Zum Hauptinhalt springen

Munitionslager Berner OberlandRäumungsantrag für Mitholz soll bis Ende Jahr gestellt werden

Das VBS will dem Bundesrat einen Antrag zur Räumung des verschütteten Munitionslagers stellen. Die Bergung der verschütteten Munition ist äusserst heikel.

In Felskavernen bei Mitholz lagern noch einige Tausend Tonnen alte Armeemunition, die für die Bevölkerung gefährlich werden könnte. 1947 flog ein Teil davon in die Luft.
In Felskavernen bei Mitholz lagern noch einige Tausend Tonnen alte Armeemunition, die für die Bevölkerung gefährlich werden könnte. 1947 flog ein Teil davon in die Luft.
Foto: Raphael Moser

Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) will bis Ende Jahr den Antrag zur Räumung des Munitionslagers Mitholz stellen. Für die Umsetzung des Grossprojekts ab 2021 übernimmt Adrian Goetschi die Projektleitung, wie das VBS am Dienstag mitteilte. Stellvertretender Projektleiter wird Hanspeter Aellig, der bisher für die Evaluation der Räumungsvarianten zuständig war.

Die bisherige Leiterin der Arbeitsgruppe Mitholz, Brigitte Rindlisbacher, wird ihr Mandat voraussichtlich anfangs 2021 beenden.

Heikle Angelegenheit

Im vergangenen Februar wurde klar, dass die Räumung der seit Jahrzehnten in einer Felsenkaverne verschütteten Armeemunition Mitholz für ein Jahrzehnt zu einem Geisterdorf machen dürfte.

Die Bergung der bei einer Explosion verschütteten der Munition ist äusserst heikel. Noch ist unklar, ob dies überhaupt gelingen kann. Notfalls würden die Tonnen alter Munition im Felsinnern mit Gestein überdeckt.

Doch das Ziel des VBS ist es, den kommenden Generationen kein «giftiges Geschenk» zu hinterlassen, wie Hanspeter Aellig im Februar betonte.

Lange Zeit gingen Experten davon aus, dass allfällige weitere Explosionen nur beschränkten Schaden anrichten würden. Erst 2018 kam das VBS in einer neuen Risikoanalyse zum Schluss, dass vom Lager eine grössere Gefahr ausgeht als bis dahin angenommen.

Schwere Entscheidungen

Zunächst forderte die Bevölkerung von Mitholz unmissverständlich die vollständige Räumung der alten Munition aus dem Berg. Seit das Ausmass der Räumungsarbeiten und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung klarer sind, hat sich das etwas geändert.

In einer öffentlichen Mitwirkung beurteilte rund die Hälfte die Variante einer Überdeckung der im Fels eingelagerten Munition mit Gestein positiv. Eine solche Lösung käme aber gemäss Konzept nur zum Tragen, wenn eine vollständige Räumung nicht möglich ist.

Fast alle Dorfbewohner gaben an, sie würden bei einer zehnjährigen Evakuierung des Dorfes wegziehen. Insbesondere die lange Dauer des Räumungsprojekts stiess in der Bevölkerung auf Kritik.

Explosives Erbe

In Felskavernen bei Mitholz lagern noch einige Tausend Tonnen alte Armeemunition, darunter alte Fliegerbomben. 1947 flog ein Teil des Munitionslagers in die Luft, der Rest wurde verschüttet. Bei der verheerenden Explosion kamen neun Menschen ums Leben und Mitholz wurde verwüstet.

SDA