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Dammprojekt macht Kurt Schaffer zu schaffen

OberburgEs gehe ihm nicht um einen Geldbetrag, sagt Kurt Schaffer. Sondern um einen gleichwertigen Ersatz für sein Wohn- und Arbeitshaus, das er zugunsten eines Staudamms wird räumen müssen. Nur: Konkrete Lösungen zeichnen sich erst sehr zaghaft ab.

Nein, überrascht gewesen sei er nicht, sagt Kurt Schaffer. «Es hat sich ja schon seit längerem abgezeichnet.» Deshalb habe er es mit Fassung getragen, als sich die Versammlung für jene Variante entschieden habe, bei der er seine Liegenschaft mittelfristig werde räumen müssen. Zur Erinnerung: Um den unberechenbaren Lauterbach zu zähmen und das Dorf vor weiteren Überschwemmungen zu bewahren, hat die Oberburger Schwellenkorporation jüngst einem kühnen Projekt den Weg geebnet. Nun können die Planungsarbeiten beginnen. Ausgangs Lauterbachtal soll ein gut zehn Meter hoher Damm entstehen, der bei Unwettern die Fluten zurückhält. Dabei wird sich temporär ein See bilden, in dem Kurt Schaffers Haus bis knapp unter das Dach versinkt – jedenfalls bei maximalem Wasserstand. Ein Mieter ist ausgeflogen Natürlich wird Schaffer in diesem Haus nicht mehr wohnen und arbeiten können. Im Erdgeschoss betreibt der 60-Jährige eine mechanische Reparaturwerkstatt, im Obergeschoss wohnt er. Das rund 100-jährige Haus umfasst zwei weitere Wohnungen; eine davon – zeitgemäss renoviert, wie ein Augenschein zeigt – ist bewohnt, die andere, einst von einem langjährigen Mieter bewohnt, steht heute leer. «Seit die Dammpläne im Raum stehen, kann ich sie nicht mehr vermieten», sagt der Besitzer. Er kaufte das Haus im Jahr 1982. Er habe damals als Betriebsmechaniker in Wengen gearbeitet, berichtet er. Allerdings habe er als gebürtiger Oberburger in seiner Herkunftsgemeinde eine Existenz aufbauen wollen und sei hellhörig geworden, als an einer Klassenzusammenkunft die Rede von einem zum Verkauf stehenden Haus die Rede gewesen sei. «Es war genau das Haus, das ich suchte: mit genügend Platz, einer Werkstatt, Wohnungen und Umschwung, zudem an einem Bach und bei Sandsteinfelsen gelegen, was mir sehr gut gefällt.» Am wilden Bach Kurt Schaffer kaufte das Haus und etwas Wald dazu, machte sich als Mechaniker selbstständig und vermietete zwei der Wohnungen. Mit dem launischen Bach, der dicht an seinem Haus vorbeifliesst, machte auch er seine Erfahrungen: Das Gewässer, das in der Regel harmlos dahinplätschert und viel zum idyllischen Charakter des abgeschiedenen Lauterbachtälchens beiträgt, trat in den Jahren 1986 und 1987 als reissender Bach über die Ufer und richtete im Jahr 2000 noch ärgere Verwüstungen an. Kurt Schaffer traf im Lauf der Jahre verschiedene Massnahmen. So wurde sein Haus besser abgedichtet und die Bachmauer zweimal erhöht; zudem schuf der Mechaniker eine rasch aufstellbare Bretterkonstruktion, die bei Unwettern mithilft, die Wassermassen von seinem Anwesen fernzuhalten. Aber eben: Gegen einen veritablen Stausee nützen auch diese Massnahmen nichts. Dass das Dammprojekt dort, wo es geplant sei, am meisten Sinn mache, sehe er als Vizepräsident der Schwellenkorporation ja ein, hält Kurt Schaffer fest. Damit sei sein privates Problem jedoch noch nicht gelöst. «Eigentlich habe ich mir vorgestellt, auch nach dem Eintritt ins Rentenalter noch etwas weiterzuarbeiten und dazu von den Mieteinnahmen aus den Wohnungen zu leben.» Sich jetzt noch einmal neu einzurichten, liege nicht unbedingt in seinem Sinn. Falls sich aber ein gleichwertiger Ersatz für seine Liegenschaft finde, sträube er sich nicht dagegen. Immerhin handle es sich beim Damm um ein Projekt zugunsten der Allgemeinheit, und auf Nachkommen brauche er keine Rücksicht zu nehmen, denn er habe keine. Zuerst müsse er sich aber klar darüber werden, was er überhaupt wolle, fährt Schaffer weiter. Um den Geldwert der Liegenschaft gehe es ihm nicht. Er habe vor, sein Leben in einem ähnlichen Stil wie bisher weiterzuführen, und dazu brauche er nun einmal entsprechende Räumlichkeiten. Eine mögliche Lösung sieht er darin, das elterliche Heim zu übernehmen, das nicht weit von seiner eigenen Liegenschaft an der Zimmerbergstrasse liegt. Hier könnte er eine Werkstatt anbauen – falls sich die Umzonung vornehmen liesse. Eine Option wäre auch, auf dem Areal der vormaligen Schreinerei Tanner etwas zu realisieren, wobei er sich zuerst mit dem heutigen Besitzer und der Gemeinde zu einigen hätte. «Sobald ich irgendwo etwas ausbauen oder neu bauen müsste, entstünden schnell hohe Kosten», sagt Schaffer. Damit, dass er diese Auslagen von der öffentlichen Hand voll vergütet bekomme, sei nicht unbedingt zu rechnen. Deshalb müsse er sein Vorgehen nun sehr gut überlegen und in der nächsten Zeit konkrete Vorstellungen entwickeln. Was er in diesem Zusammenhang gar nicht gerne höre, sei das Wort «Enteignung»; damit sei ihm zwar noch nie direkt gedroht worden, aber gesprächsweise sei der Begriff auch schon gefallen. Das Versprechen Zumindest bei der Schwellenkorporation kann er schon jetzt auf Unterstützung zählen: «Wir lassen Kurt nicht untergehen und helfen ihm, eine Lösung zu finden», versprach Präsident Ulrich Ritter, als sich die Versammlung für das Hochwasserdamm-Projekt ausgesprochen hatte. Hans Herrmann>

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