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Von streitenden Mäusen und «unsichtbaren» Rentieren

Das Londoner Natural History Museum hat fünf Fotografen für ihre Tierbilder ausgezeichnet. Das sind die Gewinner.

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Das Gewinnerfoto: Mäuse in der Londoner U-Bahn streiten sich um Essensreste (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Sam Rowley/WPY
Das Gewinnerfoto: Mäuse in der Londoner U-Bahn streiten sich um Essensreste (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Sam Rowley/WPY

Der «Wildlife Photographer of the Year 2019»-Award wurde bereits im Oktober verliehen. Wer es nicht ins Finale geschafft hatte, bekam beim «Lumix People's Choice Award» nochmals die Möglichkeit, sich zu profilieren. Eine Jury des Natural History Museum in London wählte aus rund 48'000 eingesendeten Bildern die 25 «vielversprechendsten» aus – und liess das Publikum per Online-Abstimmung entscheiden. Gewonnen hat der britische Fotograf Sam Rowley mit seinem Bild «Station Squabble», zu Deutsch: U-Bahn-Zank.

Rowleys Foto zeigt zwei Mäuse in der Londoner U-Bahn, die sich um Essensreste streiten. Der Streit habe nur Sekunden gedauert, bevor eine Maus ein Stückchen ergriffen habe und sie wieder getrennte Wege gegangen seien, schreibt das Natural History Museum auf seiner Website.

Was für viele wohl eher Ekel oder Schrecken (oder beides) auslöst, war für Rowley eine willkommene Herausforderung. «Mein Freund schickte mir ein Video von Mäusen auf einem Bahnsteig, und da dämmerte es mir», erklärt er. «Es überraschte mich, dass sich noch niemand ernsthaft mit der Herausforderung auseinandergesetzt hatte, Londons U-Bahn-Mäuse zu fotografieren, und es schien ein naheliegendes Projekt für mich zu sein.»

Komische Blicke von Passanten

Fünf Nächte dauerte das Projekt. Diese verbrachte Rowley hauptsächlich liegend auf dem Boden von verschiedenen U-Bahn-Stationen – und erntete komische Blicke von Passanten. Während seiner Arbeit habe er immer wieder Gespräche mit neugierigen Leuten geführt. «Ich schätze, mich auf dem Bahnsteig kriechen zu sehen, war eine gute Möglichkeit, die Monotonie des Auf-den-Zug-Wartens zu unterbrechen. Das einzige Ärgernis war, dass sie meine Mäuse verscheuchten.»

Rowleys Foto gebe einen faszinierenden Einblick in die Funktionsweise der Tierwelt in einer vom Menschen dominierten Umgebung, sagt Museumsdirektor Sir Michael Dixon. Und obwohl man zwar jeden Tag an ihnen vorbeiginge, erinnere dieses Bild daran, dass der Mensch mit der Natur vor der Haustür verflochten sei. «Ich hoffe, dass es die Menschen dazu anregt, über diese Beziehung nachzudenken und sie mehr zu schätzen.»

«Losing the fight»: Boxende Affen dienen in manchen Ländern schon seit Jahren der Unterhaltung (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Aaron Gekoski/WPY
«Losing the fight»: Boxende Affen dienen in manchen Ländern schon seit Jahren der Unterhaltung (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Aaron Gekoski/WPY

Neben Rowleys «Station Squabble» werden noch vier weitere Fotos, die das Publikum überzeugten, im Natural History Museum zu sehen sein. Eines ist «Losing the fight» (den Kampf verlieren) vom britischen Fotografen Aaron Gekoski. Das Bild zeigt einen Orang-Utan in Boxermontur. Die Affen im Tier- und Freizeitpark «Safari World» in Bangkok werden dazu angehalten, Kunststücke aufzuführen oder gegeneinander zu boxen. Die schlechte Haltung der Tiere wird schon seit Jahren scharf kritisiert. Er hoffe nun, dass die aus der Auszeichnung resultierende Publicity Druck auf den Park und vergleichbare Orte ausüben werde, schreibt Gekoski auf Instagram.

«Matching outfits»: Trotz gleichem Muster sind sich die Raubtiere nicht wirklich freundlich gesinnt (auf Bild klicken zum Vergrössen). Foto: Michel Zoghzoghi/WPY
«Matching outfits»: Trotz gleichem Muster sind sich die Raubtiere nicht wirklich freundlich gesinnt (auf Bild klicken zum Vergrössen). Foto: Michel Zoghzoghi/WPY

Eigentlich wollte Michel Zoghzoghi in Brasilien Jaguare fotografieren. Was er schliesslich vor die Linse bekam, war so gut, dass es ebenfalls für eine Auszeichnung des National Art Museum reichte. Als der Libanese mit einem Boot unterwegs war, kreuzten ihn eine Jaguardame und ihr Junges, im Mund eine Anaconda. Vom Muster her wären sie kaum auseinanderzuhalten.

«The surrogate mother»: Elias Mugambi kümmert sich in Kenia um verwaiste Nashörner (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Martin Buzora/WPY
«The surrogate mother»: Elias Mugambi kümmert sich in Kenia um verwaiste Nashörner (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Martin Buzora/WPY

Auch in die Top 5 schaffte es der Fotograf Martin Buzora. Für sein Bild begab sich der Kanadier ins Lewa Wildlife Conservancy, ein Naturschutzgebiet im Norden von Kenia, wo er den Ranger Elias Mugambi traf. Mugambi kümmert sich dort quasi als Ersatzmutter um junge Nashörner, welche ihre Bezugsperson verloren haben. Er verbringt oft Wochen fernab von seiner Familie und betreut verwaiste Spitzmaulnashörner. Das Bild fasse die besondere Verbindung zusammen, die Mugambi mit seinen verwaisten Nashörnern teile, schreiben die Foto-Juroren in einem Facebook-Post.

«Spot the reindeer»: Die Rentiere in Norwegen verschwimmen mit ihrer Umwelt (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Francis De Andrés/WPY
«Spot the reindeer»: Die Rentiere in Norwegen verschwimmen mit ihrer Umwelt (auf Bild klicken zum Vergrössern). Foto: Francis De Andrés/WPY

Schwarze Punkte und schmutzige Flächen auf weissem Hintergrund: So in etwa liesse sich das Foto vom spanischen Fotografen Francis De Andrés auf den ersten Blick beschreiben. Ein zweiter Blick offenbart: Die Punkte sind Augen, die Flächen formen einen Tierkörper. «Spot the reindeer» (finde das Rentier) heisst das Bild und zeigt im Schnee liegende Rentiere in den norwegischen Spitzbergen. Die Tiere haben sich an die arktischen Temperaturen und die Umwelt angepasst und werden quasi eins mit der Natur.

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