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Taximörder versetzt Bodensee-Region in Angst

In Süddeutschland geht die Angst um. Ein Mann tötete eine Taxifahrerin und verletzte eine andere schwer. Die Polizei befürchtet, dass der Täter weiter tötet. Die Fahndung läuft auch in der Schweiz.

Hubschrauber der Polizei kreisten in den letzten zwei Tagen über der deutschen Stadt Friedrichshafen, Polizisten patrouillierten in den Fussgängerzonen, da und dort waren schwer bewaffnete Polizisten zu sehen. Anlass der Grossfahndung war der Fund einer Frauenleiche in Hagnau (Bodenseekreis). Bei der Toten handelt es sich um eine 33-jährige Taxifahrerin, die ihren Mörder in Friedrichshafen mitgenommen hatte. Inzwischen hat die Polizei Friedrichshafen ein Phantombild des Täters veröffentlicht.

Der mutmassliche Täter soll etwa 25 bis 30 Jahre alt und auffallend schlank sein sowie dunkelblonde Haare haben. Am Tag der Tat trug er verwaschene Jeans, ein dunkelblaues T-Shirt sowie schwarze, spitze Schuhe und eine Baseballmütze. Ausserdem führte er eine schwarze Laptoptasche mit sich. «Er sprach gebrochen Deutsch mit einem osteuropäischen Akzent», heisst es in einer Mitteilung der Polizei.

Flucht mit dem Velo

Bevor der Unbekannte die 33-jährige Taxifahrerin, die zwei kleine Kinder hinterlässt, am Mittwochvormittag brutal erstach, hatte er sich von Friedrichshafen auf die Insel Mainau fahren lassen, wo er angeblich etwas zu erledigen gehabt hatte. Die Fahrerin sei die ganze Zeit über völlig arglos gewesen, erzählte ihr Chef, der Friedrichshafener Taxiunternehmer Marcel Fuhrmann, der «Stuttgarter Zeitung».

Der mutmassliche Täter wurde laut Polizei am frühen Mittwochnachmittag von einer Gruppe von holländischen Velofahrern in Friedrichshafen gesehen. Der Mann war selbst mit einem Velo unterwegs und hatte die Holländer nach dem Weg in einen Stadtteil gefragt. In Friedrichshafen-Fischbach verlieren sich die Spuren des Unbekannten. «Wir wissen nicht, wo er ist. Er kann sich noch im Grossraum Friedrichshafen aufhalten, oder sich längst davongemacht haben», erklärte ein Sprecher der Polizei am Donnerstagabend.

Der gesuchte Mann steht auch im Verdacht, in Singen (Kreis Konstanz) eine weitere Taxifahrerin überfallen und vergewaltigt zu haben. Dabei soll die 44-Jährige mit einem Messer schwer am Hals verletzt worden sein. Die Taxifahrerin wurde in der Nacht auf Mittwoch aufgefunden. Zurzeit liegt sie auf der Intensivstation und ist nicht ansprechbar.

«Ich habe schon Angst»

Die Polizei glaubt nicht, dass die Gefahr vorbei ist. «Das waren zwei Vorgänge innerhalb kurzer Zeit. Da müssen wir damit rechnen, dass noch etwas kommen könnte», sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Konstanz. Insbesondere in der Taxi-Branche sind die schlimmen Delikte das Gesprächsthema Nummer eins. Vor allem unter den Taxifahrerinnen hat sich Unbehagen ausgebreitet. «Ich habe schon Angst», zitiert der «Südkurier» eine Taxifahrerin aus Friedrichshafen. «Besonders abends fühle ich mich unsicher. Es ist schon ein Schock, dass so etwas in Friedrichshafen passiert.» Das Taxi-Unternehmen, das die am Mittwoch getötete Frau beschäftigte, hat inzwischen reagiert: Seit Donnerstag warten nur noch die männlichen Fahrer in Taxibuchten, die Fahrerinnen befördern lediglich firmenbekannte Kunden. «Es besteht im Moment keine Verpflichtung zu fahren», erklärt Marcel Fuhrmann.

Dass seine Taxis mit einem stillen Alarm, bei dem sämtliche Lichter des Fahrzeugs blinken, und einem lauten Alarm, bei dem zusätzlich ein lautes Hupen ertönt, ausgerüstet sind, hat der 33-jährigen Angestellten leider nicht das Leben retten können. Als traurige Folge will Fuhrmann elektronisch nachrüsten. So gebe es zum Beispiel die Möglichkeit, Innenkameras einzubauen. Andere wollen ihre Alarmanlagen verbessern: «Es wäre wichtig, dass wir Alarm direkt bei der Polizei auslösen können», zitiert die «Schwäbische Zeitung» eine Taxi-Unternehmerin.

Sonderkommission an der Arbeit

Die Friedrichshafener Sonderkommission «Taxi» arbeitete am Donnerstag bereits mehr als 80 Hinweise aus der Bevölkerung ab. Eine heisse Spur gab es zunächst nicht. «Wir gehen davon aus, dass sich der Täter noch in der Region aufhält», sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagnachmittag in Friedrichshafen. Region könnte auch bedeuten, dass sich der Täter auf die andere Seite des Bodensees - also in die Schweiz - abgesetzt hat. Die Fahndung läuft auch in der Schweiz. Hilfe erhofft sich die deutsche Polizei vor allem aus den Kantonen Schaffhausen, Zürich, Thurgau und St. Gallen.

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