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Yves Allegro - Ferncoach wider Willen

In Athen hat Roger Federer noch an der Seite seines Freundes Yves Allegro um Olympia-Meriten gespielt. Der Walliser leistete aber doch seinen Beitrag zum Triumph.

Versteckte sich nicht, sondern half Federer und Wawrinka mit wertvollen Tipps über ihre Kontrahenten: Yves Allegro.
Versteckte sich nicht, sondern half Federer und Wawrinka mit wertvollen Tipps über ihre Kontrahenten: Yves Allegro.
Keystone

Verständlicherweise gross war die Enttäuschung bei Yves Allegro, als ihm Roger Federer eröffnete, er werde das Doppel in Peking nicht mit ihm, sondern mit Stanislas Wawrinka bestreiten. Doch der Walliser hat dennoch sein Möglichstes getan, um seinen Freunden zum Olympiasieg zu verhelfen.

Als er am Samstag zuhause in Grône im Wallis während des Doppel-Endspiels vor dem Fernseher sass, hielt es Yves Allegro vor Spannung kaum aus, zu stark beschäftigten ihn die Geschehnisse im fernen China: «Ich war nervös wie ein kleiner Junge. Das ist ja auch logisch, wenn zwei Freunde um Olympiagold spielen.»

Nicht viel hätte gefehlt und Allegro wäre an Stelle Wawrinkas nach Peking gereist. Federer machte sich den Entscheid nicht einfach, was er auch nach dem Gewinn der Goldmedaille wieder betonte (»ich war überhaupt nicht sicher»), entschied sich dann aber doch zugunsten von Wawrinka, weil er sich von ihm über den Zeitraum eines Turniers grössere Chancen ausrechnete.

Für Allegro war der harte Entscheid nachvollziehbar: «Ich bin der solidere Doppelspieler als Stan, er ist aber zu grösseren Exploits fähig. Das war sicher einer der Gründe für den Entscheid.» Wenn es auch einige Tage gedauert hatte, die Enttäuschung zu verarbeiten, war Allegro selber bald wieder auf dem Damm: «Natürlich wäre ich enorm gerne dabeigewesen. Ich bin vom Naturell her aber nicht neidisch. Ich habe nach vorne geschaut und den Jungs nur das Beste gewünscht.»

Und nicht nur das: Allegro, der als praktisch reiner Doppelspieler die Spezialisten wie kein anderer kennt, betätigte sich als «Ferncoach». Besonders in den ersten Spielen gegen Andreas Seppi/Simone Bolelli (It) sowie Dimitri Tursunow/Michail Juschni (Russ) konnte er zahlreiche wertvolle Tipps liefern, ebenso über die Stärken und vor allem Schwächen von Finalgegner Simon Aspelin. Seinen Einfluss wollte der Davis-Cup-Spieler aber nicht überbewerten: «Spielen mussten sie immer noch selber.»

Setzliste als Plus

Zupass kam den Schweizern die eigenwillige und völlig unerwartete Setzliste, die so erstellt wurde, dass sie die Einzelspieler klar bevorteilte. Während sonst an jedem Turnier nach dem Doppel-Ranking gesetzt wird, wurde hier einfach das bessere Ranking (Einzel oder Doppel) genommen, was die Schweizer auf Platz 4 bugsierte. Sie konnten sich dann gegen die Italiener Simone Bolelli/Andreas Seppi «einspielen», während beispielsweise die wirklichen Doppel-Cracks Arnaud Clément/Michael Llodra und Jonathan Erlich/Andy Ram schon in der Startrunde aufeinandertrafen. «Diese Setzliste war aus Sicht der Doppelspieler ein Skandal, aber für uns natürlich ideal. Ich glaube nicht, dass sie den Titel nach der klassischen Setzliste gewonnen hätten», sagte Allegro. Für ihn war aber auch klar: «Wenn wir gewusst hätten, dass die Setzliste so gemacht wird, hätte sich Roger sowieso für Stan entscheiden müssen.»

Die Setzliste ist schon bald vergessen. Die Spielfreude, der unbändige Jubel und die emotionalen Szenen bei der Siegerehrung werden hingegen lange in Erinnerung bleiben und versprechen gerade für die nächsten Jahre im Davis Cup einiges. Allegro, mittlerweile der routinierteste Spieler und der Team-Spieler schlechthin, fürchtet nicht um seinen Platz: «Wir haben nun noch mehr Optionen, das ist toll. Aber wenn wir den Davis Cup gewinnen wollen, brauchen wir alle, auch mich, Marco Chiudinelli und Stéphane Bohli.»

si/cal

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