Tiefgarage, Keller und Autobahn überflutet

Am Samstag sind teils heftige Gewitter über die Schweiz gezogen. An mehreren Orten ist es zu Überschwemmungen und Stromausfällen gekommen.

Die Unwetter führten bei Zofingen und bei Biel zu Überschwemmungen. (8. Juli 2017) Video: Diverse Leserreporter/Tamedia

Nach einer Tropennacht wurden am Samstag wieder Höchsttemperaturen von 30 bis 32 Grad Celsius gemessen. Doch dann verhagelte es in Teilen der Schweiz den Sommerplausch. In drei Regionen waren besonders kräftige Gewitterzellen aktiv: in der Region Aargau zwischen Olten und Lenzburg, in der Region des Bielersees und über dem nördlichen Teil des Bodensees.

Drei starke Gewitterzellen entluden sich über dem Aargau, bei Biel und über dem Bodensee. (8. Juli 2017) Video: Diverse Leserreporter/Tamedia

Viel Wasser, aber kein Strom in Zofingen AG

Heftige Gewitter haben in Zofingen AG zu grossflächigen Überschwemmungen, Hangrutschen und Stromunterbrüchen geführt. Bei der Notrufzentrale gingen über 320 Schadensmeldungen ein. Verletzt wurde nach ersten Informationen niemand.

Betroffen von den Fluten waren der Ortsteil Mühlethal sowie tiefer gelegene Quartiere, die Altstadt und die Industriegebiete, wie die Stadt Zofingen in der Nacht auf Sonntag mitteilte.

Mehrere Betriebe, Keller, Tiefgaragen, Unterführungen und das Bahnhofparking standen unter Wasser. In einzelnen Quartieren fiel der Strom aus. Der Zivilschutz verteilte Trinkwasser, wie im Kurznachrichtendienst Twitter berichtet wurde.

Autobahn und Gleise überflutet

Insgesamt rückten rund 250 Rettungskräfte zum Einsatz an, darunter mehrere Feuer- und Chemiewehren, der Zivilschutz und ein Löschzug der SBB. Die Feuerwehr Zofingen rechnet mit einem mehrtägigen Einsatz.

Das Unwetter beeinträchtigte auch den Verkehr auf Strasse und Schiene. Die A1 bei Zofingen wurde überflutet. Die Autobahn wurde zeitweise gesperrt. In Zofingen standen zudem am Samstagabend zwei Gleise unter Wasser. Die Züge auf der Strecke Basel-Luzern fielen zwischen Olten und Luzern aus, wie der Bahninformationsdienst Railinfo mitteilte.

Speziell akut sei die Lage auch im Wiggertal. Dort stand die Polizei über einhundert Mal im Einsatz. Viele Keller seien überschwemmt worden.

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«Es hat laut geknallt»

Am Abend zog ein Hagelsturm über Rothrist AG. Leserreporterin Isabelle Jordi hatte das Unwetter kommen sehen und konnte gerade noch ihre Sachen ins Haus nehmen: «Es hat sehr laut geknallt. Dann sah ich, dass da so riesige Bälle herunterkamen – das habe ich so also wirklich noch nie gesehen.» Nach etwa 10 Minuten sei der Spuk vorbei gewesen, so Jordi.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz hat bei Meteonews nachgefragt, wie sich das Wetter weiter entwickelt. Drei Gewitterzellen stechen dem Meteorologen Reto Vögeli ins Auge: Eine Störung entlud sich in der Region Aargau zwischen Olten und Lenzburg. Dann gab es auch in Biel und über dem Bielersee ein heftiges Unwetter. Und um 18 Uhr entlud sich eine weitere Zelle über dem nördlichen Teil des Bodensees – allerdings trieben Winde aus westlicher Richtung diese Störung in Richtung Deutschland weg. «Rein von der Intensität her muss man davon ausgehen, dass es zu Schäden gekommen ist», so Vögeli.

Schäden auch im Kanton Solothurn

Heftige Gewitter entluden sich auch in Teilen des Kantons Solothurn. Betroffen waren vor allem die Gemeinden Gretzenbach, Däniken und Dulliken im östlichen Kantonsteil. Insgesamt gingen bei der kantonalen Alarmzentrale rund 60 Meldungen ein, wie die Kantonspolizei Solothurn mitteilte.

In knapp 50 Fällen seien Wassereinbrüche gemeldet worden. Allein in Gretzenbach wurden 19 Keller überschwemmt. Der starke Wind entwurzelte zudem zahlreiche Bäume.

Bis zu 90 Liter Regen pro Quadratmeter

Am Samstagnachmittag und -abend waren teils heftige Gewitter über die Schweiz gezogen - und haben der Hitzewelle ein Ende gesetzt. Wurden vorerst noch Temperaturen von bis zu 32 Grad gemessen, stürmte es später am Tag stellenweise heftig.

Die kräftigsten Gewitterzellen entluden sich am Jurasüdfuss und am Bodensee, wie der Wetterdienst MeteoSchweiz auf seinem Blog schreibt. Im Oberaargau fielen stellenweise knapp 90 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. In Wynau im Kanton Bern wurden in nur 20 Minuten 31 Liter gemessen.

Böen bis 104 Kilometer pro Stunde

Die Unwetter führten zu teils kräftigen Windböen. In Interlaken BE wurden Winde mit einer Geschwindigkeit von 104 km/h registriert. In Niedergösgen SO waren es 91 km/h, in Wynau BE 87 km/h und in Cressier NE sowie Grenchen SO je 85 km/h.

Die Unwetter zogen vom Westen her über die Schweiz und sollten sich im Verlauf des Abends abschwächen. Wann und wo es noch zu Regenfällen kommen wird, sei schwierig zu sagen, so Vögeli.

Abkühlung zum Wochenstart

Abkühlung bringt das schlechte Wetter nicht. Auch die Nacht dürfte wieder schwül werden. Morgen Sonntag steigt die Gewitterneigung nach schwülwarmen bis -heissen 26 bis 30 Grad verbreitet an.

Merklich kühler wird es zum Wochenstart: Für Montag und Dienstag sagt Meteonews rund 25 Grad voraus. Die Woche bietet ein buntes Programm: Die Sonne zeigt sich immer wieder, aber zwischendurch ist mit einzelnen Regenschauern zu rechnen.

mch/sda

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