Piccard bezahlt seine Millionenmiete mit Werbung statt mit Geld

Der Bund stellt das Mietverhältnis mit Bertrand Piccard für den Hangar in Dübendorf auf eine legale Basis – ohne dass der Flugpionier dafür bezahlen muss.

Auf umweltschonender Reise als Botschafter der Eidgenossenschaft: Bertrand Piccards Solar Impulse.

Auf umweltschonender Reise als Botschafter der Eidgenossenschaft: Bertrand Piccards Solar Impulse.

(Bild: Keystone)

Thomas Zemp@tagesanzeiger

Ein Schweizer Kreuz ziert künftig die Pilotenjacken von Bertrand Piccard und seinen Kollegen, wenn sie für ihr Vorzeigeprojekt Solar Impulse unterwegs sind. Das ist Teil der Vereinbarung zwischen dem Bund und Piccard: Mit dem Flugzeug Solar Impulse, das nur mit Solarenergie betrieben wird, will er 2015 die Welt umrunden.

Die Wappen auf den Jacken sind nur ein kleines, aber bedeutendes Detail einer Kampagne, die der Luftfahrtpionier in den nächsten zwei Jahren für die Schweiz durchführen soll. 1,53 Millionen Franken würde diese kosten, müsste die Eidgenossenschaft sie bezahlen. Piccard erhält das Geld aber nicht auf sein Geschäftskonto überweisen – er muss die Miete für die Hangars in Dübendorf (1,1 Millionen Franken) und Payerne (354'000 Franken) nicht bezahlen. Profitieren kann er zudem von weiteren Dienstleistungen.

Noch nie Miete bezahlt

Seit knapp einem Jahr steht Piccard nicht nur mit seinem Solarflieger in den Schlagzeilen, sondern auch für Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den Mietverhältnissen auf dem Militärflugplatz in Dübendorf. Die Eidgenössische Finanzkontrolle deckte damals auf, dass der Bund auf den Flugplatz Subventionen ohne Rechtsgrundlage leistet. Davon profitierte auch Piccard mit seinem Unternehmen. Schon zwischen 2007 und Ende 2010 bezahlte er laut einem Vertrag keine Miete, sondern nur Beiträge an die Nebenkosten – die 2160 Quadratmeter kosteten ihn so lediglich 2000 Franken im Monat.

Einen neuen Vertrag des Militärdepartements von Bundesrat Ueli Maurer vom Februar 2010 unterzeichnete Piccard nicht. Er hätte – laut seinen Angaben von damals – 400'000 Franken jährlich bezahlen müssen. Im vergangenen Mai schrieb der Bundesrat in der Antwort auf eine Interpellation: «Der aufgelaufene Mietwert beträgt über eine Million Franken.» Hinzu kommen noch Umbauarbeiten von 700'000 Franken: Das Tor des Hangars war für den Flieger mit der enormen Spannweite zu klein.

Gestern nun hat der Bundesrat reagiert. Laut einer Mitteilung beschloss er, dem «Engagement der Schweiz für das Projekt Solar Impulse eine verbindliche Form zu geben». Der Bund setzt dabei auf Partnerschaftsverträge, die Federführung dabei übernimmt Präsenz Schweiz.

Eine Idee «born in Switzerland»

Solar Impulse soll dazu die Schweizer Besonderheiten des Projekts in der eigenen Öffentlichkeitsarbeit aktiver einbeziehen. Der Bundesrat weist auf zwei Meilensteine hin: Die Enthüllung des zweiten Flugzeugs 2014 und die Weltumrundung 2015. Konkret soll der Slogan «An idea born in Switzerland» (Eine in der Schweiz geborene Idee) im Vordergrund stehen. Schon dieses Jahr wird Piccard mit Solar Impulse in Etappen die USA überfliegen. Laut Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, wird an jedem Etappenort ein kleines Schweizer Haus installiert, in dem Gäste das Flugzeug hautnah erleben können. Piccard soll mit Solar Impulse auf die Schweizer Wurzeln des Projekts hinweisen.

Wie viel Werbung und Kommunikation der Schweizer Pilot für die 1,53 Millionen Franken leisten muss, dafür hat Bideau eine Berechnungsgrundlage. «Basis bilden die Partnerschaftsverträge von Solar Impulse mit den bisherigen Partnern», sagt er. Der Bund profitiere zusätzlich von «sehr guten Konditionen». Die Verträge zwischen Solar Impulse und Bund würden vergangene und künftige Dienstleistungen abgelten, sagt er auf die Frage, wie der Bund mit den nicht bezahlten Mieten der vergangenen Jahre umgehe.

Zweiter Solarflieger im Bau

Ob Bertrand Piccard der Schweiz die Ehre zukommen lässt, in zwei Jahren Start- und damit auch Endpunkt seiner Weltumrundung mit dem Solarflieger zu sein, hält er momentan offen. «Der genaue Ort ist noch nicht festgelegt», sagt er. Mit der neu vereinbarten Zusammenarbeit könne Solar Impulse die High-tech-Seite der Schweiz noch besser fördern. Schliesslich habe er von Anfang an gehofft, die Schweiz mit seinem Projekt zur Geltung zu bringen.

Momentan macht Piccard den Solarflieger bereit für den Transport nach Amerika. Er wird, in Einzelteile zerlegt und per Luftweg in einem Jumbojet transportiert. In Dübendorf bauen seine Techniker den zweiten Solarflieger.

Tages-Anzeiger

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