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Von Kopf bis Fuss: Ab ins BettRegelmässiger Schlaf schützt das Herz

Weltweit leiden immer mehr Menschen an einer Herzschwäche. Doch das Risiko einer Herzinsuffizienz lässt sich durch ein gesundes Schlafmuster verringern, wie eine neue Studie zeigt.

Alarmierender Anstieg: Weltweit sollen über 26 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen sein.
Alarmierender Anstieg: Weltweit sollen über 26 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen sein.
Foto: Getty Images

Wenn ich als Kind hörte, jemand habe ein schwaches Herz, hatte ich stets das Bild meiner Grosstante Trudi vor Augen. Wenn sie zu Besuch kam und die 20 Treppenstufen bis zu unserer Wohnung hochsteigen musste, glich ihr keuchender Atem jenem einer altersschwachen Lokomotive. Und ihre Beine waren so dick wie Baumstämme, was ich sehr spannend fand. Meine Mutter tadelte mich jeweils, ich solle nicht so auffällig auf Trudis Beine schauen: «Die Arme hat wegen ihrer Krankheit Wasser in den Beinen.»

Als Teenager bekam der Begriff schwaches Herz eine neue Bedeutung: nämlich dann, wenn ich frisch verliebt war und nicht nur meine Beine zitterten, sondern auch mein Herzschlag zu vibrieren schien. Viele Jahre später und um einiges realistischer weiss ich heute, was ein schwaches Herz bedeutet: Bei einer Herzinsuffizienz
vermag das Herz nicht mehr genügend Blut durch den Kreislauf zu pumpen, wodurch die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Bei einer leichten Herzinsuffizienz macht sich dies erst bei grosser körperlicher Belastung bemerkbar, bei einer schweren Herzinsuffizienz schon bei geringer Anstrengung. In der Schweiz gibt es laut der
Schweizerischen Herzstiftung zwischen 150’000 und 200’000 Menschen mit einer Herzinsuffizienz.

Daten von über 400’000 Personen ausgewertet

Neben einer ausgewogenen Ernährung, der Vermeidung von Übergewicht, genügend Bewegung und Stressbewältigung zeigt eine aktuell veröffentlichte Studie, dass das Risiko, an einer Herzinsuffizienz zu erkranken, um mehr als 40 Prozent sinkt, wenn man regelmässig gut schläft. Mehr als 26 Millionen Menschen seien weltweit von Herzinsuffizienz betroffen und die Zahl steige in alarmierendem Ausmass an, heisst es in der Zusammenfassung der Studie in der von der American Heart Association herausgegebenen Fachzeitschrift «Circulation». Die neuen Erkenntnisse bestätigen also den Zusammenhang von Schlafverhalten und Herzschwäche.

Um diesen Zusammenhang genauer zu analysieren, werteten die Forscher in den USA die Daten von über 400’000 Personen im Alter von 37 bis 73 Jahren aus der britischen Biobank aus. Während einer Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren gab es bei dieser Gruppe 5221 Fälle von Herzinsuffizienz.

Die Forscher in New Orleans analysierten sowohl die Schlafqualität als auch die allgemeinen Schlafmuster. «Die Messungen der Schlafqualität umfassten die Schlafdauer, Schlaflosigkeit und Schnarchen sowie andere schlafbezogene Merkmale, zum Beispiel, ob der Proband ein Frühaufsteher oder eine Nachteule ist und ob er
sich tagsüber müde fühlte», erläutert die Tulane University
in einem Bericht auf ihrer Website die Methodik.

«Unsere Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer Verbesserung des allgemeinen Schlafverhaltens, um einer Herzinsuffizienz vorzubeugen.»

Lu Qi, Studienleiter und Epidemiologie-Professor

Als gesundes Schlafverhalten wurden sieben bis acht Stunden Schlaf pro Tag und keine Schlaflosigkeit, kein Schnarchen und keine Tagesmüdigkeit festgelegt. Das Schlafverhalten wurde mittels Touchscreen-Fragebögen erhoben. Für die Schlafdauer wurden drei Gruppen definiert: kurz oder weniger als sieben Stunden pro Tag,
sieben bis acht Stunden pro Tag oder neun Stunden und mehr pro Tag.

Bei den Probanden mit dem gesündesten Schlafmuster zeigte sich im Vergleich zu Personen mit einem ungesunden Schlafmuster eine Verringerung des Risikos einer Herzinsuffizienz um 42 Prozent. Es zeigte sich zudem auch unabhängig bei einzelnen Faktoren eine Risikoreduktion: um 34 Prozent bei denen, die keine Tagesschläfrigkeit angaben, um 17 Prozent bei denen, die nicht oft unter Schlaflosigkeit litten, um 12 Prozent bei denen, die täglich sieben bis acht Stunden schliefen, und um 8 Prozent bei Frühaufstehern.

Kurz zusammengefasst: Frühaufsteher, die regelmässig durchschlafen können und nicht unter Tagesmüdigkeit leiden, haben gute Chancen, von Herzinsuffizienz verschont zu bleiben. Studienleiter Lu Qi, Epidemiologie-Professor und Direktor des Adipositas-Forschungszentrums, sagt im Bericht der Tulane University: «Unsere Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer Verbesserung des allgemeinen Schlafverhaltens, um einer Herzinsuffizienz vorzubeugen.»

In meinem Fall gibt es noch viel zu tun: Ich bin keine Lerche, sondern eine Eule, wenn es ums Schlafen geht. Ich halte, wenn ich tagsüber müde bin, gerne ein Schläfchen, das länger dauert als die empfohlenen 20 Minuten, und ich schlafe unregelmässig. Mal kurz und dann wieder sehr lang. Sollten sich bei mir allerdings einmal ähnliche Symptome wie bei Grosstante Trudi zeigen, weiss ich jetzt, was zu tun ist.

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5 Kommentare
    Jürg M

    Ich sehe in Artikel keine Analyse von Kausalität und Korrelation. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass es dem allgemeinen Gesundheitszustand zuträglich ist, wenn eine Eule zwanghaft versucht, sich zur Lerche umzupolen (insoweit das nicht von unserer Gesellschaft sowieso aufgezwungen wird); Biorhythmus ist eine Veranlagung, keine Wahl.