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Von Kopf bis Fuss: MittagsschlafPowernap statt Herzinfarkt

Die Japaner und Spanier tun es schon lange – nun also auch US-Soldaten. Hier sind einige gute Gründe, warum auch Sie sich mittags öfter mal aufs Ohr legen sollten.

Herrlich gesund: Das Mittagsschläfchen ist viel besser als sein Ruf.
Herrlich gesund: Das Mittagsschläfchen ist viel besser als sein Ruf.
Foto: Getty Images

Als bekennende Anhängerin in Sachen Mittagsschlaf habe ich einmal mehr einen Trumpf in der Hand, wenn es darum geht, den Powernap zu verteidigen. Denn nicht selten wird das kurze, aber effiziente Mittagsschläfchen belächelt. Dies, obwohl schon vielfach nachgewiesen wurde, wie wirksam der kurze Schlaf während des Tages ist. Dennoch vermochte er sich hierzulande nicht so richtig breit zu etablieren.

Jetzt empfiehlt aber sogar die US-Army ihren Soldaten das Auftanken mit einem Schläfchen zwischendurch. Wie die «New York Times» kürzlich berichtete, hat die Army ihr Fitnesshandbuch überarbeitet. Das 240 Seiten starke Büchlein heisst jetzt «Holistic Health and Fitness» («Ganzheitliche Gesundheit und Fitness») und wartet in verschiedenen Bereichen mit Ratschlägen auf, die auf neueren Erkenntnissen basieren.

Mehr Energie, weniger Stress

Dass dem Schlaf darin ein eigenes 14-seitiges Kapitel gewidmet ist, zeigt, wie wichtig er ist. Vor allem für Menschen, die Einsätze zu ganz unterschiedlichen Zeiten leisten, die teils lange am Stück im Einsatz sind und oft in andere Zeitzonen reisen müssen. «Soldaten sollten so viel schlafen, wie sie können, wann immer sie können, wenn es die Situation erlaubt», heisst es im US-Army-Handbuch. Sie sollen «kurze, unregelmässige Nickerchen verwenden, um die Wachsamkeit wiederherzustellen und die Leistungsfähigkeit zu fördern». Vor allem wenn die verfügbare Schlafzeit schwer vorherzusagen sei, sollten Soldaten «so oft wie möglich ein möglichst langes Nickerchen machen».

«Möglichst lange» sollte bei uns Zivilisten ein Schläfchen zwischendurch jedoch nicht dauern. 15 bis 20 Minuten sind genug. Nach 30 Minuten fällt man in tieferen Schlaf. Die Wirkungen, die der kurze Schlaf um die Mittagszeit – zwischen 13 und 14 Uhr gelten als ideal, denn dann überfällt einen in der Regel ein erster Müdigkeitsanfall – haben kann, sind enorm: Er bringt Energie, verbessert die Konzentrationsfähigkeit, baut Stress ab und steigert die Leistungsfähigkeit.

Ein Nickerchen am Mittag bis zweimal pro Woche kann das Herzinfarktrisiko um 48 Prozent senken.

Zudem haben Studien gezeigt, dass der Turboschlaf auch positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System hat. Eine Schweizer Studie, die 2019 im Fachmagazin «Heart» publiziert wurde, kommt zum Schluss, dass ein Nickerchen am Mittag bis zweimal pro Woche das Herzinfarktrisiko um 48 Prozent senken kann. Bei einem täglichen Nickerchen dagegen wurde dieser Effekt nicht festgestellt.

Wieso das so ist, konnten die Forscher von der Universitätsklinik Lausanne, die dafür 3462 gesunde Menschen im Alter von 35 bis 75 Jahren während fünf Jahren beobachtet haben, nicht klären. Aber da es ja für die meisten von uns nicht möglich ist, jeden Tag ein Nickerchen zu machen, finde ich zwei Mal pro Woche ideal. Ich «beziehe» meine Schlaf-Rationen jeweils an meinen freien Arbeitstagen, denn man sollte ja auch genügend Energie für die Freizeit haben.

Albert Einsteins Aufwachtrick

Es gibt Regionen, in denen das Nickerchen während des Tages zum Alltag gehört. So etwa in wärmeren Gegenden, wo die nachmittägliche Siesta Teil des normalen Tagesablaufs ist. Und vor allem in Japan, wo der Kurzschlaf auch in der Öffentlichkeit üblich ist. Inemuri wird das genannt, was so viel wie «anwesend sein und schlafen» bedeutet. Die Kunst des Inemuri zeigt, dass man für das Mittagsschläfchen keineswegs ein Bett braucht. Im Gegenteil, denn da schläft man gerne richtig ein, während ein Powernap nur ein «flacher» Schlaf ist – sodass man beispielsweise unterwegs im Tram oder Zug trotzdem die richtige Haltestelle nicht verpasst.

Auch hierzulande gibt es Firmen, die Ruheräume für das Nickerchen zwischendurch anbieten, doch die sind eher selten. Zur Not kann man auch einfach auf dem Schreibtisch den Kopf auf die Arme legen. Allerdings riskiert man damit, als faul angesehen zu werden.

Die Erkenntnis, dass ein Powernap guttut, ist übrigens nicht neu. Schon Napoleon war bekannt dafür. Und Albert Einstein. Damit das Nickerchen nicht zu lange dauerte, nahm der Wissenschaftler dabei seinen Schlüsselbund in die Hand. Wenn dieser aus der Hand auf den Boden fiel, wachte er auf. Ähnlich machte es der Künstler Salvador Dalì: Er setzte sich fürs Mittagsschläfchen in einen Sessel und nahm einen Löffel in die Hand. Begann der Schlaf tiefer zu werden, fiel der Löffel zu Boden und das Geräusch weckte Dalì wieder auf. Bis jetzt «nicke» ich immer im Liegen. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, auch im Sitzen zu dösen. Und ob der Effekt ebenso nachhaltig sein wird wie die liegende Position.

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7 Kommentare
    Trulla Schmitz

    Würde ich ja zu gern machen, ist aber leider nicht mit meiner Arbeit vereinbar. Und so geht es vermutlich den meisten hier. Da müsste sich an unserer Arbeitskultur erstmal etwas ändern.