Zum Hauptinhalt springen

Wütende Proteste nach Gruppenvergewaltigung in Indien

In einem Bus in der indischen Hauptstadt Neu Delhi hat eine Gruppe von Männern, darunter der Busfahrer, eine Studentin vergewaltigt. Die indische Gesellschaft und die Politik fordern drastische Massnahmen.

Gewalt gegen Frauen: In Neu Delhi demonstrierten Oppositionelle und Frauenrechtlerinnen gegen Polizei und Regierung.

Die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in einem Bus in Neu Delhi hat wütende Proteste ausgelöst. Demonstranten versammelten sich heute Mittwoch vor einem Regierungsgebäude und verlangten Gleichberechtigung und mehr Respekt für Frauen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, als einige Teilnehmer versuchten, die Absperrungen zur Residenz von Neu Delhis Regierungschefin Sheila Dikshit zu durchbrechen. Auch in anderen indischen Städten gab es Proteste.

Die 23-jährige Studentin war am Sonntagabend nach einem Kinobesuch gemeinsam mit ihrem Freund in einen Bus gestiegen. Dort vergewaltigten nach Polizeiangaben sechs Männer, darunter der Busfahrer, die junge Frau, bevor sie ihr Opfer brutal aus dem Fahrzeug stiessen. Der Übergriff dauerte mehr als 40 Minuten.

Die Studentin lag am Mittwoch weiter mit lebensgefährlichen Verletzungen im Spital. Ihr 28-jähriger Freund wurde beim Versuch, seiner Freundin zu helfen, mit einer Eisenstange geschlagen und musste ebenfalls ins Spital. Am Montag nahm die Polizei vier Verdächtige fest, darunter den Busfahrer. Nach zwei Männern wurde weiter gefahndet. Drei Verdächtige wurden am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt.

Forderung nach Todesstrafe

Die brutale Tat wurde auch von der indischen Regierung scharf verurteilt. Premierminister Manmohan Singh sprach am Mittwoch von einem «abscheulichen» Angriff. Die Vorsitzende der regierenden Kongress-Partei, Sonia Gandhi, sprach von einer beschämenden Tat. Sie forderte die Verantwortlichen in Neu Delhi auf, verstärkt gegen Gewalttaten vorzugehen.

Neu Delhis Polizeichef Neeraj Kumar hatte am Dienstag die Einführung der Todesstrafe für Vergewaltiger gefordert. Derzeit liegt die Höchststrafe bei zehn Jahren Gefängnis. Die Gruppenvergewaltigung löste auch eine Parlamentsdebatte aus, in der mehrere Abgeordnete ebenfalls die Todesstrafe forderten. Innenminister Sushilkumar Shinde sagte im Parlament, künftig solle es verboten sein, dass Busse getönte Scheiben und Vorhänge haben.

Frauen geniessen in der indischen Gesellschaft wenig Ansehen. Laut nationaler Statistik richteten sich im vergangenen Jahr 228'650 der insgesamt 256'329 verübten Gewaltverbrechen gegen Frauen. Die Zahl der Vergewaltigung verdoppelte sich zwischen 1990 und 2008. Der Fall vom Sonntagabend ist nur der jüngste in eine Reihe brutaler Angriffe in der Hauptstadt.

SDA/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch