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Junger Mann wollte seinem Bruder helfen und wurde so zum Dealer

gerichtJung und bereits auf der schiefen Bahn: Ein 19-jähriger Albaner dealte in Hindelbank mit Drogen. Rund 500 Gramm

Der junge Albaner stand bereits zum zweiten Mal vor Gericht. 2009, damals wurde er gerade 18 Jahre alt, sass er eine Strafe wegen Drogenhandels ab. Gelernt hat er anscheinend nichts. Trotz Einreiseverbots gelangte er wieder in die Schweiz. Wieder handelte er mit Drogen. Wieder wurde er erwischt. Der Mann hielt sich illegal im Land auf, Ausweispapiere hatte er keine bei sich. Gestern nun wurde er auf dem Schloss Burgdorf in Fussfesseln dem Kreisgericht unter Vorsitz von Jürg Bähler vorgeführt. Derzeit ist er im vorzeitigen Strafvollzug. Weil er nur Albanisch und etwas Italienisch spricht, brauchte er einen Übersetzer. Ihm wird vorgeworfen, vom 22.Februar bis Mitte März 2010 in Hindelbank und anderswo mit Drogen gedealt zu haben. Die Vorwürfe waren happig: Insgesamt ging es um die Menge von rund 500 Gramm eines Heroingemischs. Den Stoff vertickte er vor allem am Bahnhof in Hindelbank. Das Geld musste er einer Organisation abliefern. Dabei betrieb er den Handel mit viel Aufwand, ja bisweilen aggressiv. Mit einigen Abnehmern setzte er sich immer wieder telefonisch in Verbindung, wie aus den Kontaktnachweisen der beiden konfiszierten Handys sowie Befragungen hervorging. Geständig hingegen war der Mann nur teilweise. Es seien drei bis vier Personen gewesen, gesamthaft 45 Gramm habe er verkauft. Laut Überweisungsantrag kommt aber einiges mehr hinzu. So entdeckte die Polizei in seinem Zimmer ein ziemlich grosses Depot: Sechs Pakete mit insgesamt rund 300 Gramm Heroingemisch befanden sich in einer Lautsprecherbox. «Das gehört nicht mir», beteuerte er vor Gericht. Die Fingerabdrücke, welche auf der Innenseite der Folie eines Pakets gefunden wurden, sprechen aber eine andere Sprache. Er erklärte sie damit, dass er das Zimmer und wohl auch die Boxen gereinigt habe. Genau könne er sich nicht erinnern, da er unter Drogeneinfluss gestanden habe. Er war damals selber heroinabhängig. Seit einem Jahr sei er aber clean. Bedroht und geschlagen Der 19-Jährige ist Schüler. In Albanien besuchte er nach der obligatorischen Schulzeit das Gymnasium, das er aber nicht beendete. «Ich bin wegen meines Bruders hierhergekommen, aber nicht freiwillig», sagte er. Der Bruder leide an Epilepsie und hätte operiert werden müssen. Doch der Familie in Albanien fehlte das Geld. Aus diesem Grund sei er in den Sommerferien nach Griechenland gegangen, um zu arbeiten. Dort habe er auch jemanden kennen gelernt. «Er hat mich belogen und gesagt, nur in der Schweiz kann ich genug Geld für meinen Bruder beschaffen.» Der junge Albaner stieg in den Drogenhandel ein, wurde erwischt, landete im Gefängnis und musste schliesslich nach Albanien zurückkehren. Gemäss seinen Aussagen kamen die Hintermänner erneut zu ihm, denn er hatte Schulden bei ihnen gemacht. «Sie haben mich zusammengeschlagen, meine Familie bedroht und auch die zusammenschlagen.» Daraufhin wurde er von ihnen wieder in die Schweiz geschleust. Düstere Prognose Sein Verteidiger hielt im Plädoyer fest, dass der Beschuldigte nur «ein kleiner Fisch» und ein «typischer Laufbursche» sei und zudem alles andere als erfolgreich in diesem Business. Fraglich sei, ob ihm tatsächlich so viel Heroin anvertraut wurde, das immerhin einen Gegenwert von 15000 bis 20000 Franken habe. Doch das Gericht gewichtete anders. Es sei wenig glaubwürdig, dass er von den Drogen in der Box nichts gewusst habe. Er habe möglichst schnell möglichst viel Geld machen wollen, um seine Schulden zu begleichen. Richter Bähler sah zwar die Bedrohungslage ein, stellte dem jungen Mann aber eine düstere Prognose: Er besitze weder einen Schulabschluss noch einen Job, sei lange von zu Hause weg gewesen und habe sich innert kürzester Zeit wieder strafbar gemacht. Unter Einbezug der Vorstrafe wurde er zu einer Gesamtstrafe von 35 Monaten verurteilt. Hinzu kommen Verfahrenskosten von gut 18000 Franken.Nadja Noldin>

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