenne ich sie», sagt Peter Herzog, der vor 25 Jahren nach Langnau am Albis zügelte und früher selbst Eishockey spielte. «Den Wildpark – klar habe ich den schon gesehen», sagt auf der andern Seite Bernhard Antener. An der OGA 2007 veranstaltete Langnau im Emmental nämlich einen Wettbewerb, bei dem als erster Preis ein Tag im gleichnamigen Dorf am Albis winkte. Auch Antener begleitete die junge Gewinnerin und ihre Kollegin beim Ausflug. «Der Besuch im Wildpark kam besonders gut an.» Denn nebst Steinböcken gibt es hier noch 17 weitere Tierarten zu bestaunen. Wildschweine etwa, die – so heisst es auf der Infotafel – bis zu 60 Stundenkilometer schnell rennen können. Wildkatzen, denen man besser nicht direkt in die Augen schaut, weil sie sich sonst bedroht fühlen. Aber auch Wölfe, die im Gehege gerade einen ziemlich lauten Hierarchiekampf austragen. Nur von den drei Bären fehlt jede Spur. Leise enttäuscht setzt man sich auf eine Bank, trinkt einen Schluck Wasser. «Pssssst!» Plötzlich knacken drüben im Bärengehege Äste. Die Leute zücken hurtig ihre Fotoapparate – und der Bär trottet seelenruhig zum See. Markus ZahnoUnter dem Titel «Zwillingsorte» haben wir Gemeinden oder Ortsteile vorgestellt, die gleich heissen wie ihre Pendants im Emmental. Mit diesem Beitrag endet die Serie, in der folgende Beiträge erschienen sind: «Zwischen Kirchen und Kühen» (13.7.), «Hügel und Hügelchen als Berge» (17.7.), «Mutten – mal steil und mal eben» (20.7.), «Die Spuren des Sankt Nikolaus» (24.7.), «Zum Entspannen unter Tannen» (27.7.), «In Wiler hängt alles an der Bahn» (31.7.), «Ein Stadtteil mit Überraschungen» (3.8.), «Das Schiff, der See, die Promenade» (7.8.), «Hier die Rocker, dort die Mönche» (10.8.).>

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