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Fassbarer, berührender Brahms

Wer sich vergangenen Samstagabend in der Kirche Saanen einfand, lernte Brahms als einfühlsamen Tröster der Hinterbliebenen kennen. Mit viel Gefühl schlossen die verzauberten Zuhörer das Deutsche Requiem in ihr Herz.

Nach dem Eröffnungskonzert vom Freitag schloss das Konzert vom Samstag in der Mauritiuskirche in Saanen an die Brillanz des Auftaktes an. Unter der Leitung von Winfried Toll setzten das Kammerorchester Basel sowie die Camerata Vocale Freiburg mit Mozarts Kyrie in d-Moll KV 341 zu einer kurzen sakralen Einleitung an, ehe sie sich der musikalischen Herausforderung stellten, welche Brahms’ berühmtes Werk Ein deutsches Requiem op. 45 beinhaltet. Und dies mit Erfolg: Sie vermochten die Konzertbesucher von Beginn weg in den Bann eines Werkes zu ziehen, das letztlich sehr viel weltlicher, ja menschlicher ist, als dies die lateinische Totenmesse, das «echte» Requiem, je zu sein vermöchte. Fassbare Worte Das unterschwellige Pulsieren der Streicher erweckte anfangs die Assoziation einer Trauerprozession, passend zu den Worten «selig sind, die da Leid tragen». Wunderschön die Musik, welche jedes einzelne Schlüsselwort des Textes aufnahm, den Sinn jedes Wortes in die dazu passende Melodie umwandelte. Das Leid wurde für die Zuhörer genauso fassbar wie die Freude, die Seligkeit näherte sich musikalisch dem Himmel zu, das Fleisch des Menschen, Petrus nach dem verdorrten Gras gleichzusetzen, wurde durch Töne umschrieben, die der mysteriösen Unterwelt zugeschrieben werden könnten. Biblische Worte, deren Sinn den Menschen nur allzu oft entgeht, fanden durch ihre meisterhafte Vertonung plötzlich zum Publikum, und das Publikum fand zu ihrer Bedeutung. Ausdrucksstärke Wiewohl für diese wundersame Erleuchtung eigentlich primär Brahms verantwortlich ist, so konnte er diesen Erfolg letztlich am Samstagabend nur dadurch verbuchen, dass ihm ein hervorragendes Orchester, ein ausgezeichneter Chor, ein versierter musikalischer Leiter und zwei ausdrucksstarke Solisten huldigten. Der Bassbariton Dietrich Henschel zog die Aufmerksamkeit der Zuhörer unweigerlich auf sich: Betrat er das Podium, so bestach er nebst seiner gesanglichen Leistung besonders auch durch eine ausdrucksstarke Mimik und Gestik. Ebenso vermochte die Sopranistin Rachel Harnisch das Publikum zu verzaubern, als sie in den höchsten Tönen dazu anhob, die Anwesenden zu trösten. Zurück blieb in der Kirche Saanen eine lang anhaltende Stille, ehe der herausragenden Leistung sämtlicher beteiligten Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger mit Standing Ovations Rechnung getragen wurde. Karina Eggermann >

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