Viel Regen und ruppiger Wind – die Gewitterfront hatte es in sich

Die Regenmengen haben 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter betragen, der Spitzenwert lag in Egolzwil LU mit über 40 Litern. Auf dem Pilatus blies der Wind mit über 100 km/h.

Heftige Regenfälle gehen nieder, der Himmel leuchtet auf: Leser schicken Videos des Unwetters ein. (Video: Tamedia/Leserreporter)

Am Montagabend wurde die Schweiz erneut von heftigen Gewittern heimgesucht. Die grössten Regenmengen fielen auf der Linie vom unteren Emmental BE bis zum Appenzellerland. Im Schnitt fielen 20 bis 30 Liter Regen, der Spitzenwert lag bei rund 46 Litern in Egolzwil LU. «Der Juli ist mit bis zu 180 Litern pro Quadratmeter typischerweise der regenreichste Monat», sagt Klaus Marquardt von Meteonews. Das bedeutet, dass am Montagabend allein im Luzernischen rund ein Viertel der sonst üblichen Regenmenge niedergegangen ist. Ein weiterer Vergleich: Die Unwetter im Tessin vor ein paar Wochen brachten bis zu 80 Liter Regen pro Quadratmeter.

Dazu kam bei Durchzug der Gewitterstaffel starker bis stürmischer Wind. Auf dem Bantiger BE zeigten die Flachlandstation Messwerte von 93 km/h an, auf dem Zürcher Uetliberg 80 km/h, wie Meteonews heute mitteilt. In der Höhe stürmte es auf dem Pilatus mit 113 km/h am heftigsten.

Feuerwehreinsätze in Luzern und Aargau

Wegen der Folgen des starken Gewitters vom Montagabend sind im Kanton Luzern zwölf Feuerwehren mit 220 Personen ausgerückt. Wie die Gebäudeversicherung Luzern heute mitteilte, blieb der Kanton Luzern aber vor grösseren Schäden verschont.

Im Kanton Aargau führte das Unwetter zu zehn Feuerwehreinsätzen. Vor allem im oberen Freiamt liefen mehrere Keller mit Wasser voll. Personen wurden nicht verletzt. Es entstanden auch keine ausserordentlich grossen Schäden, wie die Aargauer Kantonspolizei heute mitteilte. Bei der kantonalen Notrufzentrale gingen bis 22 Uhr rund 80 Meldungen ein.

Stufe Rot

Am Montagabend hat Meteocentrale eine Unwetterwarnung der Stufe Rot herausgegeben. Diese galt zwischen dem Freiamt im Kanton Aargau und der Stadt Zürich. Nach 23 Uhr war der Spuk vorbei: «Das Schlimmste ist überstanden», sagt Bernd Konantz von Meteo Schweiz auf Anfrage von langenthalertagblatt.ch/Newsnetz. In der Nacht gab es noch vereinzelte Schauer.

Leservideos zeigen Starkregen und die Auswirkungen – unter anderem in Wald ZH, Oberrohrdorf AG, Rapperswil SG und Widen AG. (Video: Tamedia/Leserreporter)

Das Gewitter ist Richtung Süddeutschland weitergezogen. Die Gewitterzelle bewegte sich auf einer annähernd geraden Bahn von Bern nach Zürich. Auf mehreren Stationen hat es heftige Regenfälle verursacht. In Muri AG fielen 58 Liter pro Quadratmeter, wie Konantz sagt. Auch Willisau LU war mit 45 Litern pro Quadratmeter stark betroffen, ebenso Affoltern im Emmental mit 41 Litern.

Dienstag wird ruhiger

Damit sind lokal grössere Mengen Regen niedergegangen als am Vorabend. Für Dienstagabend rechnet Konantz mit einer geringeren Gewittergefahr: «Die Luftmasse ist nicht mehr so gewitterträchtig.» Obschon sich die Luft am Tag wieder stark aufheizen wird, geht er davon aus, dass es höchstens in den Voralpen zu vereinzelten Gewittern kommt.

Ein Leser aus Muri AG wurde während seiner Fahrstunden vom Gewitter überrascht: «Ich war mit meinem Vater an einer Fahrstunde. Ich musste statt 80 nur noch 30 Kilometer pro Stunde fahren, und die Strasse haben wir nicht mehr gesehen.» Mehrere Autos hätten ganz angehalten.

Autos mussten anhalten, wie dieser Leser aus Muri AG schreibt. (Video: Leserreporter)

In Baar ZG schlägt der Blitz ein: «Es fühlte sich an wie eine Schockwelle», schreibt dieser Leser. (Video: Leserreporter)

Dieses Leserbild zeigt einen Blitz über Rothrist AG. (Bild: Leserreporter 20 Minuten)

Es blitzt auch im Kanton Luzern: «Heftiges Gewitter über Triengen», schreibt dieser Leserreporter aus Triengen LU. (Video: Leserreporter 20 Minuten)

Laut SRF Meteo zeigt das Video dieses Twitter-Nutzers einen Vorgeschmack auf die erwarteten Sturmböen.

Dieses Facebook-Video von Meteonews zeigt Starkregen in Eglisau ZH.

Die Stadt Zürich lag auf der Linie des Gewitters, wie Bernd Konantz von Meteo Schweiz sagt. (Video: Leserreporter)

Im luzernischen Willisau sind 45 Liter pro Quadratmeter gefallen. (Video: Leserreporter)

Am Samstagabend hatten unwetterartige Gewitter in den Kantonen Aargau, Bern und Solothurn enorme Schäden angerichtet. Es kam zu überschwemmten Kellern und Unterführungen, Hangrutschen und Stromausfällen. Allein aus der Region Zofingen gingen bei der Aargauischen Gebäudeversicherung 1500 Schadenmeldungen ein. Die Zofinger Behörden gehen von einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe aus.

oli/chk/sda

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