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«Institutioneller Rassismus»Kapo nach «Stop Isolation»-Demo in der Kritik

Reizgas, Gummischrot, Wasserwerfer: Die Polizei habe bei den zwei Kundgebungen in Bern am Dienstag mit verschiedenen Ellen gemessen.

Die Polizei setzte bei einer unbewilligten Solidaritätskundgebung für abgewiesene Asylsuchende Wasserwerfer auch aus kurzer Distanz ein.
Die Polizei setzte bei einer unbewilligten Solidaritätskundgebung für abgewiesene Asylsuchende Wasserwerfer auch aus kurzer Distanz ein.
Foto: Manuel Lopez (Keystone)
Mit dem Einsatz wollte die Polizei eine Gruppe Demonstranten im Bereich Schützenmatte festhalten.
Mit dem Einsatz wollte die Polizei eine Gruppe Demonstranten im Bereich Schützenmatte festhalten.
Foto: Adrian Moser
Bereits am Waisenhausplatz hatte die Polizei die Demonstrierenden am Weiterziehen in Richtung Bundesplatz gehindert.
Bereits am Waisenhausplatz hatte die Polizei die Demonstrierenden am Weiterziehen in Richtung Bundesplatz gehindert.
Foto: Jürg Spori
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Der Einsatz von Reizstoff, Gummigeschossen und Wasserwerfern bei einer Asyl-Demo in Bern trägt der Polizei Kritik ein. Linke Parteien und verschiedene Organisationen warfen der Polizei am Mittwoch vor, sie sei unverhältnismässig vorgegangen.

Die Teilnehmer der unbewilligten Kundgebung hatten sich am Dienstag Nachmittag auf der Schützenmatte besammelt. Die Polizei wollte nach eigenen Angaben mit den Demonstrierenden in Kontakt treten, unter anderem weil sie die Demo vom Klimacamp auf dem Bundesplatz fernhalten wollte.

Der Umzug bewegte sich danach via Breitenrain zur Kornhausbrücke, wo er erstmals gestoppt wurde. Die Polizei setzte Reizstoff ein, später am Bollwerk auch Gummischrot und Wasserwerfer. Am Abend liess die Polizei die Demonstrierenden schliesslich gewähren, worauf sich diese zum Bundesplatz bewegten.

Der Verein AntiRep Bern wirft der Polizei institutionellen Rassismus vor. Der Einsatz gegen das Klimacamp sei zwar auch fehl am Platz gewesen, doch hätten die Behörden bei diesem Camp mit vorwiegend weissen Jugendlichen wenigstens längere Zeit Dialogbereitschaft zu erwecken versucht.

«Volle Härte der Polizei zu spüren bekommen»

Viele Teilnehmer der «Stop Isolation»-Demo seien dagegen Geflüchtete und somit People of Colour gewesen. Sie hätten die volle Härte der Polizei zu spüren bekommen.

Auch die Demokratischen Juristinnen und Juristen Bern sprechen von Ungleichheit: Während die Stadtbehörden mit den Klimaaktivisten lange verhandelte, ging die Polizei «äusserst gewaltsam» gegen die friedliche zweite Demo vor. Die Verwendung von Wasserwerfern auf eine Distanz von rund drei Metern und der Gebrauch von Pfefferspray und Gummischrot seien lediglich Beispiele für die unverhältnismässige Gewaltanwendung durch die Polizei.

Video soll Polizeigewalt zeigen

Ein weiterer Zwischenfall soll sich am Waisenhausplatz zugetragen haben, noch ehe die Polizei den Demonstrationszug zurück zur Schützenmatte gedrängt hatte: Ein Video, das seit Dienstagabend in den sozialen Medien kursiert, zeigt, wie ein Polizist einen älteren Passanten umstösst. Als sich daraufhin weitere Personen einmischen, schlägt der Polizist einem anderen Mann ins Gesicht.

Im Rahmen der «Stop Isolation»-Demo ist ein Polizist handgreiflich geworden gegenüber zwei Passanten.
Video: Tamedia/Instagram

Gegenüber «Watson» weist die Kantonspolizei Bern darauf hin, dass im Video nicht ersichtlich ist, was vor der Szene alles passiert ist. «Gemäss der Schilderung unserer Mitarbeitenden wurden sie zur Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen gerufen. Ihr Fahrzeug wurde danach von einer Personengruppe aktiv blockiert. Als sie ausstiegen, um dem Fahrzeug Platz zu verschaffen, kam es zu einem kurzen Handgemenge.» Die Polizei wolle den Vorfall aber detailliert abklären.

Beschwerde eines Journalisten

Die Journalistin einer Schweizer Tageszeitung habe versucht, den Faustschlag ebenfalls zu filmen, doch habe ein Polizist mit seiner Hand ihre Kamera verdeckt. Deswegen gibt es auch von Seiten der Medien Kritik: Die Einsatzkräfte haben mehrere Journalistinnen und Journalisten weggewiesen, obschon sie Polizeieinsätze von Gesetzes wegen beobachten dürfen – solange sie die Arbeit der Ordnungshüter nicht behindern. Bei der Kapo sei denn auch mindestens eine Beschwerde eingegangen.

SDA/mb

20 Kommentare
    Thomas D.

    Jetzt geht das Gejammer wieder los. Ich sage: Bravo und Danke Polizei! In so einer Situation so besonnen zu handeln ist nicht einfach. Die Demonstranten ahnen gar nicht, welch paradiesische Verhältnisse hier herrschen.