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Was Kriminelle zu treuen IS-Kämpfern macht

Experten warnen vor einem neuen Täterprofil des Terrors. Der IS habe bei der Rekrutierung seines Nachwuchses besonders junge, bereits straffällig gewordene Männer im Visier.

Kalaschnikow, martialische Pose: So versucht der IS, Nachwuchs zu rekrutieren. «Manchmal sind es gerade die Menschen mit der dunkelsten Vergangenheit, die eine bessere Zukunft mitgestalten können» lautet der Slogan auf dem Werbeplakat einer britischen IS-Kämpferzelle.
Kalaschnikow, martialische Pose: So versucht der IS, Nachwuchs zu rekrutieren. «Manchmal sind es gerade die Menschen mit der dunkelsten Vergangenheit, die eine bessere Zukunft mitgestalten können» lautet der Slogan auf dem Werbeplakat einer britischen IS-Kämpferzelle.
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Ein Mann läuft durch Brüssels Problemviertel Molenbeek. Gerade hier hat der IS in jüngster Vergangenheit viel Zulauf erfahren.
Ein Mann läuft durch Brüssels Problemviertel Molenbeek. Gerade hier hat der IS in jüngster Vergangenheit viel Zulauf erfahren.
Epa/Stephanie Lecocq
Auch er war bereits straffällig geworden: Paris-Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud. Mit dem Antlitz des Belgiers warb der IS in seinem englischsprachigen Magazin.
Auch er war bereits straffällig geworden: Paris-Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud. Mit dem Antlitz des Belgiers warb der IS in seinem englischsprachigen Magazin.
Militant photo via AP
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Wissenschaftler am renommierten Londoner King's College haben die Biografien europäischer IS-Kämpfer untersucht – und sind auf eine Gemeinsamkeit gestossen: Mehr als die Hälfte aller erfassten Terroristen haben eine kriminelle Vergangenheit.

Wer bereits straffällig geworden ist, eignet sich in den Augen des IS offenbar besonders gut für eine tragende Rolle im Terrornetzwerk. Der britische «Independent» beschreibt, was diesen Trend so gefährlich macht – und wie die Miliz ihren Nachwuchs rekrutiert.

«Manchmal sind es gerade die Menschen mit der dunkelsten Vergangenheit, die eine bessere Zukunft mitgestalten können», heisst es auf einem Werbeplakat einer britischen IS-Kämpferzelle. Die Zielgruppe des martialisch gestalteten Posters: junge Kriminelle. Und die Masche zieht, wie Peter Neumann, Direktor am Internationalen Zentrum für Radikalisierungsstudien (ICSR), weiss: «Obwohl gern betont wird, dass Terroristen oft aus der Mittel- oder Oberschicht stammen, trifft das auf IS-Kämpfer in den meisten Fällen nicht zu.»

Die neuen «islamisierten Radikalen»

Dass sich die Täter-Profile wandeln, können auch die Behörden bestätigen. Bisher habe man es meist mit Personen zu tun gehabt, die erst durch eine extremistische Auslegung des Islam zu Gewalttätern wurden, sagt Alain Grignard, führender Anti-Terrorismus-Beauftragter der belgischen Regierung. Vermehrt treffe man nun dagegen auf Personen, die bereits vor dem Kontakt mit islamistischem Gedankengut als gewalttätig auffielen. Aus «radikalen Islamisten» würden zunehmend «islamisierte Radikale».

Eine wachsende Herausforderung gerade im Hinblick auf die Frühwarnsysteme der europäischen Ermittler. Wer in die Szene abdriftete, fiel bisher zumeist auch bald durch einen geänderten Lebenswandel auf. Für den IS spiele dieser aber keine Rolle mehr. Drogen, Alkohol, Gewalt – alles sei erlaubt, solange Befehle befolgt würden. Ebenfalls an Bedeutung verloren habe die Religion selbst. So käme es den Rekruten der Terror-Miliz nur wenig darauf an, ob sich jemand an die strengen Gebote halte oder Koransuren auswendig kenne.

Europäische Gefängnisse als Rekrutierungs-Hort

Neu ist laut den Forschern auch der Coolness- und Gemeinschafts-Faktor, mit dem das Terrornetzwerk Nachwuchs im Milieu ködern will. Wer bereits mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei, schätze oft die Zugehörigkeit zu einer übergeordneten, starken Bande. «Junge polizeilich bestens bekannte Muslime schliessen sich dem Islamischen Staat als einer Art Super-Gang an», beschreibt Terrorismus-Experte Grignard das Phänomen.

Gegensteuern können die Behörden laut ICSR-Direktor Neumann vor allem im Rekrutierungs-Hort Nummer eins des IS, den europäischen Gefängnissen. Hier sei die Lage in Frankreich und Belgien zum Teil «völlig ausser Kontrolle».

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