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Ein Pole ist der erste Sieger im «Vogelnest»

Erste Leichtathletik-Olympiasieger im «Vogelnest» wurden der Pole Tomasz Majewski (Kugel) und die Äthiopierin Tirunesh Dibaba (10'000 m).

Am ersten sonnigen Tag seit Wochen in Peking herrschte auch im Olympiastadion gute Stimmung, besonders natürlich, wenn Chinesen im Einsatz standen.

Die 23-jährige Äthiopierin Tirunesh Dibaba holte sich ihr Gold erwartungsgemäss mit einem langen Spurt (in 60 Sekunden) durch die letzte Runde. Es war der schnellste 10'000er der olympischen Geschichte. Dibaba ging in 29:54,68 durchs Ziel, nicht weniger als 40 Sekunden unter der Jahres-Weltbestzeit. Sie ist damit als zweite Frau unter 30 Minuten gelaufen. Den Weltrekord hält weiterhin die dopingverdächtige Chinesin Wang Junxia mit 29:31,78 seit 1993.

Erstes Edelmetall für die Türkei

Silber ging an die ebenfalls aus Äthiopien stammende Türkin Elvan Abeylegesse (26), die auch unter 30 Minuten einlief und mit 29:56,34 den Europarekord der Britin Paula Radcliffe (30:01,09) aus dem Jahr 2002 verbesserte. Abeylegesse gewann die erste olympische Leichtathletik-Medaille für die Türkei. Sie war auch schon vor Jahresfrist bei den WM in Osaka als Zweite hinter Tirunesh Dibaba ins Ziel gekommen und verwies nun die jahresschnellste Amerikanerin Shalane Flanagan auf den Bronzeplatz.

Nach der Bronzemedaille 2004 in Athen über 5000 m war es höchste Zeit für einen Olympiasieg durch Dibaba, in deren Palmarès nicht weniger als vier Bahn-WM-Titel und vier Cross-WM-Siege figurieren. Ihren letzten grossen Coup hatte sie im Juni in Oslo mit dem 5000-m- Weltrekord gelandet. Ihr grosses Vorbild, Cousine Derartu Tulu, hatte 1992 und 2000 ebenfalls auf der 10 000-m-Distanz olympisches Gold gewonnen. Tiruneshs Schwester Ejegayehu, 2004 Olympiazweite über die 25 Runden, musste sich diesmal mit Rang 14 begnügen. «Es war ein verrücktes Rennen», sagte Tirunesh Dibaba, «ich hatte einiges erwartet und ich bekam es.» Sie sei sicher, dass sie nächstes Jahr auch den Weltrekord über 10 000 m brechen werde.

Überraschender Majewski

Das Kugelstossen der Männer endete mit Überraschungen. Tomasz Majewski siegte deutlich mit 21,51 m. Der 27 Jahre alte Politikwissenschafts-Student war mit einer Bestleistung von 20,97 m nach Peking gekommen, steigerte diese am Morgen in der Qualifikation auf 21,04 und explodierte im Final. Er hatte zuvor eine einzige internationale Medaille gewonnen, Bronze bei der Hallen-WM 2008 in Valencia. Wie jetzt in Peking hatte er schon 2007 bei den WM in Osaka (5. Rang) und in Valencia persönliche Bestweite erzielt.

Chris Cantwell, der Hallen-Weltmeister 2008, schaffte mit dem letzten Versuch auf 21,09 noch den Sprung aufs Podest vor dem Weissrussen Andrej Michnewitsch (21,05). Die übrigen beiden US- Favoriten versagten - allen voran der Jahres-Weltbeste (22,12) und zweifache Olympia-Silbermedaillengewinner Adam Nelson, der sich drei Nuller schreiben lassen musste. Reese Hoffa, der Weltmeister von 2007, wurde mit 20,53 Siebter, knapp hinter Juri Bilonog (Ukr), dem Olympiasieger von Athen. «Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb dies passierte», sagte Nelson.

Bolt schlüpfte in die 100-m-Favoritenrolle

In den zwei Runden des Freitags entpuppte sich der Jamaicaner Usain Bolt als Favorit für den heutigen 100-m-Final. Der 22-jährige Weltrekordler (9,72) joggte in den Viertelfinals nach gutem Start - normalerweise seine Schwäche - derart locker und überlegen zur Bestzeit von 9,92 Sekunden, dass ihm auf den ersten Blick niemand gefährlich werden kann - nicht einmal sein Landsmann und Weltrekordvorgänger Asafa Powell (26) und der amerikanische Doppelweltmeister des letzten Jahres, Tyson Gay (26). «Ich bin die ersten 50 m voll gelaufen, dann schaute ich mich um, um sicher zu sein, dass nichts passieren konnte, und brachte es heim», sagte Bolt. Er habe kein Geheimnis, «einfach laufen».

Gay hatte vor sechs Wochen bei den US-Trials in Eugene beim 200- m-Einsatz eine Zerrung im linken Oberschenkel eingefangen und seither keinen Ernstkampf mehr bestritten. In seinem Viertelfinal kam er im Gegensatz zu Bolt und Powell (10,02) als Zweiter ins Ziel (in 10,09). «Ich fühlte mich gut und entspannt», sagte er. Wie weit sich das Favoritentrio zurückhielt, wie viele Reserven noch vorhanden sind und ob Powells Nerven erstmals an einem internationalen Titelkampf mitmachen, wird sich erst im Final um 22.30 Uhr Ortszeit zeigen.

si/fal

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